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Vom Golf bis nach Jordanien

Verschärfte Repression und Zensur im Iran-Krieg 16.03.2026

Die Offensive Israels und der USA gegen Iran sowie die iranischen Angriffe auf Staaten der Region haben auch Auswirkungen auf die Medien: Mehrere Regierungen haben seit Beginn des Kriegs die freie Berichterstattung stark eingeschränkt, der Druck auf Journalist*innen steigt deutlich. Ohnehin zählen viele Länder der Region bereits zu den weltweiten Schlusslichternauf der Rangliste der Pres sefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RSF). 

„Dass Regierungen in Zeiten von Kriegen und Krisen verstärkt gegen Medien vorgehen, ist ein Muster, das wir mittlerweile nicht nur in Autokratien sehen“, sagt RSF-Nahostreferent Christopher Resch. „Es ist legitim, Gesetze zu nationaler Sicherheit und Propagandabekämpfung zu erlassen – aber sie sind häufig weit gefasst und vage. Sie verletzen das Grundrecht der Öffentlichkeit auf Information. Pressefreiheit ist kein Luxus: Sie garantiert die Existenz aller anderen Freiheiten.“

„Fotografie dient dem Feind“ – mit diesem Hashtag gehen die Behörden in Saudi-Arabien seit dem 2. März gegen unliebsame Berichterstattung über die Folgen iranischer Angriffe vor. Die Kampagne enthält Bilder, auf denen Kameras als Waffen und Propagandaflyer dargestellt sind. Flankiert wird sie von einer Regierungserklärung, die das „Teilen von Gerüchten oder Videos unbekannter Herkunft“ verbietet und die Öffentlichkeit auffordert, „nur offiziellen Regierungsquellen“ zu vertrauen.

Ebenfalls am 2. März machten Fotos und Videos von Bildern eines Brandes in der Ölreffinerie  Ras Tanura am Persischen Golf die Runde. Die saudische Regierung räumte ein, dass tatsächlich eine Rakete den Standort getroffen hatte – es sei aber zu keinen großen Schäden gekommen. Dennoch verboten die Behörden jegliche weitere Recherchen zu dem Vorfall. In Saudi-Arabien sind derzeit 19 Journalist*innen inhaftiert. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von RSF steht das Königreich auf Platz 166 von 180.

Einschränkungen der Pressefreiheit in der gesamten Kriegsregion

Das gleiche Muster beobachtet RSF in den Golfstaaten und in Jordanien: Die Berichterstattung und die Weitergabe jeglicher Informationen über iranische Raketen- und Drohnenangriffe soll unmöglich gemacht werden.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE, Platz 164 auf der Rangliste der Pressefreiheit) hat der Generalstaatsanwalt das Posten von Bildern oder Informationen über die Angriffe verboten. Bereits im Februar, vor Kriegsbeginn, hatten die VAE ihre Überwachung von Social-Media-Beiträgen verschärft – als Reaktion auf Spannungen mit Saudi-Arabien im Zusammenhang mitt der Situation im Nachbarland Jemen.  Die Behörden hatten damals die Bevölkerung aufgefordert, verdächtige Online-Inhalte zu melden. Diese Aufforderung erklärt auch die große Zahl von Beschwerden über Posts zum Iran-Krieg. Am 3. März berichteten beispielsweise mehrere Journalist*innen auf X, dass die Plattform sie über eine Sperrung ihrer Konten in den VAE informiert habe. Auf Screenshots  ist ein angeblich von der emiratischen Staatsanwaltschaft versandtes Schreiben zu sehen, in dem X aufgefordert wird, eine Liste von Konten zu sperren. Auch der saudische Fernsehsender Al Arabiya, dem auf X fast 20 Millionen Menschen folgen, steht auf der Liste. Nach RSF-Informationen werfen die emiratischen Behörden dem Sender vor, die Bevölkerung dazu anzustiften, der Redaktion Bilder von iranischen Luftangriffen auf Dubai zu schicken. Al Arabiya wies die Vorwürfe zurück: Der Sender sei vielmehr Opfer einer Verleumdungskampagne.

In Bahrain (Platz 157) ist der Zugang von Journalist*innen zu den betroffenen Gebieten streng eingeschränkt: Reporter*innen dürfen diese erst betreten, nachdem die Behörden ihre Ermittlungen abgeschlossen haben. Vor Ort wird die Berichterstattung zudem durch ein weithin herrschendes Klima der Angst behindert: Mindestens elf Menschen sind seit Kriegsbeginn festgenommen worden, weil sie Militärstandorte gefilmt und Inhalte veröffentlicht hätten, „die mit der iranischen Aggression sympathisieren“. Viele Menschen weigern sich nun, mit den Medien zu sprechen.

In Katar (Platz 79) hat das Innenministerium seit Kriegsbeginn das Fotografieren und die Verbreitung von Inhalten im Zusammenhang mit den Luftangriffen verboten. „Es ist unmöglich, mit einer Kamera auf die Straße zu gehen“, sagte ein in der Hauptstadt Doha ansässiger Journalist gegenüber RSF. 

In Kuwait (Platz 128) haben die Behörden die Öffentlichkeit aufgefordert, keine Bilder oder Informationen im Zusammenhang mit den Luftangriffen zu veröffentlichen. Diese würden „Chaos stiften“ und „die öffentliche Meinung destabilisieren“. Damit kann nun jedes Foto oder jeder Kommentar, der von der Regierungslinie abweicht, zur Basis eines Strafverfahrens werden.

Auch in Jordanien (Platz 147) hat die Medienkommission angekündigt, dass die Veröffentlichung von Videos oder Informationen über die Landesverteidigung Strafverfolgung nach sich ziehen könnte.

Repression und Schikanen auch in Iran und Israel

In Iran selbst werden Journalist*innen weiterhin von den Behörden verfolgt, auch die Internetsperre ist noch immer in Kraft. Am 10. März zitierte die offizielle Nachrichtenagentur IRNA Justizsprecher Asghar Jahangir mit der Aussage, dass mehrere Nachrichtenagenturen wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften verwarnt worden seien. Wiederholte Verstöße würden rechtliche Schritte nach sich ziehen. Nur wenige Stunden später gaben Regierungsbeamte die Festnahme von 30 Personen bekannt, die „Informationen weitergegeben“ hätten. Journalist*innen befanden sich jedoch nicht darunter. Der Geheimdienst der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) berichtete zudem, dass zehn Personen festgenommen worden seien, weil sie Medien Videos zur Verfügung gestellt hätten. 

Bereits seit Jahren schränken auch in Israel scharfe Gesetze zur militärischen Zensur die Berichterstattung israelischer und ausländischer Medien ein, die im Land tätig sind. Seit Beginn des Krieges gegen den Iran haben die Behörden dieses Vorgehen noch einmal verstärkt. Nun unterliegen auch Informationen über Einschlagsorte iranischer Raketen der Militärzensur.


Reporter ohne Grenzen


Bild: © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Altaf QadriNach einem iranischen Raketentreffer steigt Rauch über einer Lagerhalle in Schardschah in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf (1. März 2026).