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„Offener Krieg“: Pakistan erklärt den offenen Krieg gegen Afghanistan

Nach Luftangriffen, Gegenschlägen und Dutzenden Toten erklärt Pakistan den „offenen Krieg“ gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan. Die Region droht in einen neuen Flächenbrand zu geraten.

Nach gegenseitigen Angriffen mit mehreren Toten ist der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan am Freitag eskaliert: Die pakistanische Regierung verkündete einen "offenen Krieg" gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan. "Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und Euch", erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif im Onlinedienst X. Zuvor hatte die pakistanische Regierung Taliban-Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in Kandahar angegriffen. Die iranische Regierung bot an, zwischen den beiden Konfliktparteien zu vermitteln.

Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar gab die Angriffe in Kabul, Kandahar und der Provinz Paktia im Onlinedienst X bekannt. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi erklärte, die Angriffe seien eine "angemessene Reaktion" auf die "offene Aggression" der Taliban. Verteidigungsminister Asif sprach von einer "umfassenden Konfrontation" mit der Taliban-Regierung.

Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif erklärte, die pakistanische Armee verfüge "über die volle Fähigkeit, jegliche aggressiven Ambitionen zu zerschlagen". "Die gesamte Nation steht Schulter an Schulter mit den pakistanischen Streitkräften", hieß es in einer von der pakistanischen Regierung im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung weiter.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Kabul meldeten laute Explosionen und Schussgeräusche über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Im südafghanischen Kandahar, wo der Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada seinen Sitz hat, berichtete ein AFP-Journalist von Flugzeuggeräuschen.

Die Taliban-Regierung in Kabul bestätigte die pakistanischen Angriffe. Dem Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid zufolge gab es keine Verletzten.

Am Donnerstag hatten die afghanischen Streitkräfte nach Angaben der Taliban-Regierung eine "breit angelegte" Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet gestartet. Dabei seien 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen und "dutzende" pakistanische Soldaten getötet worden. Weitere pakistanische Soldaten seien verletzt oder gefangengenommen worden.

Auf afghanischer Seite wurden bei der Offensive nach Angaben des Taliban-Verteidigungsministeriums acht Soldaten getötet. Der Informationschef der afghanischen Provinz Nangarhar, Kureschi Badlun, meldete zudem mehrere verletzte Zivilisten in einem Lager für vertriebene Afghanen aus Pakistan nahe dem Grenzübergang Torkham. "Eine Mörsergranate hat das Lager getroffen, und leider sind sieben unserer Flüchtlinge verwundet worden, der Zustand einer Frau ist ernst", erklärte Badlun.

Das pakistanische Informationsministerium warf den afghanischen Streitkräften vor, "unprovozierte" Angriffe an mehreren Orten in der pakistanischen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt zu haben.

In der Nacht zum Sonntag hatte die pakistanische Armee tödliche Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban-Regierung sprach von mindestens 18 Toten. Sie wies pakistanische Angaben zurück, dass mindestens 80 afghanische Kämpfer getötet worden seien.

Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.

Die pakistanische Regierung wirft den radikalislamischen Taliban vor, nicht gegen militante Gruppierungen vorzugehen, die von Afghanistan aus Angriffe im Nachbarland verüben. Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.

Im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die beiden Nachbarländer vereinbarten zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.

OZD 


OZD-Kommentar – Ein Flächenbrand droht

Wenn ein Staat offiziell den „offenen Krieg“ ausruft, ist das mehr als eine Grenzscharmützel-Rhetorik. Pakistan und die Taliban-Regierung stehen an einem gefährlichen Wendepunkt. Beide Seiten werfen sich Aggression vor, beide reklamieren Selbstverteidigung. Doch die Leidtragenden sind Zivilisten in Grenzregionen, Flüchtlinge in Lagern und eine ohnehin fragile Region. Besonders brisant: Mehrere bewaffnete Akteure – Taliban, pakistanische Armee, IS-Ableger – operieren parallel. Das erhöht die Gefahr von Fehlkalkulationen. Sollte sich der Konflikt ausweiten, droht eine neue Instabilität in Südasien, mit Auswirkungen weit über die Region hinaus. Diplomatische Vermittlung ist jetzt kein Zeichen von Schwäche, sondern die letzte Exit-Option.

Historischer Hintergrund:
Die Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan ist seit Jahrzehnten umkämpft. Islamabad wirft Kabul vor, militante Gruppen nicht ausreichend zu bekämpfen, die Anschläge in Pakistan verüben. Seit der Machtübernahme der Taliban 2021 haben sich Spannungen und Gefechte im Grenzgebiet deutlich verschärft.

Zukunftsprognose:
Ohne rasche Deeskalation könnten weitere Luftangriffe und Bodenoffensiven folgen. Die Vermittlungsangebote – etwa aus dem Iran – könnten eine diplomatische Brücke bieten. Bleiben Gespräche aus, droht ein anhaltender militärischer Schlagabtausch mit unklarer Eskalationsdynamik.



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Welche Organisation reklamierte den Anschlag auf die Moschee in Islamabad für sich?
A) Al-Qaida
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Mini-Infobox

Eskalation: Pakistan erklärt „offenen Krieg“

Ziele: Angriffe in Kabul, Kandahar und Paktia

Hintergrund: Grenzoffensive und Luftangriffe

Opferzahlen: Mehrere Dutzend Tote auf beiden Seiten

Vermittlung: Iran bietet Dialoghilfe an


OZD-Analyse

Militärische Eskalation
a) Luftangriffe und Bodenoffensiven
– Gegenseitige Vorwürfe der Aggression
– Hohe Gefahr weiterer Gefechte
b) Grenzregion als Brennpunkt
– Khyber Pakhtunkhwa
– Übergang Torkham
c) Mehrere bewaffnete Akteure
– Taliban
– Pakistanische Armee
– IS-Ableger

Politische Dimension
a) Rhetorik des „offenen Krieges“
– Signal innenpolitischer Entschlossenheit
– Eskalationsspirale
b) Vermittlungsangebote
– Rolle Irans
– Potenzielle regionale Diplomatie
c) Internationale Beobachtung
– UN-Angaben zu zivilen Opfern
– Sorge vor Destabilisierung

Humanitäre Folgen
a) Zivile Opfer
– Flüchtlingslager betroffen
– Verletzte und Tote
b) Vertreibung
– Neue Fluchtbewegungen möglich
– Belastung für Grenzregionen
c) Langfristige Instabilität
– Wirtschaftliche Schäden
– Radikalisierungsrisiken



Wer ist Shehbaz Sharif?
Shehbaz Sharif ist der Premierminister Pakistans. Er führt eine Regierung, die mit wirtschaftlichen Problemen, Sicherheitsfragen und angespannten Beziehungen zu Afghanistan konfrontiert ist.

Was ist die Taliban-Regierung?
Die Taliban übernahmen im August 2021 nach dem Abzug westlicher Truppen erneut die Macht in Afghanistan. Ihre Herrschaft wird international kaum anerkannt und ist von Spannungen mit Nachbarstaaten geprägt.

OZD-Extras
Bemerkenswert: Trotz jahrelanger Feindseligkeit hatten Pakistan und die Taliban in der Vergangenheit punktuell kooperiert – die aktuelle Eskalation markiert einen drastischen Bruch.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.