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Nach der Horrornacht von Crans-Montana: Abschied von 40 jungen Leben

Nach der tödlichen Brandkatastrophe von Crans-Montana gedenkt die Schweiz der Opfer. Schweigeminuten, Glockengeläut und tiefe Erschütterung prägen den Tag.

Die Schweiz hat am Freitag landesweit der 40 Todesopfer der verheerenden Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana gedacht. Um 14.00 Uhr hielten die Menschen eine Schweigeminute ab, anschließend läuteten fünf Minuten lang die Kirchenglocken im ganzen Land. Zudem fand eine zentrale Trauerzeremonie statt, während die Ermittlungen zu den Ursachen des Feuers weitergingen. 

Am Vormittag wurden das Betreiber-Ehepaar der Bar „Le Constellation“ erstmals umfassend befragt. Der Mann wurde danach in Untersuchungshaft genommen. In der Silvesternacht waren in der Bar 40 zumeist junge Menschen ums Leben gekommen, die Hälfte von ihnen minderjährig. Das jüngste Opfer war 14 Jahre alt, das älteste 39. 

Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sprach von „einer der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat“. Von den insgesamt 114 Verletzten wurden am Freitag noch 83 in Krankenhäusern behandelt, viele davon in spezialisierten Brandverletztenzentren, auch in Deutschland. Die Opfer stammten aus 19 Ländern, darunter Frankreich und Italien. Entsprechend nahmen auch der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Italiens Staatsoberhaupt Sergio Mattarella an der Trauerfeier im rund 50 Kilometer entfernten Martigny teil. Etwa tausend Gäste, darunter zahlreiche Rettungskräfte, erinnerten dort mit weißen Rosen an die Verstorbenen. Parmelin erklärte in seiner Rede, die Hoffnung der Überlebenden hänge auch davon ab, ob Versäumnisse „ohne Verzögerung und Nachsicht“ aufgeklärt und bestraft würden. 

Die Zeremonie fand nicht in Crans-Montana selbst statt, da der Ort wegen starken Schneefalls nur schwer zugänglich war. Vor der zerstörten Bar entstand unterdessen eine improvisierte Gedenkstätte mit Kerzen, Fotos und Kuscheltieren, geschützt von einer Iglu-förmigen Plane. Ein Kondolenzbuch füllte sich rasch mit Botschaften des Entsetzens und der Trauer.

OZD-Kommentar

Crans-Montana ist mehr als ein Unglücksort, es ist ein Menetekel. Der Tod von 40 jungen Menschen wirft ein grelles Licht auf Versäumnisse, die nicht länger mit Betroffenheitsrhetorik überdeckt werden dürfen. Wenn Brandschutzkontrollen Jahre zurückliegen und einfache Partyutensilien zur tödlichen Falle werden, dann hat ein System versagt. Die Schweiz steht nun vor der Bewährungsprobe, ob sie bereit ist, Verantwortung konsequent einzufordern. Ohne lückenlose Aufklärung droht aus der nationalen Trauer ein dauerhaftes Misstrauen gegenüber Behörden und Betreibern zu werden.

Historischer Hintergrund

Großbrände mit vielen Todesopfern sind in der Schweiz selten, weshalb die Katastrophe von Crans-Montana das Land besonders erschüttert hat. In der Vergangenheit wurden Brandschutzvorschriften kontinuierlich verschärft, regelmäßige Kontrollen gelten als zentrale Säule der Prävention. Der Brand in der Bar „Le Constellation“ lenkt den Fokus auf mögliche Lücken bei der Umsetzung und Überwachung dieser Regeln. Dass die letzte Brandschutzinspektion nach Angaben der Gemeinde bereits 2019 stattfand, unterstreicht die Aktualität der Debatte. Die Tragödie hat eine landesweite Diskussion über Sicherheit bei Großveranstaltungen ausgelöst.

Erklärungen

Wer ist Guy Parmelin?
Guy Parmelin ist ein Schweizer Politiker und amtierender Bundespräsident. Er vertritt die Schweiz nach außen und nimmt bei nationalen Krisen eine zentrale repräsentative Rolle ein.

Was ist Crans-Montana?
Crans-Montana ist ein international bekannter Schweizer Ski- und Ferienort im Kanton Wallis. Der Ort ist für Wintersport, Tourismus und exklusive Veranstaltungen bekannt.

OZD-Analyse

Dimension der Tragödie

a) Hohe Zahl junger Todesopfer verstärkt die gesellschaftliche Erschütterung

b) Internationale Herkunft der Opfer macht das Unglück zu einer globalen Angelegenheit

c) Die Symbolik des Silvesterabends verstärkt die emotionale Wirkung

Ermittlungen und Verantwortung

a) Fokus auf mögliche Verstöße gegen Brandschutzauflagen

b) Untersuchungshaft signalisiert Ernsthaftigkeit der Ermittlungen

c) Erwartungshaltung der Hinterbliebenen ist außergewöhnlich hoch

Folgen für Politik und Gesellschaft

a) Vertrauensfrage gegenüber Kontrollbehörden

b) Druck auf Politik, Vorschriften zu überprüfen

c) Langfristige Auswirkungen auf Veranstaltungs- und Sicherheitskonzepte


Mini-Infobox

Todesopfer: 40
Verletzte: 114
Betroffene Länder: 19
Minderjährige Opfer: etwa die Hälfte
Beginn der Ermittlungen: 3. Januar

OZD-Extras

Die landesweite Schweigeminute und das gleichzeitige Glockengeläut gelten in der Schweiz als seltenes Zeichen nationaler Trauer.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.


OZD / ©AFP.