Trotz politischer Debatten und Boykott-Gerüchten hat Gianni Infantino vier Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft Optimismus verbreitet. Beim UEFA-Kongress in Brüssel versprach der Präsident des Weltverbandes FIFA eine Endrunde der Superlative. „Die WM wird eine Party, sie wird eine Feier – sie wird die Welt vereinen in Frieden und Freude“, sagte er: „Die WM wird ein Symbol der Einheit, des Friedens und der Solidarität sein.“
Infantino setzt dabei ausdrücklich auf die Unterstützung Europas. „Ihr Beitrag wird absolut grundlegend sein, um diese Einheit und diese Solidarität zu schaffen“, erklärte der frühere UEFA-Generalsekretär. „Wir werden alle gemeinsam sehr hart daran arbeiten, dies möglich zu machen – und ich zähle auf jeden Einzelnen von Ihnen.“
Doch die politische Kulisse ist angespannt. Infolge der aggressiven Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump sowie der Eskalation bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern war in Europa zuletzt über einen WM-Boykott diskutiert worden. Der Deutscher Fußball-Bund (DFB) und andere Verbände lehnen ein Fernbleiben derzeit jedoch ab. Auch im UEFA-Exekutivkomitee spielte ein Boykott nach Informationen aus Verbandskreisen keine Rolle.
Vor Infantinos Rede hatte sich der für Sport zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef ungewöhnlich deutlich geäußert. Er sprach offen von „Meinungsverschiedenheiten“ mit der FIFA und betonte: „Es gibt eine Sache, die für uns nicht verhandelbar ist und bei der wir immer standhaft bleiben werden: unsere Werte. Denn für uns existiert Fußball nicht im luftleeren Raum.“
Micallef legte nach: „Fußball ist ein öffentliches Gut, und er muss von Institutionen geregelt werden, die im öffentlichen Interesse handeln. Sport und Fußball müssen mehr sein als Gewinne und der Wert für Anteilseigner.“ Zudem kritisierte er hohe Ausgaben für Spielerberater, fehlende Gehaltsobergrenzen und die ungleiche Verteilung von Einnahmen – ganz im Sinne der Deutsche Fußball Liga (DFL).
Zwischen Pathos und Prinzipien prallen in Brüssel zwei Sichtweisen aufeinander: Infantinos Vision einer globalen Fußball-Feier – und Europas Forderung nach klaren Werten.
OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar – Zwischen Fußball-Romantik und Realität
Infantino malt das Bild einer friedlichen Weltmeisterschaft, die die Welt vereint. Es ist die Sprache großer Turniere – und großer Träume. Doch der politische Kontext lässt sich nicht ausblenden. Wenn Gastgeberländer innen- und außenpolitisch polarisieren, wird auch der Fußball Teil dieser Debatte.
Die EU macht klar: Werte sind nicht verhandelbar. Das ist ein deutliches Signal an die FIFA, deren Geschäftsmodell zunehmend unter moralischer Beobachtung steht.
Die Wahrheit liegt vermutlich zwischen beiden Polen. Die WM wird ein Spektakel – aber sie wird auch politisch gelesen werden. Die Frage ist nicht, ob Fußball Politik berührt. Die Frage ist, wie bewusst die Verbände damit umgehen.
Historischer Hintergrund
Großturniere waren in der Vergangenheit immer wieder politisch aufgeladen – von Boykottaufrufen während des Kalten Krieges bis zu Debatten über Menschenrechte bei jüngeren Weltmeisterschaften. Die WM 2026 wird erstmals mit 48 Teams und in drei Gastgeberländern ausgetragen.
Zukunftsprognose
Ein Boykott gilt derzeit als unwahrscheinlich. Dennoch dürfte die politische Diskussion während des Turniers anhalten. Europa wird versuchen, seine Werteagenda einzubringen – während die FIFA auf wirtschaftlichen Erfolg und globale Einheit setzt. Die WM 2026 könnte damit sportlich glänzen und politisch kontrovers bleiben.
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Mini-Infobox
Turnierzeitraum: 11. Juni – 19. Juli 2026
Gastgeber: USA, Mexiko, Kanada
Format: 48 Teams (erstmals)
Debatte: Boykott-Forderungen in Europa
Kernthema: Werte vs. Kommerz
OZD-Analyse
Politischer Kontext
a) Kritik an US-Politik –
b) Diskussion um ICE-Einsätze –
c) Europäische Boykott-Debatte –
FIFA-Strategie
a) Betonung von Einheit und Frieden –
b) Fokus auf globale Symbolik –
c) Vermeidung offener Konfrontation –
Europäische Position
a) Werteorientierte Argumentation –
b) Kritik an Kommerzialisierung –
c) Reformforderungen im Profifußball –
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der FIFA. Zuvor war der Schweizer Jurist Generalsekretär der UEFA. Unter seiner Führung wurde das WM-Format auf 48 Teams erweitert und die wirtschaftliche Expansion des Weltverbandes vorangetrieben.
Wussten Sie? Die WM 2026 wird das erste Turnier sein, das in drei Ländern gleichzeitig ausgetragen wird – und mit 48 Teams das größte in der Geschichte des Weltfußballs.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
