In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen haben am Samstag mindestens 10.000 Menschen mit einem Schweigemarsch gegen abwertende Äußerungen von Donald Trump zur Rolle der Nato-Verbündeten im Afghanistan-Krieg protestiert. Zu dem stillen Zug hatte der Veteranenverband aufgerufen. Trotz eisiger Temperaturen erinnerten die Teilnehmer an die 44 dänischen Soldaten, die im Rahmen des Nato-Einsatzes ihr Leben verloren hatten.
Der Marsch begann an der historischen Zitadelle von Kopenhagen. Dort hielten die Teilnehmer eine kurze Gedenkzeremonie am Denkmal für gefallene Soldaten ab. Anschließend bewegte sich der Zug schweigend durch die Innenstadt – viele mit dänischen Flaggen, einige in Militäruniformen, alle vereint in demonstrativer Stille.
Die Polizei sprach von „mindestens 10.000“ Teilnehmern. Der Protest stand unter dem Motto „#NoWords“. Der Vizepräsident des Veteranenverbands, Sören Knudsen, erklärte, man sei sprachlos über Trumps Aussagen. Diese seien „eine Beleidigung für uns und die Werte, für die wir gemeinsam eingetreten sind“.
Trump hatte in der vergangenen Woche erklärt, andere Nato-Staaten hätten sich beim Afghanistan-Einsatz zurückgehalten und seien abseits der Frontlinien geblieben. Diese Worte lösten europaweit Empörung aus. Auch in Dänemark, dessen Soldaten über Jahre hinweg an gefährlichen Kampfeinsätzen beteiligt waren, trafen sie einen wunden Punkt.
Der Nato-Einsatz in Afghanistan endete 2021 mit dem chaotischen Abzug westlicher Truppen nach dem Vormarsch der Taliban. Für viele Veteranen und Hinterbliebene ist der Einsatz bis heute mit persönlichen Opfern verbunden – und mit dem Anspruch, dass diese nicht relativiert werden.
OZD
OZD-Kommentar – Schweigen, das lauter ist als jede RedeManchmal sagt Schweigen mehr als jede politische Stellungnahme. Der Marsch durch Kopenhagen war kein antiamerikanischer Protest, sondern ein Aufschrei der Würde. Wer den Einsatz verbündeter Soldaten kleinredet, tritt nicht nur Erinnerungen mit Füßen, sondern auch Vertrauen. Trumps Worte mögen innenpolitisch kalkuliert sein – außenpolitisch hinterlassen sie verbrannte Erde. Dänemark hat darauf nicht mit Parolen geantwortet, sondern mit Haltung.
Historischer HintergrundDänemark beteiligte sich ab 2002 am Nato-Einsatz in Afghanistan und stellte über Jahre Kampftruppen, insbesondere in der Provinz Helmand. Mit 44 gefallenen Soldaten gehört das Land – gemessen an seiner Bevölkerungszahl – zu den am stärksten betroffenen Bündnispartnern. Der Einsatz prägte eine ganze Generation von Soldaten und Veteranen.
ZukunftsprognoseDie diplomatischen Irritationen zwischen den USA und europäischen Nato-Staaten dürften weiter zunehmen, sollte Washington den Beitrag seiner Verbündeten öffentlich infrage stellen. Für Dänemark wächst zugleich der innenpolitische Druck, die eigene Rolle selbstbewusster zu vertreten. Das Bündnis bleibt stabil – doch Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit mehr.
GewinnspielWie viele dänische Soldaten kamen beim Nato-Einsatz in Afghanistan ums Leben?
A) 22
B) 31
C) 44
D) 58
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– Ort: Kopenhagen
– Teilnehmer: mindestens 10.000
– Motto: #NoWords
– Gefallene dänische Soldaten: 44
– Anlass: Trump-Aussagen zum Afghanistan-Einsatz
1. Politische Dimension
a) Belastung transatlantischer Beziehungen
b) Öffentliche Kritik an Bündnispartnern
c) Vertrauensverlust innerhalb der Nato
2. Gesellschaftliche Wirkung
a) Starke Veteranenbewegung
b) Breite öffentliche Solidarität
c) Erinnerungskultur als politisches Signal
3. Strategische Folgen
a) Selbstbewusstere europäische Positionen
b) Forderung nach Respekt innerhalb des Bündnisses
c) Langfristige Debatte über gemeinsame Einsätze
Die NATO ist ein westliches Militärbündnis, das 1949 gegründet wurde und heute 32 Mitgliedstaaten umfasst. Ziel ist die kollektive Verteidigung der Mitgliedsländer. Der Einsatz in Afghanistan war der bislang größte und längste Militäreinsatz des Bündnisses.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-ExtrasDänemark hatte – gemessen an der Bevölkerungszahl – eine der höchsten Verlustraten aller Nato-Staaten im Afghanistan-Einsatz.
