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Zwischen Eskalation und Diplomatie: Iran erklärt sich „kriegsbereit“ und dialogoffen

Nach scharfen Drohungen aus Washington erklärt sich Teheran zugleich auf Krieg vorbereitet und gesprächsbereit. Während die Proteste im Iran anhalten, wächst die internationale Sorge vor einer Eskalation.

Angesichts der anhaltenden Massenproteste gegen die Führung in Teheran und offener militärischer Drohungen aus den USA hat sich der Iran sowohl auf eine mögliche militärische Eskalation als auch auf Gespräche eingestellt. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte am Montag bei einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Konferenz ausländischer Botschafter, die Islamische Republik strebe keinen Krieg an, sei aber „bestens darauf vorbereitet“. Zugleich betonte er die Bereitschaft zu Verhandlungen, sofern diese fair, gleichberechtigt und auf gegenseitigem Respekt beruhten.

Die Erklärung folgte auf scharfe Worte von Donald Trump, der am Sonntag an Bord der Air Force One angekündigt hatte, das US-Militär prüfe „sehr drastische Optionen“ angesichts der Berichte über tödliche Gewalt iranischer Sicherheitskräfte gegen Demonstrierende. Trump ließ offen, ob und wann eine Entscheidung über mögliche militärische Schritte fallen könnte, erklärte jedoch, es sehe so aus, als habe Teheran eine von ihm gezogene rote Linie überschritten.

Die Proteste im Iran hatten vor rund zwei Wochen begonnen und sich von sozialen und wirtschaftlichen Forderungen zu offenen Massendemonstrationen gegen die politische Führung ausgeweitet. Aktivisten zufolge wurden bislang mindestens 192 Menschen getötet, unbestätigte Berichte sprechen von deutlich höheren Opferzahlen. Gleichzeitig demonstrierten laut staatlichen Medienberichten am Montag tausende Menschen in Teheran und anderen Städten ihre Unterstützung für die Regierung. Präsident Massud Peseschkian hatte zu diesen Kundgebungen aufgerufen.

Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf rechtfertigte das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte als „Krieg gegen Terroristen“ und drohte im Falle eines US-Angriffs mit Vergeltung. Dabei richtete er scharfe Parolen gegen Israel und die Vereinigten Staaten. Trotz der seit Jahrzehnten fehlenden diplomatischen Beziehungen zwischen Teheran und Washington existiert nach Angaben des iranischen Außenministeriums weiterhin ein indirekter Kommunikationskanal zu einem US-Sondergesandten.

International wächst der Druck auf Teheran. Friedrich Merz verurteilte die „unverhältnismäßige brutale Gewalt“ der iranischen Sicherheitskräfte scharf und sprach den Demonstrierenden Anerkennung für ihren Mut aus. Auch China kritisierte die US-Drohungen als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten. Unterdessen dauert die landesweite Internetsperre im Iran weiter an, wodurch unabhängige Informationen nur schwer nach außen dringen. OZD

OZD-Kommentar

Die iranische Führung versucht derzeit, auf zwei Klaviaturen gleichzeitig zu spielen: Abschreckung nach außen und Kontrolle nach innen. Die martialische Rhetorik dient der Machtdemonstration, doch die gleichzeitige Gesprächsbereitschaft verrät Nervosität. Trumps Drohungen erhöhen den Druck, bergen aber auch das Risiko, das Regime in eine Eskalationsspirale zu treiben. Die Leidtragenden wären einmal mehr die Menschen im Iran, deren Proteste längst zu einem existenziellen Machtkampf geworden sind.

Historischer Hintergrund

Die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA sind seit der Islamischen Revolution 1979 schwer belastet. Nach der Besetzung der US-Botschaft in Teheran brachen beide Staaten die diplomatischen Beziehungen ab. Immer wieder kam es seitdem zu Phasen der Eskalation, etwa um das iranische Atomprogramm oder regionale Stellvertreterkonflikte. Innenpolitische Protestbewegungen wurden im Iran regelmäßig mit Gewalt niedergeschlagen, zuletzt besonders heftig bei den Protesten nach dem Tod von Mahsa Amini im Jahr 2022.



Erklärungen

Wer ist Abbas Araghtschi?
Abbas Araghtschi ist seit 2024 Außenminister des Iran und gilt als erfahrener Diplomat, der bereits an früheren Atomverhandlungen beteiligt war.

Warum drohen die USA mit Militärschritten?
Die US-Regierung begründet ihre Drohungen mit Berichten über massive Menschenrechtsverletzungen und tödliche Gewalt gegen Demonstrierende im Iran.


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Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.