Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist eine politische Debatte über den angeblichen Einsatz von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE entbrannt. Medienberichten zufolge könnten Spezialagenten der umstrittenen Behörde zur Unterstützung der US-Sicherheitsdienste anreisen, insbesondere um US-Delegierte wie Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio zu begleiten; die italienischen Behörden sollen weiterhin die oberste Verantwortung für die Sicherheit behalten.
In Italien löst allein die Möglichkeit einer ICE-Präsenz heftige Kritik aus. Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala bezeichnete die Einwanderungsbehörde als „Miliz, die tötet“ und erklärte, sie sei in Mailand „nicht willkommen“. Zugleich wird in italienischer Öffentlichkeit und Politik vehement diskutiert, ob es überhaupt akzeptabel sei, dass Beamte einer ausländischen Exekutivbehörde auf italienischem Boden bei einer Großveranstaltung präsent sind.
Die Empörung hat auch eine breitere politische Dimension: ICE steht sowohl in den USA als auch international wegen seiner harten Vorgehensweisen gegen Migrantinnen und Migranten in der Kritik. In jüngster Zeit geriet die Behörde nach tödlichen Schüssen auf Zivilisten in Minneapolis erneut in den Fokus heftiger Proteste, was in Italien vielfach als Warnung vor einer möglichen Militarisierung von Sicherheitsaufgaben gewertet wird.
Offiziell betonen italienische Regierungsvertreter, dass ihnen keine bestätigten Pläne über einen ICE-Einsatz vorliegen und jede Sicherheitstätigkeit unter der Leitung der italienischen Behörden stehen müsse. Selbst wenn US-Sicherheitskräfte vor Ort sind, so der Innenminister, würden sie nur Begleitschutz für ihre eigenen Delegierten leisten und keine eigenständigen polizeilichen Aufgaben übernehmen.
Die Debatte um ICE-Agenten bei den Olympischen Spielen zeigt, wie sensitiv nationale Souveränitätsfragen und Menschenrechtsdiskussionen miteinander verknüpft sind. Parallel zur sportlichen Großveranstaltung entbrennt ein politischer Streit über Rollen, Kompetenzen und Grenzen internationaler Sicherheitszusammenarbeit.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar: Staatssouveränität gegen Sicherheitsrealität
Die Aufregung um mögliche ICE-Agenten bei Olympia ist kein Sturm im Wasserglas, sondern ein Symptom tieferer Spannungen: Staaten müssen zeigen, dass sie über ihr Territorium bestimmen. Die US-Regierung verkauft die Präsenz als bloße Unterstützung, doch asymmetrische Sicherheitsbehörden wie ICE stehen für harte, teils gewalttätige Durchsetzungspraktiken, die vielen Demokratien suspekt sind. Selbst wenn die Italiener formell das Sagen behalten, setzt dieser Schritt ein riskantes Signal: Dass potentielle Gefährdungslagen vorschnell mit paramilitärischen Kräften begegnet werden. Eine demokratische Gastgebernation sollte Grenzen ziehen, bevor sie sie verwischt.
Historischer Hintergrund:
Auslandseinsätze von Strafverfolgungsbehörden – jenseits diplomatischer Sicherheitsdienste – sind in der Geschichte der Olympischen Spiele selten und immer politisch sensibel gewesen. Das Internationale Olympische Komitee und Gastgeberstaaten müssen regelmäßig zwischen der Wahrung der öffentlichen Ordnung und dem Schutz der nationalen Souveränität abwägen. In Europa ist zudem die Rolle von US-Bundesbehörden wegen der transatlantischen Sicherheitsarchitektur und der Diskussion um Bürgerrechte besonders umstritten.
Prognose:
Sollte ICE tatsächlich bei den Spielen präsent sein, wird das die politische Debatte in Italien und darüber hinaus weiter anheizen. Nationale Regierungen könnten zukünftig restriktiver gegenüber ausländischen Sicherheitskräften bei Großveranstaltungen werden. Gleichzeitig könnte der Vorfall die Diskussion über die Zuständigkeiten internationaler Sicherheitskooperationen verschärfen, gerade in Zeiten, in denen transnationale Bedrohungen neue Koordinationsmodelle erzwingen.
Olympische Spiele 2026 — Streitpunkte rund um US-Sicherheitsunterstützung und nationale Zuständigkeiten; Gastgeberland: Italien; US-Delegation: Präsenz von Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio; Sicherheitsdebatte: Einwanderungsbehörde ICE vs. italienische Polizeihoheit.
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Wissensblock
OZD-Analyse
Kontroversekern:
a) – mögliche Anwesenheit ausländischer Sicherheitskräfte,
b) – nationale Souveränitätsfragen,
c) – mediale Polarisierung.
ICE-Image:
a) – harte US-Einwanderungspolitik,
b) – Proteste nach tödlichen Vorfällen,
c) – Wahrnehmung in Europa.
Politische Reaktionen:
a) – Ablehnung durch lokale Politiker,
b) – offizielle Dementis,
c) – Petitionen und öffentliche Debatte.
Lernbox
ICE (Immigration and Customs Enforcement) ist eine US-Bundesbehörde unter dem Department of Homeland Security mit Zuständigkeit für Einwanderungs- und Zollvergehen; international umstritten wegen ihres harten Durchsetzungskurses.
Mini-Infobox
– Streit um US-ICE-Einsatz bei Olympia 2026
– Gastgeber: Italien (Mailand, Cortina)
– US-Delegation: Vance, Rubio
– Italienische Behörden betonen Kontrolle
OZD-Extra
Petitionen gegen ICE-Präsenz bei den Spielen haben in Italien bereits Tausende Unterschriften gesammelt.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP