So viele Menschen wie nie zuvor in Deutschland haben im vergangenen Jahr Geld in Aktien oder Aktienfonds angeparkt. Die Zahl der Anlegerinnen und Anleger stieg binnen eines Jahres um rund zwei Millionen auf 14,1 Millionen. Das teilte das Deutsches Aktieninstitut am Dienstag mit. Damit setzt sich ein langfristiger Aufwärtstrend fort, der den deutschen Kapitalmarkt nachhaltig verändert.
Besonders auffällig ist die Rolle der jungen Generation. Nach Angaben des DAI wird das wachsende Interesse vor allem von Menschen unter 40 Jahren getragen. In dieser Altersgruppe investierten 2025 insgesamt 4,9 Millionen Menschen in Aktien oder Fonds, darunter 1,2 Millionen Neueinsteiger. Erstmals stellen die Unter-40-Jährigen damit die größte Anlegergruppe in Deutschland.
Die bevorzugte Anlageform sind börsengehandelte Indexfonds. Hochgerechnet 9,2 Millionen Menschen investierten über ETFs oder andere Aktienfonds. Zwei Millionen setzten ausschließlich auf Einzelaktien, weitere 2,9 Millionen kombinierten beide Strategien. Besonders dynamisch entwickelten sich Sparpläne: 5,3 Millionen Menschen nutzten im vergangenen Jahr regelmäßige Einzahlungen in Aktien oder Fonds – ein Plus von 1,7 Millionen gegenüber dem Vorjahr.
Auffällig ist auch der wachsende Anteil von Frauen. Die Zahl der Anlegerinnen stieg um 24 Prozent auf 5,4 Millionen. Dennoch bleibt die Aktienanlage weiterhin stärker bei Männern und einkommensstärkeren Haushalten verbreitet.
Das Deutsche Aktieninstitut verweist zudem auf die langfristige Attraktivität der Börse. Ein Sparplan auf den DAX habe in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von fast neun Prozent jährlich erzielt. Allein 2024 legte der Index um 19 Prozent zu, 2025 um 23 Prozent. OZD
OZD-Kommentar
Der deutsche Aktienboom ist mehr als eine Momentaufnahme – er ist ein
mentaler Bruch mit jahrzehntelanger Börsenskepsis. Während Politik und
Öffentlichkeit lange das Sparbuch romantisierten, begreift eine neue
Generation Kapitalmarkt als Notwendigkeit. Sparpläne und ETFs senken die
Einstiegshürden und entziehen dem Argument der „Zockerei“ die
Grundlage. Doch der Boom bleibt fragil: Finanzbildung, Transparenz und
politische Verlässlichkeit entscheiden darüber, ob aus 14 Millionen
Anlegern eine stabile Aktionärskultur wird – oder nur eine Episode im
nächsten Abschwung.
Historischer Hintergrund
Deutschland galt über Jahrzehnte als aktienfern. Nach dem Platzen der
Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre brach das Vertrauen vieler
Privatanleger nachhaltig ein. Erst ab 2020, begünstigt durch
Niedrigzinsen, Digitalisierung und einfache Online-Broker, begann eine
langsame Renaissance der Aktienanlage. ETFs und automatisierte Sparpläne
spielten dabei eine Schlüsselrolle, weil sie Kosten senkten und Risiken
streuten.

Zukunftsprognose
Der Trend zur Aktienanlage dürfte sich fortsetzen – insbesondere wenn
staatliche Projekte wie die geplante Frühstartrente umgesetzt werden.
Sie könnten strukturell mehr junge Menschen und Frauen an den
Kapitalmarkt heranführen. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit privater
Altersvorsorge von der Börsenentwicklung. Ohne bessere finanzielle
Bildung droht bei stärkeren Marktkorrekturen jedoch ein schneller
Vertrauensverlust.
Erklärung: Was ist ein ETF?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der die
Wertentwicklung eines Index wie des DAX oder MSCI World abbildet. Er
gilt als kostengünstig, transparent und breit gestreut.
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Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
