Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de

„Mein olympischer Moment wurde gestohlen“ – Heraskewytsch zieht vor den CAS

Nach seiner Disqualifikation kündigt Wladyslaw Heraskewytsch den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof an. „Wir werden für unsere Rechte kämpfen“, sagt der Ukrainer – sein Olympia-Traum ist dennoch geplatzt.

Der Konflikt um seinen umstrittenen Helm geht in die nächste Runde. Der ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch will nach seiner Disqualifikation den Internationalen Sportgerichtshof anrufen. „Ich muss mich beraten lassen“, sagte er im ZDF. „Wir werden einen Fall für den CAS vorbereiten und für unsere Rechte kämpfen.“

Ausgeschlossen vom Wettkampf in Cortina, verliert der WM-Vierte jede Chance auf eine olympische Medaille. „Ich hatte alle Chancen auf eine Medaille, aber wir werden es jetzt nie erfahren“, sagte er. „Mein olympischer Moment wurde gestohlen. Aber es gibt Dinge, die wichtiger sind.“

Der Hintergrund bleibt derselbe: Heraskewytsch hatte darauf bestanden, auch im Wettkampf einen Helm zu tragen, auf dem Porträts von im Krieg von russischen Soldaten getöteten ukrainischen Sportlern zu sehen sind. Das Internationales Olympisches Komitee (IOC) wertete dies als Verstoß gegen Regel 50.2 der Olympischen Charta, die Meinungsäußerungen auf dem sogenannten „field of play“ untersagt.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry betonte, es gehe nicht nur um politische Botschaften, „es geht um jede Form einer Message“. Im Verlauf eines Interviews konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten. Der Kern des Falls sei „nicht die Botschaft selbst, sondern der Ort, an dem er sie zum Ausdruck bringen wollte“. Als Kompromiss hatte das IOC dem Ukrainer angeboten, mit einer schwarzen Armbinde zu starten – ein Vorschlag, den er ablehnte.

„Von Tag eins sagte ich: Ich werde diese Athleten nicht verraten“, erklärte Heraskewytsch. „Wir sind auch wegen ihnen am Leben, wegen der Opfer, die sie gebracht haben. Sie verdienen es, hier zu sein.“ Er sehe eine „ungleiche Behandlung“ und kritisierte, die Entscheidung des IOC bediene letztlich „russische Narrative und ist ein riesiger Fehler. Heute haben wir den Preis für unsere Würde bezahlt.“

Ein Gang vor den Court of Arbitration for Sport (CAS) wird seinen Start in Norditalien allerdings nicht mehr ermöglichen. Der Wettkampf ist verloren – doch der juristische und moralische Streit beginnt erst.

OZD / ©AFP.

OZD-Kommentar – Ein Fall, der Olympia verändern könnte

Der Gang vor den CAS ist logisch – und symbolisch. Heraskewytsch weiß, dass er sportlich nichts mehr gewinnen kann. Aber er will eine Grundsatzentscheidung erzwingen. Es geht nicht mehr um Medaillen. Es geht um die Frage, wie weit Meinungsfreiheit bei Olympia reicht.

Das IOC verteidigt konsequent seine Neutralität. Doch Neutralität ist kein neutraler Zustand, wenn Krieg herrscht. Jeder Ausschluss sendet ein Signal. Die Entscheidung mag regelkonform sein – doch sie wirkt politisch, ob gewollt oder nicht.

Sollte der CAS den Fall grundlegend prüfen, könnte Regel 50.2 langfristig neu interpretiert werden. Und genau darin liegt die Sprengkraft dieses Konflikts.

Historischer Hintergrund

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne ist die höchste Instanz für sportrechtliche Streitigkeiten. Athleten können dort Entscheidungen internationaler Verbände überprüfen lassen. In der Vergangenheit wurden dort bereits Sperren, Disqualifikationen und Regelinterpretationen angefochten.

Zukunftsprognose

Ein Eilverfahren vor dem CAS könnte zumindest eine juristische Bewertung der IOC-Entscheidung bringen. Selbst wenn der Wettkampf verloren bleibt, könnte das Urteil Präzedenzwirkung entfalten. Die Debatte um Regel 50.2 dürfte damit in eine neue Phase treten – mit möglichen Auswirkungen auf künftige Olympische Spiele.

OZD-Gewinnspiel 2026

Frage: Wie heißt der internationale Sportgerichtshof, den Heraskewytsch anrufen will?
A) ICC
B) CAS
C) ICJ
D) ECHR

Jetzt teilnehmen und Gutscheine gewinnen:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox

Athlet: Wladyslaw Heraskewytsch

Entscheidung: Disqualifikation durch das IOC

Streitpunkt: Helm mit Porträts gefallener Sportler

Nächster Schritt: Klage vor dem CAS

IOC-Argument: Verstoß gegen Regel 50.2 („field of play“)

OZD-Analyse

Juristische Dimension
a) CAS als letzte Instanz im Sportrecht –
b) Prüfung der Verhältnismäßigkeit –
c) Mögliche Signalwirkung für künftige Fälle –

Politische Brisanz
a) Ukraine-Krieg als Kontext –
b) Vorwurf „ungleicher Behandlung“ –
c) Debatte über russische Narrative –

Institutionelle Folgen
a) IOC verteidigt strikte Neutralität –
b) Öffentlicher Druck steigt –
c) Reformdiskussion um Regel 50.2 denkbar –

Was ist der Court of Arbitration for Sport (CAS)?

Der Court of Arbitration for Sport mit Sitz in Lausanne ist das höchste internationale Schiedsgericht für Sportstreitigkeiten. Er entscheidet über Disqualifikationen, Sperren und Regelauslegungen internationaler Verbände. Seine Urteile sind in der Regel endgültig und bindend.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras

Schon mehrfach haben Athleten durch CAS-Urteile ihre Sperren verkürzt oder aufgehoben bekommen. Ob der Fall Heraskewytsch ähnlich weitreichend wird, hängt davon ab, wie der Gerichtshof die Balance zwischen Regelbindung und Grundrechten bewertet.