Knapp sieben Monate vor der Landtagswahl hat Sachsen-Anhalt einen neuen Ministerpräsidenten. Der CDU-Politiker Sven Schulze wurde am Mittwoch im Landtag in Magdeburg zum Nachfolger von Reiner Haseloff gewählt. Schulze erhielt bereits im ersten Wahlgang 58 von 97 Stimmen und damit die erforderliche absolute Mehrheit.
38 Abgeordnete stimmten gegen ihn, Enthaltungen gab es keine, eine Stimme war ungültig. Auffällig: Schulze erhielt zwei Stimmen mehr als die Koalitionsfraktionen aus CDU, SPD und FDP gemeinsam stellen – ein Hinweis auf Zustimmung auch außerhalb des Regierungslagers. Im Anschluss an die Wahl wurde der 46-Jährige vereidigt.
Haseloff hatte bereits vor längerer Zeit angekündigt, bei der Landtagswahl am 6. September nicht erneut zu kandidieren. Nach rund 15 Jahren an der Spitze der Landesregierung zieht sich der CDU-Politiker damit aus dem Amt zurück. Dass der Wechsel nun bereits wenige Monate vor der Wahl vollzogen wurde, kam dennoch überraschend.
Die schwarz-rot-gelbe Koalition verbindet mit dem personellen Neustart klare Hoffnungen. Schulze ist nicht nur neuer Regierungschef, sondern auch CDU-Spitzenkandidat für die anstehende Wahl. Bis zum Urnengang soll er an Bekanntheit gewinnen und einen Amtsbonus aufbauen, um die Partei im Wahlkampf zu stabilisieren.
Der Druck ist hoch. In den jüngsten Umfragen lag die Alternative für Deutschland, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, deutlich vor der CDU. Schulze war bislang Wirtschaftsminister des Landes und ist zugleich CDU-Landesvorsitzender. Nun muss er sich erstmals in der Rolle des Regierungschefs bewähren.
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OZD-Kommentar – Ein riskanter NeustartDer Wechsel kommt zur Unzeit – und genau deshalb. Die CDU setzt alles auf eine Karte: Sven Schulze soll in wenigen Monaten schaffen, wofür andere Jahre brauchen. Bekanntheit, Vertrauen, Führungsstärke. Der Amtsbonus kann helfen, ist aber kein Selbstläufer. Gegen eine erstarkte AfD reicht Verwaltungskompetenz allein nicht aus. Schulze muss Haltung zeigen, Klarheit ausstrahlen und sichtbar führen. Sonst bleibt der Wechsel ein taktisches Manöver ohne Wirkung.
Historischer HintergrundReiner Haseloff prägte Sachsen-Anhalt über eineinhalb Jahrzehnte. Unter seiner Führung gelang es der CDU mehrfach, trotz schwieriger Mehrheitsverhältnisse Regierungsverantwortung zu übernehmen und rechtsextreme Kräfte politisch in Schach zu halten. Gleichzeitig verlor die Partei zuletzt deutlich an Zustimmung. Die AfD entwickelte sich in Sachsen-Anhalt zu einer der stärksten Landesverbände bundesweit – ein strukturelles Problem, das weit über Personalfragen hinausgeht.
ZukunftsprognoseFür Sven Schulze beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Gelingt es ihm, sich als verlässlicher, klarer Ministerpräsident zu profilieren, könnte die CDU verlorenes Terrain zurückgewinnen. Scheitert er daran, droht Sachsen-Anhalt ein politischer Umbruch mit bundesweiter Signalwirkung. Die kommenden Monate werden entscheiden, ob der Machtwechsel als kluger Schachzug oder als riskantes Experiment in Erinnerung bleibt.
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Wie viele Abgeordnetenstimmen erhielt Sven Schulze im ersten Wahlgang zum Ministerpräsidenten?
A) 54
B) 56
C) 58
D) 60
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– Neuer Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt
– Wahl sieben Monate vor der Landtagswahl
– Schulze erhielt 58 von 97 Stimmen
– CDU hofft auf Amtsbonus
– AfD in Umfragen vorn
1. Politische Ausgangslage
a) Wechsel kurz vor der Wahl
b) Schwäche der Regierungsparteien
c) Starke AfD in Umfragen
2. Strategie der CDU
a) Amtsbonus für Spitzenkandidaten
b) Erhöhung der Bekanntheit
c) Signal des Neuanfangs
3. Risiken des Manövers
a) Geringe Einarbeitungszeit
b) Hohe Erwartungen
c) Mögliche Enttäuschung der Wähler
Sven Schulze ist CDU-Politiker und seit 2025 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Zuvor war er Wirtschaftsminister des Landes und CDU-Landesvorsitzender. Bei der kommenden Landtagswahl tritt er als Spitzenkandidat seiner Partei an.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
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Noch nie zuvor wechselte Sachsen-Anhalt so kurz vor einer Landtagswahl den Ministerpräsidenten.
