Der Bund setzt eine Belohnung in Höhe von einer Million Euro für Hinweise aus, die zur Aufklärung der linksextremistischen sogenannten Vulkangruppen führen sollen. Diese werden für den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz verantwortlich gemacht. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte am Dienstag in Berlin, die außergewöhnlich hohe Summe solle die Bevölkerung zur aktiven Mitwirkung animieren. Damit solle deutlich gemacht werden, wie ernst die sicherheitspolitische Lage sei.
Dobrindt kündigte zugleich eine harte Antwort der Sicherheitsbehörden auf die wachsende Bedrohung durch linksextremistische Täter an. Man rüste gezielt für den Kampf gegen den Linksextremismus auf, betonte der CSU-Politiker. In den Sicherheitsbehörden solle die Abwehr in diesem Bereich personell verstärkt werden, ohne andere Extremismusfelder zu vernachlässigen.
Darüber hinaus sollen die Ermittler zusätzliche Befugnisse erhalten. Genannt wurden unter anderem erweiterte Möglichkeiten bei der digitalen Datenanalyse, der automatischen Gesichtserkennung sowie bei der Speicherung von IT-Adressen. Ziel sei es, die Aufklärung extremistischer Netzwerke effektiver zu gestalten.
Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kündigte Dobrindt zudem eine breit angelegte Informationskampagne in Berlin und Brandenburg an. Das Bundeskriminalamt werde sein Personal aufstocken, um rund um die Uhr Hinweise entgegennehmen zu können. Die hohe Belohnung begründete der Innenminister auch mit dem Ausmaß der Tat: Über 100.000 Menschen seien von dem Stromausfall betroffen gewesen.
Durch den Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren zeitweise rund 45.000 Haushalte sowie 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom. Die Vulkangruppen bekannten sich zu der Tat. Landes- und Bundeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz stuften das Bekennerschreiben als glaubwürdig ein.
Inzwischen ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, verfassungsfeindlicher Sabotage, Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe. Die Karlsruher Behörde bittet gemeinsam mit dem BKA um Hinweise. Der Zeugenaufruf läuft bis zum 24. Februar.
Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes existieren die Vulkangruppen seit 2011. Sie verübten seitdem zahlreiche Brandanschläge in Berlin und Brandenburg, vor allem auf Kabelschächte entlang von Bahntrassen, Funkmasten, Datenleitungen sowie Firmenfahrzeuge. In der Vergangenheit bekannten sich die Gruppen auch zu Anschlägen auf die Tesla-Fabrik in Grünheide.
OZD
OZD-Kommentar – Der Staat zeigt Zähne
Eine Million Euro Belohnung ist ein klares Signal: Der Staat will linksextreme Sabotage nicht länger als Randphänomen behandeln. Der Anschlag auf das Stromnetz hat gezeigt, wie verwundbar moderne Gesellschaften sind. Wer kritische Infrastruktur angreift, greift den Alltag hunderttausender Menschen an. Dobrindts Kurs markiert einen Paradigmenwechsel – weg vom Beobachten, hin zum entschlossenen Handeln. Entscheidend wird sein, ob den Ankündigungen nun konsequente Ermittlungserfolge folgen.
Historischer Hintergrund
Linksextreme Brand- und Sabotageanschläge haben in Deutschland eine lange Geschichte, besonders im urbanen Raum. Seit den 2010er-Jahren traten die sogenannten Vulkangruppen zunehmend als lose organisierte Zellen in Erscheinung, die gezielt Infrastruktur angreifen. Der Fokus verlagerte sich dabei von symbolischen Zielen hin zu kritischen Versorgungsstrukturen. Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor der wachsenden Professionalität dieser Gruppen und ihrer hohen Schadenswirkung bei vergleichsweise geringem Mitteleinsatz.
Zukunftsprognose
Die Aussetzung der Millionen-Belohnung dürfte den Fahndungsdruck deutlich erhöhen. Gleichzeitig ist mit einer Verschärfung der politischen Debatte über Überwachungsbefugnisse und digitale Ermittlungsinstrumente zu rechnen. Sollte es den Behörden gelingen, zentrale Akteure der Vulkangruppen zu identifizieren, könnte dies die Szene nachhaltig schwächen. Misslingt dies, drohen Nachahmungstaten und eine weitere Eskalation im Bereich der Infrastruktursabotage.
Gewinnspiel
Wie hoch ist die vom Bund ausgesetzte Belohnung für Hinweise zu den Vulkangruppen?
A) 250.000 Euro
B) 500.000 Euro
C) Eine Million Euro
D) Zwei Millionen Euro
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Mini-Infobox
– Eine Million Euro Belohnung ausgesetzt
– Anschlag auf Berliner Stromnetz
– Über 100.000 Betroffene
– Ermittlungen wegen Terrorverdachts
– Zeugenaufruf bis 24. Februar
OZD-Analyse
1. Sicherheitslage
a) Zunehmende Angriffe auf kritische Infrastruktur
b) Hoher gesellschaftlicher Schaden
c) Schwierige Täteridentifikation
2. Staatliche Reaktion
a) Massive Belohnung als Druckmittel
b) Ausbau polizeilicher Befugnisse
c) Verstärkung von BKA und Verfassungsschutz
3. Politische Folgen
a) Debatte über Extremismusbekämpfung
b) Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Datenschutz
c) Signalwirkung über Berlin hinaus
Was sind die Vulkangruppen?
Die Vulkangruppen sind lose organisierte linksextremistische Zellen, die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg aktiv sind. Sie verüben Brand- und Sabotageanschläge auf Infrastruktur und Unternehmen und verbreiten Bekennerschreiben mit ideologischer Begründung.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
Der Anschlag auf das Stromnetz zählt zu den schwersten Sabotageakten gegen zivile Infrastruktur in Deutschland seit Jahren.
