Der bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz angegriffene Zugbegleiter ist an seinen schweren Verletzungen gestorben. „Wir alle bei der Deutschen Bahn verurteilen aufs Schärfste diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen“, erklärte die Vorstandschefin der Deutsche Bahn, Evelyn Palla, am Mittwoch. „Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt“, fügte sie hinzu.
Der Angriff ereignete sich am Montagabend, als der Zug den Bahnhof Landstuhl bei Kaiserslautern verließ. Nach Angaben der Ermittler wollte der Zugbegleiter zuvor einen Reisenden wegen eines fehlenden Fahrscheins aus dem Zug verweisen. Dabei kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung.
Der 36-jährige Bahnmitarbeiter wurde durch Faustschläge gegen den Kopf so schwer verletzt, dass er reanimiert werden musste. Er kam in ein Krankenhaus, erlag jedoch wenig später seinen Verletzungen. Tatverdächtig ist ein 26-Jähriger, der noch am Tatort festgenommen wurde. Das Amtsgericht Zweibrücken erließ am Dienstagabend Haftbefehl. Zunächst lautete der Vorwurf auf versuchten Totschlag, nun wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt.
Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG zeigte sich tief erschüttert. Gewerkschaftschef Martin Burkert erklärte, viele Beschäftigte seien vor allem wütend. Die Zahl der Übergriffe auf Personal im Bahn- und Busverkehr steige seit Jahren. „Und die Politik schaut zu“, sagte Burkert. Es werde seit Langem an der Sicherheit gespart, auf vielen Regionalzügen sei nur ein Zugbegleiter im Einsatz, Sicherheitspersonal fahre kaum mit.
Nach dem Tod des Bahnmitarbeiters rief die EVG für Mittwochnachmittag um 15 Uhr zu einer Schweigeminute auf. „Heute steht die Eisenbahnerfamilie still“, erklärte Burkert. Der Fall müsse ein Umdenken erzwingen. Auch Staatsanwaltschaft und Polizei bestätigten den Tod des 36-Jährigen. Eine Obduktion wurde angeordnet. OZD
Dieser Tod ist ein Alarmsignal von erschütternder Wucht. Ein Zugbegleiter, der schlicht seinen Job macht, bezahlt eine Fahrkartenkontrolle mit dem Leben. Das ist kein tragischer Einzelfall mehr, sondern das Ergebnis jahrelanger Verdrängung eines bekannten Problems. Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Verkehr wird hingenommen, relativiert und politisch ausgesessen. Wer Personal allein auf Züge schickt, spart nicht nur Geld, sondern setzt Menschen bewusst einem Risiko aus. Der Ruf nach mehr Sicherheit ist alt – dass er nun mit einem Todesfall beantwortet wird, ist ein bitteres Versagen. Wenn daraus kein sofortiges Handeln folgt, trägt die Politik Mitverantwortung.
Historischer HintergrundÜbergriffe auf Zugbegleiter, Busfahrer und anderes Personal im öffentlichen Nahverkehr nehmen seit Jahren zu. Gewerkschaften und Verkehrsunternehmen warnen regelmäßig vor mangelnder Präsenz von Sicherheitspersonal und unzureichenden Schutzkonzepten. Besonders bei Fahrkartenkontrollen kommt es immer wieder zu Eskalationen, da Konflikte häufig spontan und ohne Absicherung entstehen.
ZukunftsprognoseDer tödliche Angriff dürfte den Druck auf Politik und Verkehrsunternehmen deutlich erhöhen. Wahrscheinlich sind Forderungen nach mehr Personal, verstärktem Einsatz von Sicherheitsteams und härteren Strafen bei Angriffen auf Beschäftigte. Ob daraus schnelle und flächendeckende Maßnahmen folgen, bleibt offen – doch der öffentliche und gewerkschaftliche Druck wird weiter wachsen.
Das OZD-Gewinnspiel
entfällt aufgrund dieser traurigen Nachricht.

– Opfer: 36-jähriger Zugbegleiter
– Tatort: Nähe Landstuhl
– Tatverdächtiger: 26 Jahre
– Vorwurf: Tötungsdelikt
– Reaktion: Schweigeminute der EVG
Sicherheitsproblem im Nahverkehr
a) Zunehmende Gewalt
b) Alleinarbeit von Zugbegleitern
c) Fehlende Prävention
Verantwortung der Politik
a) Warnungen seit Jahren bekannt
b) Kaum strukturelle Reformen
c) Handlungsdruck nach Todesfall
Gesellschaftliche Dimension
a) Sinkende Hemmschwelle für Gewalt
b) Respektverlust gegenüber Beschäftigten
c) Vertrauenskrise im öffentlichen Raum
Was ist die EVG?
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft vertritt Beschäftigte bei Bahn-
und Verkehrsunternehmen in Deutschland. Sie setzt sich unter anderem für
bessere Arbeitsbedingungen, höhere Sicherheitsstandards und den Schutz
von Personal im öffentlichen Verkehr ein.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-ExtrasHinweis: Angriffe auf Bahn- und Verkehrspersonal gelten strafrechtlich als besonders schwere Delikte und können zu hohen Haftstrafen führen.