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Iran-Krieg treibt Benzin und Diesel hoch – Kartellamt soll Preissprünge prüfen

Steigende Ölpreise durch den Iran-Krieg treiben Spritkosten in Deutschland hoch. Politik fordert Kontrolle – Konzerne weisen Vorwürfe zurück.

Die militärische Eskalation im Nahen Osten treibt die Spritpreise in Deutschland deutlich nach oben – und entfacht eine politische Debatte über mögliche Markteingriffe. Vertreter von Linken, Grünen und Union übten am Dienstag scharfe Kritik an Mineralölkonzernen. Die Branche weist die Vorwürfe zurück.

Auslöser der Preissteigerungen ist der sprunghaft gestiegene Rohölpreis infolge des Iran-Kriegs. Der Iran kontrolliert die strategisch bedeutende Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion täglich transportiert wird. Nach Angriffen auf drei Schiffe am Sonntag stellten zahlreiche Reedereien ihre Fahrten durch die Passage ein.

Der Tankstellenverband, der Pächter und Eigentümer vertritt, warf den Öl-Konzernen vor, stärker an der Preisschraube zu drehen als notwendig. Sie würden zusätzlich „zwei bis drei Prozent“ aufschlagen, die über die eigenen kriegsbedingten Mehrkosten hinausgingen, sagte Verbandssprecher Herbert Rabl.

„Die Preise an den Tankstellen werden weiter steigen. Ich befürchte, dies ist der Beginn einer Preisspirale“, sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, der „Rheinischen Post“. „Es ist Aufgabe des Kartellamtes, zu prüfen, ob die Preissprünge gerechtfertigt sind.“

Auch Ines Schwerdtner, Vorsitzende der Linken, kritisierte „Rekordprofite“ der Energiekonzerne zulasten der Verbraucher. „Wir haben das nach dem Angriff auf die Ukraine schon erlebt: Öl- und Gaskonzerne machten massive Übergewinne in Milliardenhöhe, während viele Beschäftigte nicht wussten, wie sie ihre nächste Heizkostenabrechnung bezahlen sollen.“ Sie forderte die Einführung einer Übergewinnsteuer.

Die schwarz-rote Koalition schließt staatliche Eingriffe zumindest nicht aus. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) erklärte in Berlin: „Ich will da nichts ausschließen.“ Man werde die Lage beobachten und mit dem Koalitionspartner SPD beraten. Bereits 2022 hatte die damalige Ampel-Regierung im Zuge des Ukraine-Kriegs eine zeitlich befristete Spritpreisbremse eingeführt.

Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 am Dienstagnachmittag im bundesweiten Schnitt 1,895 Euro – mehr als sechs Cent über dem Preis vom Montagvormittag. Diesel verteuerte sich um rund zwölf Cent auf durchschnittlich 1,921 Euro.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, zuständig für Raffinerien und Markentankstellen, verteidigte die frühen Preiserhöhungen. Es gelte das „kaufmännische Prinzip“, wonach „nur so das Geld zum Einkauf der deutlich teurer gewordenen Produkte Benzin und Diesel verdient werden kann“. Versorgungssicherheit sei „leider nicht losgelöst von den Weltmärkten zu haben“.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar – Preisspirale mit politischem Zündstoff
Steigende Ölpreise sind globaler Realität – doch die Frage ist, wer daran verdient. Wenn Konzerne Spielräume ausnutzen, wächst der politische Druck auf harte Eingriffe. Eine Übergewinnsteuer oder neue Preisbremsen sind kein Tabu mehr. Sollte sich die Lage in der Straße von Hormus weiter zuspitzen, droht nicht nur ein Energieschock, sondern auch eine neue Inflationswelle mit massiver sozialer Sprengkraft.

Mini-Infobox
– Super E10: 1,895 Euro pro Liter
– Diesel: 1,921 Euro pro Liter
– Iran kontrolliert Straße von Hormus
– Forderungen nach Übergewinnsteuer und Kartellprüfung

OZD-Analyse

Globale Ursachen
a) Iran-Krieg verunsichert Märkte.
b) Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus.
c) Unterbrechungen wichtiger Handelsrouten.

Nationale Auswirkungen
a) Rascher Anstieg der Rohölpreise.
b) Direkte Weitergabe an Verbraucher.
c) Politische Forderungen nach Kontrolle.

Politische Optionen
a) Prüfung durch das Kartellamt.
b) Einführung einer Übergewinnsteuer.
c) Zeitlich begrenzte Preisbremsen.

Erklärungen – Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Sie zählt zu den wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Ein erheblicher Teil des global gehandelten Erdöls passiert täglich diese Passage.

Historischer Hintergrund
Bereits während des Ukraine-Kriegs 2022 stiegen Energiepreise stark an. Die Bundesregierung reagierte damals mit einer befristeten Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Auch damals wurden Übergewinne von Energieunternehmen kontrovers diskutiert.

Prognose
Bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt, könnten Benzin- und Dieselpreise weiter steigen. Politisch wächst der Druck auf die Bundesregierung, regulierend einzugreifen. Zugleich warnen Experten vor Marktverwerfungen bei zu starken Eingriffen. Die Energiepreise dürften in den kommenden Wochen ein zentrales politisches Thema bleiben.

Gewinnspiel
Wie hoch lag der durchschnittliche Dieselpreis am Dienstagnachmittag laut ADAC?

A) 1,821 Euro
B) 1,895 Euro
C) 1,921 Euro
D) 2,001 Euro

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OZD-Extra – Preisbildung in Echtzeit
Tankstellenpreise in Deutschland dürfen theoretisch mehrmals täglich angepasst werden – sie reagieren oft innerhalb weniger Stunden auf Bewegungen am Rohölmarkt.


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP