EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat einen baldigen Abschluss des geplanten Freihandelsabkommens zwischen der Europäische Union und Indien in Aussicht gestellt. „Wir stehen kurz vor einem historischen Handelsabkommen“, sagte von der Leyen am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Bereits am kommenden Wochenende reist sie nach Indien, wo sie hofft, das Abkommen in der nächsten Woche unterzeichnen zu können.
Der indische Handelsminister Piyush Goyal hatte das geplante Abkommen zuvor als „Mutter aller Abkommen“ bezeichnet. Beide Seiten versprechen sich erhebliche wirtschaftliche Impulse. Die EU will insbesondere den Export von Autos und alkoholischen Getränken nach Indien ausweiten. Indien wiederum strebt größere Absatzmöglichkeiten für Medikamente und Textilien an und hofft auf erleichterte Mobilität für Fachkräfte zwischen beiden Wirtschaftsräumen.
Mit rund 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern ist Indien das bevölkerungsreichste Land der Welt und dürfte Schätzungen zufolge noch in diesem Jahr zur viertgrößten Volkswirtschaft aufsteigen. Die EU wolle mit „einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaften der Welt“ engere Handelsbeziehungen aufbauen, betonte von der Leyen.
Das geplante Abkommen ist Teil einer strategischen Neuausrichtung der europäischen Handelspolitik. Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus und dessen erneuter Zollpolitik sucht die EU verstärkt nach alternativen Märkten. Erst in der vergangenen Woche unterzeichnete Brüssel ein Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Zuvor wurden bereits Verhandlungen mit Mexiko und Indonesien abgeschlossen, weitere Gespräche laufen unter anderem mit Australien, den Philippinen und Thailand. OZD
OZD-Kommentar – Europas Antwort auf die neue Weltordnung
Das geplante Abkommen mit Indien ist mehr als ein Handelsdeal – es ist
ein geopolitisches Signal. Während Washington auf Abschottung setzt,
sucht Europa Anschluss an die Wachstumsmärkte der Zukunft. Gelingt
dieser Abschluss, stärkt die EU nicht nur ihre wirtschaftliche
Resilienz, sondern auch ihre strategische Unabhängigkeit. Entscheidend
wird sein, ob Europa seine Werte wahrt, während es neue Märkte erobert.
Historischer Hintergrund
Die Handelsgespräche zwischen der EU und Indien ziehen sich seit mehr
als einem Jahrzehnt. Immer wieder scheiterten sie an Zöllen,
Marktöffnungen und Fragen des Arbeits- und Umweltschutzes. Die aktuelle
geopolitische Lage hat den Verhandlungen neuen Schwung verliehen.
Zukunftsprognose
Ein Abschluss des Abkommens könnte zum Blaupause für weitere
Partnerschaften mit aufstrebenden Volkswirtschaften werden. Für Europa
bedeutet dies mehr Diversifizierung – für Indien einen stärkeren Zugang
zum europäischen Binnenmarkt. Langfristig könnte sich das Machtgefüge im
globalen Handel spürbar verschieben.
Gewinnspiel
Quizfrage: Wie bezeichnete Indiens Handelsminister das geplante EU-Indien-Abkommen?
A) Deal des Jahrhunderts
B) Mutter aller Abkommen
C) Wirtschaftspakt 2030
D) Global Trade Act
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Wirtschaftliche Chancen
– a) Zugang zu einem der größten Wachstumsmärkte
– b) Vorteile für Industrie und Pharma
– c) Stärkung europäischer Exporte
Strategische Bedeutung
– a) Reduzierung der Abhängigkeit von den USA
– b) Geopolitische Positionierung gegenüber China
– c) Ausbau globaler Partnerschaften
Risiken und Streitpunkte
– a) Umwelt- und Sozialstandards
– b) Marktzugang und Zölle
– c) Arbeitsmigration und Fachkräfte
Lernbox
Ein Freihandelsabkommen senkt oder beseitigt Zölle und Handelshemmnisse
zwischen Staaten, um den Waren- und Dienstleistungsverkehr zu
erleichtern.
Mini-Infobox
– Partner: EU und Indien
– Bevölkerung Indiens: ca. 1,4 Mrd.
– Ziel: Freihandelsabkommen
– Ort der Ankündigung: Davos
– Status: kurz vor Abschluss
OZD-Extra
Indien könnte mit dem Abkommen erstmals in großem Stil europäische Autos zu deutlich niedrigeren Zollsätzen importieren.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
