Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Gesundheitszentrum im Südlibanon sind nach Angaben der Behörden mindestens zwölf Mitarbeiter getötet worden. Das libanesische Gesundheitsministerium erklärte am Samstag, bei den Opfern handele es sich um "Ärzte, Sanitäter und Krankenschwestern".
Der Angriff ereignete sich demnach in der südlibanesischen Stadt Burdsch Kalawija. Nach Angaben des Ministeriums war es bereits der zweite Angriff auf Einrichtungen des Gesundheitssektors innerhalb weniger Stunden.
Zuvor hatte es demnach einen Angriff in Sawaneh gegeben. Dabei wurden laut Gesundheitsministerium zwei Sanitäter getötet, die der pro-iranischen Hisbollah sowie der mit ihr verbündeten Amal-Gruppierung angehörten.
Auch an anderen Orten im Libanon wurden Angriffe gemeldet. In der Nähe der südlibanesischen Hafenstadt Sidon wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Freitag mindestens acht Menschen bei einem israelischen Angriff getötet.
Im ostlibanesischen Bar Elias berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA, dass bei einem Angriff die beiden Söhne eines örtlichen islamistischen Funktionärs ums Leben gekommen seien.
Darüber hinaus meldete NNA, dass das Hauptquartier der nepalesischen Einheit der UN-Friedensmission Unifil in der Grenzstadt Majs al-Dschabal von israelischen Granaten getroffen worden sei. Der Sprecher der nepalesischen Armee, Raja Ram Basnet, erklärte später, eines der Häuser ihres Bataillons sei getroffen worden, es habe jedoch keine Verletzten gegeben. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur griff die israelische Armee zudem mehrere Straßen im Südlibanon an. Dadurch seien wichtige Verbindungen aus dem Norden des Litani-Flusses sowie aus der östlichen Bekaa-Ebene blockiert worden. Diese Region wird von der Hisbollah unter anderem für Waffentransporte genutzt.
Die Hisbollah im Libanon ist gemeinsam mit der islamistischen Hamas im Gazastreifen sowie der Huthi-Miliz im Jemen Teil der vom Iran geführten sogenannten "Achse des Widerstands". Ziel dieses Bündnisses ist die Vernichtung Israels.
Parallel zu den Ereignissen im Libanon startete der Iran in der Nacht zum Samstag eine weitere Angriffswelle mit ballistischen Raketen auf Israel. Iranische Staatsmedien berichteten kurz nach Mitternacht über den Raketenbeschuss.
Die israelische Armee erklärte, mehrere aus dem Iran abgeschossene Raketen entdeckt zu haben. Die Luftabwehr sei aktiviert worden, in verschiedenen Regionen Israels sei Luftalarm ausgelöst worden.
Auch die Hisbollah setzte ihre Angriffe fort. Am Freitag feuerte die schiitische Miliz weitere Raketen auf Israel. In der Nacht zuvor hatte sie nach israelischen Angaben den bisher größten Raketenangriff auf Israel seit Beginn des Iran-Krieges gestartet.
Der Hisbollah-Chef Naim Kassem kündigte eine langfristige militärische Auseinandersetzung an. "Wir haben uns auf eine lange Konfrontation eingestellt", sagte er in einer Fernsehansprache.
Zugleich warnte er Israel vor weiteren Angriffen. Die Israelis müssten mit "Überraschungen auf dem Schlachtfeld" rechnen, erklärte Kassem und sprach von einem "existenziellen Kampf".
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur im Libanon gedroht. Sollte die Regierung in Beirut ihre Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah nicht erfüllen, werde Israel auch die Kontrolle über Teile libanesischen Territoriums übernehmen, erklärte Katz.
Die Entwaffnung der Hisbollah gehört zu den Vereinbarungen der Waffenruhe, die Israel und die Miliz im November 2024 getroffen hatten. Die libanesische Armee erklärte im Januar, die erste Phase dieser Entwaffnung abgeschlossen zu haben.
Der aktuelle Konflikt steht im Zusammenhang mit den Luftangriffen der USA und Israels auf Ziele im Iran am 28. Februar. Seitdem greift Teheran mit Raketen und Drohnen Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region an. Mit Beginn des Iran-Krieges verschärfte sich auch der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah erneut.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Der Nahostkonflikt rutscht in eine neue Phase
Der Konflikt zwischen Israel, dem Iran und den mit Teheran verbündeten Milizen entwickelt sich zunehmend zu einem regionalen Krieg. Die Ereignisse im Libanon zeigen, dass sich die Fronten längst über Gaza und Israel hinaus ausgeweitet haben.
Besonders gefährlich ist die Rolle der Hisbollah. Die schiitische Miliz verfügt über ein großes Raketenarsenal und ist militärisch deutlich stärker als viele andere Gruppen in der Region. Wenn ihr Anführer bereits öffentlich von einer „langen Konfrontation“ spricht, deutet vieles darauf hin, dass sich der Konflikt noch über Monate oder sogar Jahre hinziehen könnte.
Sollte der Iran seine Angriffe weiter intensivieren und Israel gleichzeitig verstärkt Ziele im Libanon angreifen, droht eine Eskalation, die den gesamten Nahen Osten destabilisieren könnte.
Mini-Infobox
Wichtige Fakten zur Eskalation
– Mindestens 12 Tote nach israelischem Angriff auf Gesundheitszentrum
– Weitere Angriffe im Süd- und Ostlibanon gemeldet
– Iran startet neue Raketenangriffe auf Israel
– Hisbollah kündigt „lange Konfrontation“ an
– UN-Friedensmission Unifil ebenfalls von Beschuss betroffen
OZD-Analyse
Militärische Dynamik des Konflikts
a) Israel greift zunehmend Ziele im Libanon an.
b) Die Hisbollah intensiviert ihre Raketenangriffe auf Israel.
c) Gleichzeitig beteiligt sich der Iran direkt mit Raketen- und Drohnenangriffen.
Strategische Bedeutung des Libanon
a) Der Südlibanon gilt als zentrale Operationsbasis der Hisbollah.
b) Waffentransporte erfolgen häufig über die Bekaa-Ebene.
c) Angriffe auf Infrastruktur sollen diese Logistik unterbrechen.
Internationale Dimension
a) Der Konflikt betrifft mehrere Staaten im Nahen Osten.
b) UN-Friedensmissionen sind ebenfalls betroffen.
c) Die Gefahr einer regionalen Ausweitung wächst deutlich.
Erklärungen / Wissensblock
Was ist die Hisbollah?
Die Hisbollah ist eine schiitische Miliz und politische Organisation im Libanon. Sie wurde in den 1980er Jahren gegründet und wird politisch sowie militärisch vom Iran unterstützt. Die Gruppe verfügt über eine starke militärische Struktur und gilt als eine der einflussreichsten Kräfte im Libanon.
Was ist Unifil?
Die Unifil ist eine Friedensmission der Vereinten Nationen im Südlibanon. Sie wurde 1978 eingerichtet, um die Lage an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon zu stabilisieren und militärische Eskalationen zu verhindern.
Historischer Hintergrund
Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah reicht Jahrzehnte zurück. Besonders prägend war der Libanonkrieg im Jahr 2006. Seitdem kommt es immer wieder zu Spannungen und militärischen Zwischenfällen entlang der Grenze. Mit der jüngsten militärischen Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran hat sich auch die Lage im Libanon erneut verschärft.
Prognose
Sollte sich der Raketenbeschuss zwischen Israel, dem Iran und der Hisbollah fortsetzen, könnte der Südlibanon zu einem zentralen Kriegsschauplatz werden. Internationale Beobachter befürchten, dass sich der Konflikt zu einem umfassenden regionalen Krieg ausweiten könnte, in den mehrere Staaten direkt hineingezogen werden.
Gewinnspiel
Frage: Wie viele Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums wurden laut Behörden bei dem israelischen Luftangriff im Südlibanon getötet?
A) 5
B) 8
C) 12
D) 20
Die richtige Antwort finden Sie im Artikel.
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Die Hisbollah gilt als eine der am stärksten bewaffneten nichtstaatlichen Militärorganisationen weltweit und verfügt über ein Arsenal von zehntausenden Raketen.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP