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Die letzte Hamas-Geisel ist tot geborgen: Israel schließt schmerzhaftes Kapitel

Israel meldet die Rückführung der letzten Hamas-Geisel aus dem Gazastreifen. Der Leichnam von Ran Gvili wurde identifiziert und nach Israel gebracht – ein Abschluss mit bitterem Beigeschmack.

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben den Leichnam der letzten noch im Gazastreifen verbliebenen Hamas-Geisel identifiziert und nach Israel gebracht. Militärvertreter informierten am Montag die Familie von Ran Gvili, dass ihr Angehöriger formal identifiziert worden sei und nun für die Beisetzung in die Heimat überführt wurde. Damit seien alle von der radikalislamischen Hamas verschleppten Geiseln – lebend oder tot – zurückgeführt worden.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einer „außergewöhnlichen Leistung für den Staat Israel“. Man habe versprochen, alle Geiseln zurückzuholen, erklärte Netanjahu – und dieses Versprechen sei nun erfüllt worden, „bis auf den letzten Gefangenen“.

Am frühen Montagmorgen hatte Netanjahus Büro zugleich bekanntgegeben, dass Israel einer eingeschränkten Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten für den Fußgängerverkehr zustimme. Voraussetzung sei jedoch die Rückgabe der letzten verbliebenen Geisel gewesen – eine Bedingung, die nun erfüllt ist.

Der neu ernannte Vorsitzende der Übergangsverwaltung für den Gazastreifen, Ali Schaath, hatte bereits in der vergangenen Woche eine Öffnung des Grenzübergangs in beide Richtungen angekündigt. Rafah gilt als zentrale Lebensader für humanitäre Hilfe für die rund 2,2 Millionen Menschen im Gazastreifen.

Medienberichten zufolge drängten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner die israelische Regierung während eines Besuchs am Wochenende zu einem Entgegenkommen bei der Grenzöffnung.

Seit dem 10. Oktober gilt zwischen Israel und der Hamas eine fragile Waffenruhe. Beide Seiten werfen sich jedoch immer wieder Verstöße vor. Die Rückführung der letzten Geisel markiert nun einen symbolischen Wendepunkt – ohne die grundlegenden Konfliktlinien aufzulösen.

OZD


OZD-Kommentar – Vollendet, aber nicht versöhnt

Die Rückkehr der letzten Geisel ist ein Moment von nationaler Tragweite für Israel – und zugleich ein bitterer. Ein Mensch kehrt heim, aber ohne Leben. Die politische Botschaft ist eindeutig: Israel lässt seine Bürger nicht zurück. Doch dieser Anspruch hat einen hohen Preis. Die militärische Logik der Rückholung kann das Leid der Familien nicht ungeschehen machen und ersetzt keine politische Lösung. Wer diesen Moment ausschließlich als Erfolg feiert, verdrängt die Leere, die bleibt. Der Krieg hat keine Gewinner hervorgebracht – nur Kapitel, die abgeschlossen werden, ohne dass Heilung folgt.

Historischer Hintergrund

Die Entführungen durch die Hamas zählen zu den traumatischsten Elementen des aktuellen Gaza-Krieges. Seit dem großangelegten Angriff im Oktober wurden israelische Zivilisten und Soldaten als Druckmittel festgehalten. Die Rückführung der Geiseln entwickelte sich zu einem zentralen politischen und militärischen Ziel der israelischen Regierung. Frühere Konflikte hatten gezeigt, welch enorme gesellschaftliche Bedeutung Gefangene und Geiseln in Israel besitzen. Der nun erreichte Abschluss steht in dieser Tradition – allerdings unter den Vorzeichen eines lang andauernden, international hoch umstrittenen Krieges.

Zukunftsprognose

Mit der Rückführung der letzten Geisel entfällt ein zentrales Druckmittel der Hamas, zugleich aber auch ein verbindendes Ziel für Israels Gesellschaft. Politisch dürfte der Fokus nun stärker auf Grenzfragen, humanitärer Hilfe und der Zukunftsverwaltung des Gazastreifens rücken. Die Waffenruhe bleibt fragil, ein dauerhafter Frieden ist nicht in Sicht. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der symbolische Abschluss der Geiselfrage Raum für neue diplomatische Schritte eröffnet – oder ob die Gewalt erneut eskaliert.


Gewinnspiel

Welcher Grenzübergang soll laut israelischer Regierung nach der Rückführung der letzten Geisel eingeschränkt wieder geöffnet werden?

A) Erez
B) Kerem Schalom
C) Rafah
D) Allenby

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Mini-Infobox

– Letzte Hamas-Geisel tot geborgen
– Identifizierung durch israelische Armee
– Rückführung nach Israel abgeschlossen
– Grenzübergang Rafah soll eingeschränkt öffnen
– Waffenruhe seit 10. Oktober

OZD-Analyse

1. Politische Bedeutung
a) Symbolischer Abschluss der Geiselfrage
b) Stärkung der Regierung nach innen
c) Wegfall eines zentralen Verhandlungspunkts

2. Humanitäre Dimension
a) Öffnung Rafahs als Schlüssel
b) Versorgung von 2,2 Millionen Menschen
c) Internationale Erwartungen steigen

3. Strategische Folgen
a) Neue Phase des Konflikts
b) Mehr Fokus auf Nachkriegsordnung
c) Waffenruhe bleibt instabil

Was ist der Grenzübergang Rafah?

Der Grenzübergang Rafah verbindet den Gazastreifen mit Ägypten. Er ist einer der wichtigsten Zugänge für humanitäre Hilfe und Personenverkehr und spielt eine zentrale Rolle bei internationalen Vermittlungsbemühungen im Gaza-Konflikt.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras
Die Rückführung aller Geiseln – lebend oder tot – gilt in Israel als moralische Staatsaufgabe und prägt seit Jahrzehnten sicherheitspolitische Entscheidungen.