Nach dem Tod des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei rückt sein Sohn Modschtaba Chamenei als möglicher Nachfolger in den Fokus. Das Amt des obersten Führers solle „so bald wie möglich“ neu besetzt werden, sagte Ahmed Chatami, Mitglied des zuständigen Expertenrats, am Mittwoch im Staatsfernsehen.
Der 56-jährige Geistliche ist eines von sechs Kindern Chameneis. Modschtaba gilt als konservativ und den iranischen Revolutionsgarden nahestehend. Zwar bekleidet er kein offizielles Regierungsamt, doch sein tatsächlicher Einfluss wird seit Jahren diskutiert.
Bereits 2019 hatte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen ihn verhängt. Zur Begründung hieß es damals, Ali Chamenei habe „einen Teil seiner Führungsaufgaben“ an seinen Sohn delegiert, der „die destabilisierenden regionalen Ambitionen seines Vaters und dessen repressive innenpolitische Ziele“ vorantreibe. Modschtaba vertrete „offiziell den obersten Führer, obwohl er nie gewählt oder in eine Regierungsamt berufen wurde“.
Nach einer Untersuchung der Nachrichtenagentur Bloomberg soll Modschtaba Chamenei zudem ein weitreichendes Netzwerk von Briefkastenfirmen im Ausland aufgebaut und dadurch ein beträchtliches Vermögen angehäuft haben.
Neben seinem Namen kursiert auch der von Hassan Khomeini, dem Enkel des Gründers der Islamischen Republik, Ayatollah Khomeini. Der Expertenrat steht unter Zeitdruck, die Nachfolge rasch zu klären.
Chamenei war am Samstag bei massiven Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran getötet worden. Seitdem greift der Iran Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region an. Israel kündigte an, auch einen möglichen Nachfolger Chameneis ins Visier zu nehmen.
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OZD-Kommentar – Dynastie oder System?
Sollte Modschtaba Chamenei tatsächlich an die Spitze rücken, wäre das ein Signal von Kontinuität – fast wie eine politische Erbfolge in einer Republik. Die Islamische Republik steht vor einer Bewährungsprobe: Setzt sie auf Machtzirkel und Familiennähe oder wagt sie einen Kurswechsel? Die Entscheidung dürfte nicht nur innenpolitisch, sondern auch regional explosive Folgen haben.
Mini-Infobox
– Modschtaba Chamenei, 56 Jahre alt
– Gilt als konservativ und revolutionsnah
– 2019 US-Sanktionen gegen ihn verhängt
– Expertenrat entscheidet über Nachfolge
OZD-Analyse
Machtstruktur im Iran
a) Oberster Führer ist religiöses und politisches Zentrum.
b) Expertenrat bestimmt den Nachfolger.
c) Schnelle Entscheidung signalisiert Stabilitätsanspruch.
Person Modschtaba Chamenei
a) Kein offizielles Regierungsamt.
b) Nähe zu den Revolutionsgarden.
c) Internationale Sanktionen und Vorwürfe finanzieller Netzwerke.
Regionale Auswirkungen
a) Fortsetzung der bisherigen Iran-Politik möglich.
b) Drohungen Israels gegen mögliche Nachfolger.
c) Risiko weiterer militärischer Eskalation.
Erklärungen – Was ist der Expertenrat im Iran?
Der Expertenrat ist ein Gremium aus Geistlichen, das laut iranischer Verfassung den obersten Führer wählt, überwacht und theoretisch auch absetzen kann. Seine Mitglieder werden gewählt, stehen jedoch selbst unter starkem Einfluss des Systems.
Historischer Hintergrund
Seit der Islamischen Revolution 1979 steht an der Spitze des Iran ein oberster Führer mit weitreichenden religiösen und politischen Befugnissen. Nach dem Tod von Revolutionsführer Ayatollah Khomeini 1989 übernahm Ali Chamenei das Amt – nun steht das Land erneut vor einer historischen Weichenstellung.
Prognose
Die Wahl des Nachfolgers dürfte entscheidend für den künftigen Kurs Irans sein. Eine Ernennung Modschtabas würde für Kontinuität sprechen, während eine andere Personalie mögliche interne Machtverschiebungen anzeigen könnte. In jedem Fall bleibt die Lage angespannt – mit Risiken für die gesamte Region.
Gewinnspiel
Welches Gremium ist für die Wahl des obersten Führers im Iran zuständig?
A) Parlament
B) Revolutionsgarden
C) Expertenrat
D) Verfassungsgericht
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OZD-Extra – Sanktionen seit 2019
Bereits Jahre vor der aktuellen Krise stand Modschtaba Chamenei im Fokus internationaler Sanktionen – ein Hinweis auf seine vermutete politische Bedeutung im Hintergrund.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP