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3,8 Millionen Euro erschlichen: Landgericht Berlin verurteilt Ex-Steuerfachangestellten

Mit gefälschten Zahlen zu Mitarbeitern und Umsatz sollen Millionen an Corona-Hilfen erschlichen worden sein. Nun fiel vor dem Landgericht Berlin das Urteil.

Wegen Betrugs mit staatlichen Corona-Hilfen ist ein Mann in Berlin zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den heute 57-Jährigen des Subventionsbetrugs in fünf Fällen schuldig, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch.

Nach Überzeugung des Gerichts war der ehemalige Steuerfachangestellte Teil eines Betrugssystems rund um staatliche Corona-Unterstützungsprogramme. Gemeinsam mit mehreren gesondert verfolgten Beteiligten soll er falsche Kreditanträge im Rahmen der Pandemie-Hilfen gestellt haben.

Dabei wurden laut Anklage bewusst falsche Angaben über Mitarbeiterzahlen, Umsätze und wirtschaftliche Schäden gemacht. Auf dieser Grundlage wurden sogenannte Schnellkredite aus dem Corona-Hilfsprogramm beantragt, das während der Pandemie Unternehmen mit Liquidität versorgen sollte. 

Die Kredite wurden über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgezahlt. Nach Angaben der Ermittler flossen die Gelder anschließend jedoch nicht in die betroffenen Unternehmen, sondern auf Konten zweier Firmen, die unter Kontrolle von Komplizen standen.

Der finanzielle Schaden beläuft sich laut Anklage auf rund 3,8 Millionen Euro.

Der Fall ist Teil eines größeren Komplexes. Ursprünglich standen mehrere Beteiligte im Fokus der Ermittlungen. Ein gesondert verfolgter Mittäter wurde bereits im Dezember 2024 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen einen weiteren Mann stellte das Gericht ein, da dieser in einem anderen Verfahren bereits zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Ein weiterer Verdächtiger ist weiterhin flüchtig.

Nach Erkenntnissen der Ermittler nutzten die Beschuldigten die besondere Situation während der Corona-Pandemie aus. Die staatlichen Hilfsprogramme wurden damals bewusst schnell und unbürokratisch eingerichtet, um Unternehmen vor Insolvenz zu bewahren. Diese Geschwindigkeit machte das System jedoch auch anfällig für Missbrauch.

Tatsächlich registrierten Behörden bundesweit tausende Ermittlungsverfahren wegen Betrugs mit Corona-Hilfen. In mehreren Fällen wurden Millionenbeträge über fingierte Firmen, falsche Unterlagen oder manipulierte Umsatzzahlen beantragt.

Das Urteil des Landgerichts Berlin ist noch nicht rechtskräftig.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar – Die Rechnung für den Corona-Betrug kommt spät

Der Fall zeigt ein Grundproblem der Pandemiepolitik: Geschwindigkeit ging vor Kontrolle. Milliarden wurden in kürzester Zeit verteilt, um eine wirtschaftliche Katastrophe zu verhindern. Das war politisch nachvollziehbar – öffnete aber gleichzeitig Tür und Tor für Betrug. Kriminelle Netzwerke erkannten schnell, dass falsche Zahlen und Scheinfirmen oft ausreichten, um staatliche Hilfsgelder zu kassieren. Dass nun Jahre später Prozesse stattfinden, ist wichtig für die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats. Doch viele Verfahren werden noch folgen. Die große Frage bleibt: Wie viele Millionen aus den Corona-Hilfen werden am Ende tatsächlich zurückgeholt?

Mini-Infobox

– Urteil: 3 Jahre und 10 Monate Haft
– Schaden laut Anklage: 3,8 Millionen Euro
– Tatvorwurf: Subventionsbetrug in fünf Fällen
– Corona-Kredite über KfW beantragt
– Urteil noch nicht rechtskräftig

OZD-Analyse

Der Fall zeigt typische Muster beim Betrug mit Corona-Hilfsprogrammen.

Funktionsweise des Betrugssystems
a) Antragstellung für staatliche Corona-Schnellkredite
b) Manipulation von Mitarbeiterzahlen und Umsätzen
c) Weiterleitung der Gelder auf Konten von Komplizen

Schwachstellen der Corona-Hilfsprogramme
a) Schnelle Auszahlung ohne umfassende Vorprüfung
b) hohe Fördersummen pro Antrag
c) fehlende Echtzeitkontrollen in der Anfangsphase

Strafrechtliche Konsequenzen
a) Subventionsbetrug kann mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden
b) häufig zusätzliche Vorwürfe wie Urkundenfälschung oder Geldwäsche
c) Gerichte ordnen meist auch die Einziehung der erlangten Gelder an

– Bundesweit laufen weiterhin zahlreiche Ermittlungsverfahren zu Corona-Hilfen.

Erklärungen / Wissensblock

Was sind Corona-Wirtschaftshilfen?
Während der Pandemie stellte der deutsche Staat umfangreiche Hilfsprogramme bereit. Unternehmen konnten Zuschüsse oder Kredite erhalten, um Einnahmeausfälle durch Lockdowns und Einschränkungen zu überbrücken.

Was ist Subventionsbetrug?
Subventionsbetrug liegt vor, wenn staatliche Fördergelder durch falsche Angaben oder manipulierte Unterlagen erschlichen werden. In Deutschland drohen dafür Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder in schweren Fällen deutlich mehr.

Was ist die KfW?
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau ist eine staatliche Förderbank. Während der Corona-Pandemie spielte sie eine zentrale Rolle bei der Vergabe von Hilfskrediten an Unternehmen.

Historischer Hintergrund

Im Frühjahr 2020 startete die Bundesregierung umfangreiche Hilfsprogramme, um Unternehmen während der Corona-Lockdowns zu unterstützen. Milliarden Euro wurden über Soforthilfen, Überbrückungshilfen und KfW-Kredite ausgezahlt. Die schnelle Auszahlung sollte Insolvenzen verhindern, machte das System aber anfällig für Missbrauch. Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass bundesweit Schäden in Milliardenhöhe durch Betrug entstanden sein könnten.

Prognose

Die juristische Aufarbeitung der Corona-Hilfen steht erst am Anfang. Viele Ermittlungen dauern Jahre, weil komplexe Firmenstrukturen, internationale Geldflüsse und Scheinfirmen untersucht werden müssen. Experten rechnen damit, dass noch zahlreiche Prozesse folgen werden. Gleichzeitig dürfte der Staat künftig strengere Kontrollmechanismen einführen, wenn erneut große Krisenprogramme aufgelegt werden.

Gewinnspiel

Wie hoch war der Schaden durch den Corona-Betrug im Berliner Fall laut Anklage?

A) 800.000 Euro
B) 1,5 Millionen Euro
C) 3,8 Millionen Euro
D) 12 Millionen Euro

Hier geht es zum Gewinnspiel:
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OZD-Extra

Während der Corona-Pandemie stellte der deutsche Staat Hilfen in dreistelliger Milliardenhöhe bereit. Allein die KfW vergab zeitweise Kredite in historischem Umfang – schneller als jemals zuvor in der Geschichte der Förderbank.


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP