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Mietwucher in Deutschland? Kommentar: Angst frist Recht auf

Zwei Drittel aller überprüften Mieten liegen offenbar über dem gesetzlichen Limit. Die Mietwucher-App der Die Linke zeigt das Ausmaß eines Problems, das viele kennen – und kaum jemand offen bekämpft.

Ein großer Teil der über die sogenannte Mietwucher-App der Linken überprüften Mieten ist nach Angaben der Partei zu hoch. Rund 250.000 Haushalte haben das seit Ende 2024 verfügbare Tool bundesweit bereits genutzt. Das Ergebnis ist brisant: Zwei Drittel der geprüften Mieten überschreiten offenbar die zulässige Grenze.

Über die App können Mieterinnen und Mieter prüfen, ob ihre Miete über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, direkt eine Beschwerde bei den zuständigen Behörden einzureichen. Doch genau hier zeigt sich ein zentrales Problem: Trotz hunderttausender Prüfungen wurden bislang nur rund 8500 Verdachtsmeldungen tatsächlich abgeschickt.

Nach Angaben der Linken liegt der Grund vor allem in der Angst vieler Betroffener, ihre Wohnung zu verlieren. Gerade in angespannten Wohnungsmärkten scheuen sich Mieterinnen und Mieter davor, rechtliche Schritte einzuleiten – selbst dann, wenn sie sich im Recht fühlen.

Die App ist derzeit in 30 deutschen Städten verfügbar. Rechtlich gilt: Vermieter begehen eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen. Liegt die Miete sogar mehr als 50 Prozent darüber, kann dies als Straftat gewertet werden. In der Praxis scheitert die Durchsetzung jedoch häufig an der hohen Beweislast für die Betroffenen.

Die Linke fordert deshalb erneut eine Reform der bestehenden Regelungen, um Mieterinnen und Mieter besser zu schützen und die Durchsetzung von Mietpreisgrenzen zu erleichtern. OZD



OZD-Kommentar – Angst frisst Recht

Diese Zahlen sind kein Ausrutscher, sie sind ein Systemalarm. Wenn zwei Drittel der geprüften Mieten zu hoch sind, dann ist nicht der Einzelfall das Problem, sondern der Markt selbst. Dass nur ein Bruchteil der Betroffenen Anzeige erstattet, ist kein Zeichen von Zufriedenheit, sondern von Ohnmacht. Wer Angst vor Kündigung haben muss, obwohl er im Recht ist, lebt nicht in einem funktionierenden Rechtsstaat, sondern in einem Wohnungsmarkt, der sich längst von sozialer Verantwortung verabschiedet hat. Ohne klare Reformen bleibt Mietwucher kein Vergehen – sondern Alltag.

Historischer Hintergrund

Mietpreisbremsen und Vergleichsmieten wurden in Deutschland eingeführt, um explodierende Wohnkosten in Ballungsräumen zu begrenzen. Seit Jahren kritisieren Mieterverbände jedoch, dass die Regelungen schwer durchsetzbar sind. Bereits frühere Studien zeigten, dass Verstöße selten geahndet werden, da die Beweislast fast vollständig bei den Mietenden liegt.

Zukunftsprognose

Ohne eine gesetzliche Vereinfachung der Verfahren dürfte sich das Problem weiter verschärfen. Steigende Nachfrage, fehlender Wohnungsbau und schwache Kontrollen könnten dazu führen, dass Mietwucher faktisch zur Norm wird. Digitale Tools wie die Mietwucher-App erhöhen zwar die Transparenz – echte Entlastung wird es aber nur mit politischem Eingreifen geben. Wenn Wohnen nicht mehr geht, stehn auch Unruhen an. 


Gewinnspiel

Wie hoch darf eine Miete maximal über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, bevor sie als Ordnungswidrigkeit gilt?
A) 10 Prozent
B) 15 Prozent
C) 20 Prozent
D) 30 Prozent

Jetzt teilnehmen:
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WissensblockOZD-Analyse

Ausmaß des Problems
– a) Zwei Drittel der geprüften Mieten überhöht
– b) Hunderttausende Betroffene bundesweit
– c) Hohe Dunkelziffer durch fehlende Meldungen

Rechtliche Hürden
– a) Hohe Beweislast für Mieter
– b) Geringe Kontrolldichte der Behörden
– c) Kaum abschreckende Sanktionen

Politische Dimension
– a) Forderung nach Gesetzesreform
– b) Konflikt zwischen Mieterschutz und Marktlogik
– c) Wachsende soziale Sprengkraft


Lernbox

Mietwucher liegt rechtlich bereits dann vor, wenn eine Miete mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt – verfolgt wird dies jedoch nur selten.

Mini-Infobox

– Nutzer der App: rund 250.000
– Anteil überhöhter Mieten: ca. 66 Prozent
– Städte in der App: 30
– Meldungen an Behörden: rund 8500

OZD-Extra

Die Mietwucher-App ist eines der meistgenutzten digitalen Miet-Tools in Deutschland – doch ihre Zahlen zeigen vor allem, wie groß die Angst vieler Mieter vor Konsequenzen ist.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.