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Drogenboss Marset gefasst: Bolivien liefert „König des Südens“ an die USA aus

Der international gesuchte Drogenboss Sebastián Marset wurde in Bolivien festgenommen und an US-Ermittler übergeben. Ihm wird ein riesiges Kokain-Netzwerk vorgeworfen.

Der seit Jahren international gesuchte Drogenboss Sebastián Marset ist in Bolivien festgenommen und an die Vereinigten Staaten übergeben worden. Nach Angaben aus bolivianischen Regierungskreisen wurde der 34-Jährige am Freitag im Morgengrauen bei einer groß angelegten Polizeiaktion gefasst.

Wie im bolivianischen Fernsehen zu sehen war, übergaben Ermittler Marset kurze Zeit später am Flughafen der Wirtschaftsmetropole Santa Cruz de la Sierra an Einsatzkräfte der US-Drogenfahndungsbehörde DEA. Diese brachten ihn anschließend in ein in den USA registriertes Flugzeug.

Boliviens Innenminister Marco Antonio Oviedo erklärte, die Festnahme und Übergabe seien auf Grundlage eines „in den USA erlassenen Haftbefehls“ erfolgt.

Der aus Uruguay stammende Marset wurde laut Behörden in einem wohlhabenden Viertel von Santa Cruz de la Sierra gefasst. Bei der Operation waren nach Angaben eines AFP-Korrespondenten hunderte Polizisten im Einsatz. Neben dem Drogenboss wurden vier weitere Personen festgenommen.

Marset stand auf Fahndungslisten mehrerer Staaten, darunter auch der USA. Für Hinweise zu seiner Ergreifung war ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar ausgesetzt. Bereits im Mai 2025 hatte das US-Justizministerium Ermittlungen gegen ihn wegen Geldwäsche über amerikanische Banken eingeleitet.

Nach Angaben der US-Ermittler führte Marset ein internationales Netzwerk von Drogenhändlern an. Dieses soll mindestens 16 Tonnen Kokain nach Europa geschmuggelt haben. Ein großer Teil der Lieferungen sei über den belgischen Hafen Antwerpen abgewickelt worden.

Auch Paraguay hat Interesse an einer Auslieferung Marsets angemeldet. Der paraguayische Innenminister Enrique Riera erklärte jedoch, dass es wahrscheinlicher sei, dass der Drogenboss letztlich in die USA gebracht werde. „Hauptsache, er wird inhaftiert“, sagte Riera.

Marset war seit Juli 2023 auf der Flucht. Damals war er kurz vor einer Polizeirazzia aus seinem Haus in Santa Cruz entkommen. Bereits zwischen 2013 und 2018 hatte er in seinem Heimatland Uruguay eine Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt.

Nach seiner Entlassung lebte er zeitweise in Bolivien und Paraguay sowie in weiteren Ländern Südamerikas. Ermittlern zufolge nutzte er auch Fußballvereine, um Geld aus dem Drogenhandel zu waschen.

Berichten zufolge zahlte Marset sogar Geld, um selbst auf dem Spielfeld zu stehen. So soll er 10.000 Dollar gezahlt haben, um bei Spielen mit der Rückennummer 10 aufzulaufen – einer Nummer, die einst von Fußballlegenden wie Pelé, Diego Armando Maradona und Lionel Messi getragen wurde.

Die Festnahme Marsets erfolgt in einer Phase intensiver internationaler Ermittlungen gegen Drogenkartelle in Lateinamerika. Erst vor wenigen Wochen war bereits ein weiterer einflussreicher Drogenboss festgenommen worden.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar – Ein Schlag gegen den globalen Kokainhandel

Die Festnahme von Sebastián Marset ist ein bedeutender Erfolg im internationalen Kampf gegen den Drogenhandel. Der Uruguayer galt als einer der einflussreichsten Kokainhändler Lateinamerikas und operierte über ein Netzwerk, das mehrere Kontinente verband. Besonders brisant ist dabei die Verbindung zwischen organisiertem Verbrechen und scheinbar legalen Strukturen wie Fußballvereinen oder Handelsunternehmen. Solche Methoden zeigen, wie raffiniert moderne Drogenkartelle ihre Gewinne verschleiern. Gleichzeitig macht der Fall deutlich, dass internationale Zusammenarbeit zwischen Ermittlungsbehörden zunehmend Wirkung zeigt. Doch solange die Nachfrage nach Kokain weltweit hoch bleibt, werden neue Netzwerke entstehen. Der Kampf gegen den Drogenhandel bleibt daher eine langfristige Herausforderung.

Mini-Infobox

– Sebastián Marset wurde in Bolivien festgenommen
– Übergabe an US-Drogenfahndung DEA
– Ermittler werfen ihm Schmuggel von 16 Tonnen Kokain vor
– Zwei Millionen Dollar Kopfgeld waren ausgesetzt

OZD-Analyse

Struktur des Drogennetzwerks
a) internationale Schmuggelrouten nach Europa
b) Nutzung von Häfen wie Antwerpen
c) komplexe Geldwäsche über Unternehmen und Sportvereine

Rolle Lateinamerikas im Kokainhandel
a) Bolivien zählt zu den größten Produktionsländern
b) wichtige Transitländer für den internationalen Schmuggel
c) starke Kartellstrukturen in mehreren Staaten

Bedeutung der Festnahme
– international koordinierte Ermittlungen erfolgreich
– Schwächung eines wichtigen Netzwerks
– mögliche neue Machtkämpfe im Drogenmilieu

Erklärungen / Wissensblock

Wer ist Sebastián Marset?
Sebastián Marset ist ein uruguayischer Drogenhändler, der von Ermittlern als Anführer eines internationalen Kokainnetzwerks beschrieben wird. Er stand jahrelang auf internationalen Fahndungslisten und war seit 2023 auf der Flucht.

Was ist die DEA?
Die Drug Enforcement Administration (DEA) ist die US-Behörde zur Bekämpfung des internationalen Drogenhandels. Sie arbeitet weltweit mit nationalen Polizeibehörden zusammen, um Drogennetzwerke zu zerschlagen.

Historischer Hintergrund

Lateinamerika gilt seit Jahrzehnten als Zentrum der weltweiten Kokainproduktion. Länder wie Kolumbien, Peru und Bolivien spielen eine Schlüsselrolle im Anbau der Koka-Pflanze und im Export des daraus gewonnenen Rauschgifts. Internationale Ermittlungen richten sich daher regelmäßig gegen große Netzwerke in der Region.

Prognose

Die Festnahme Marsets könnte kurzfristig zu Machtverschiebungen im internationalen Kokainhandel führen. Häufig versuchen rivalisierende Gruppen, entstandene Lücken schnell zu füllen. Gleichzeitig dürfte der Druck internationaler Ermittler auf Drogennetzwerke in Lateinamerika weiter steigen.

Gewinnspiel

In welchem Land wurde der Drogenboss Sebastián Marset festgenommen?

A) Paraguay
B) Uruguay
C) Bolivien
D) Mexiko

Hier teilnehmen:
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OZD-Extra

Der belgische Hafen Antwerpen gilt als einer der wichtigsten Umschlagplätze für Kokain in Europa und steht seit Jahren im Fokus internationaler Ermittlungen.


Alle Angaben ohne Gewähr. 

Titelbild: AFP