Bundeskanzler Friedrich Merz hat zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz eindringlich vor einer Gefährdung der Freiheit gewarnt. „In der Ära der Großmächte ist unsere Freiheit nicht mehr einfach gegeben. Sie ist gefährdet“, sagte Merz in seiner außenpolitischen Grundsatzrede.
„Es wird Festigkeit und Willenskraft brauchen, diese Freiheit zu behaupten“, betonte der Kanzler. Dies verlange „Bereitschaft zu Aufbruch, Veränderung und, ja, auch zu Opfern. Und zwar nicht eines Tages, sondern jetzt.“
Die regelbasierte internationale Ordnung existiere „so nicht mehr“. Die Welt sei erneut offen von Machtpolitik geprägt. „Russlands gewalttätiger Revisionismus, sein brutaler Krieg gegen die Ukraine, ist nur ihr grellster Ausdruck“, sagte Merz. Gleichzeitig erhebe China einen globalen Gestaltungsanspruch und deute die internationale Ordnung „in seinem Sinn neu“.
Auch der Führungsanspruch der USA sei „angefochten, vielleicht verspielt“. Mit Blick auf Washington und die „America first“-Politik unter Donald Trump plädierte Merz für mehr europäische Eigenständigkeit. Höchste Priorität habe es nun, „Europa innerhalb der Nato zu stärken“ und Abhängigkeiten zu reduzieren. „Wir investieren massiv in glaubhafte Abschreckung.“
An der Konferenz nehmen mehr als tausend Vertreter aus rund 120 Staaten teil. Die US-Delegation wird von Außenminister Marco Rubio angeführt.
Merz’ Botschaft ist klar: Die Zeiten, in denen Sicherheit selbstverständlich war, sind vorbei. Europa müsse seine Freiheit aktiv verteidigen – politisch, wirtschaftlich und militärisch.
OZD
OZD-Kommentar – Europa muss erwachsen werden
Merz spricht aus, was viele denken: Die Weltordnung ist im Umbruch. Russland setzt auf Gewalt, China auf strategische Expansion, die USA auf Eigeninteressen. Wer in dieser Konstellation auf Autopilot schaltet, verliert.
Doch Worte allein reichen nicht. „Opferbereitschaft“ klingt entschlossen – bedeutet aber höhere Verteidigungsausgaben, strukturelle Reformen und möglicherweise schmerzhafte Prioritäten.
Europa steht vor einer Reifeprüfung. Nicht rhetorisch, sondern real.
Historischer Hintergrund
Die Münchner Sicherheitskonferenz gilt seit Jahrzehnten als zentrales Forum westlicher Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 rückte die Frage nach Europas strategischer Autonomie stärker in den Fokus.
Zukunftsprognose
Sollte Europa seine Verteidigungsanstrengungen weiter erhöhen und Abhängigkeiten von den USA reduzieren, könnte sich das Machtgefüge innerhalb der Nato nachhaltig verändern. Gleichzeitig bleibt die transatlantische Partnerschaft zentral für Abschreckung und Stabilität.
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Frage: Welche Konferenz eröffnete Friedrich Merz mit seiner Rede?
A) G7-Gipfel
B) EU-Rat
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Mini-Infobox
Anlass: 62. Münchner Sicherheitskonferenz
Kernbotschaft: Freiheit in Großmacht-Ära gefährdet
Fokus: Stärkung Europas in der Nato
Themen: Russland, China, USA
Ton: Warnend und entschlossen
OZD-Analyse
Geopolitische Lage
a) Russlands Krieg als Machtpolitik –
b) Chinas globaler Anspruch –
c) Relativierung des US-Führungsanspruchs –
Europäische Antwort
a) Mehr Verteidigungsausgaben –
b) Reduzierung strategischer Abhängigkeiten –
c) Stärkung innerhalb der Nato –
Politische Dimension
a) „Opferbereitschaft“ als Signal –
b) Zeitenwende-Rhetorik 2.0 –
c) Innenpolitische Tragweite –
Was ist die Münchner Sicherheitskonferenz?
Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ein internationales Forum für Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Seit 1963 treffen sich dort Staats- und Regierungschefs, Minister, Militärvertreter und Experten, um globale Krisen und strategische Fragen zu diskutieren.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
Mit seiner Rede positioniert sich Merz klar als Kanzler der sicherheitspolitischen Neuordnung – und setzt Europa unter Handlungsdruck.
