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Machtpoker beendet: Europa setzt Zeichen gegen Russland und stärkt Kiew massiv

Nach monatelangem Streit beschließt die EU Milliardenhilfe für die Ukraine und neue Sanktionen gegen Russland.

Nach zähen Verhandlungen und monatelanger Blockade ist der Durchbruch gelungen: Die Europäische Union hat einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine sowie ein neues Sanktionspaket gegen Russland endgültig beschlossen. Alle 27 Mitgliedstaaten stimmten den Maßnahmen im schriftlichen Verfahren zu – auch das bislang blockierende Ungarn.

Der Weg für die Einigung wurde erst durch eine überraschende Entwicklung frei: Der Streit zwischen Budapest und Kiew um die wichtige Druschba-Pipeline konnte beigelegt werden. Nachdem die Pipeline nach Schäden wieder in Betrieb genommen wurde, floss russisches Öl erneut Richtung Ungarn und Slowakei – ein zentraler Punkt für die Zustimmung beider Länder.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich erleichtert: „Wir sind mit guten Nachrichten auf dem Weg nach Zypern“, erklärte sie. Die Umsetzung der Maßnahmen solle nun zügig erfolgen.

Zuvor hatte der inzwischen abgewählte ungarische Regierungschef Viktor Orban sowohl den Kredit als auch die Sanktionen blockiert. Seine Regierung begründete dies mit der Unterbrechung der Ölversorgung über die Druschba-Pipeline, die durch ukrainisches Gebiet verläuft.

Mit der Wiederaufnahme der Lieferungen entfiel dieses Argument. Auch die Slowakei, die sich teilweise der Blockade angeschlossen hatte, gab ihren Widerstand auf.

Das neue Sanktionspaket richtet sich unter anderem gegen die sogenannte „Schattenflotte“ Russlands – Tanker, die unter wechselnden Flaggen Rohöl transportieren und Sanktionen umgehen sollen.

Parallel dazu kann die EU nun den milliardenschweren Kredit an die Ukraine auf den Weg bringen. Erste Auszahlungen werden bereits für Ende Mai erwartet. Ursprünglich war eine frühere Auszahlung geplant, doch die politischen Blockaden hatten den Zeitplan verzögert.

Für die Ukraine ist das Geld von existenzieller Bedeutung. Präsident Wolodymyr Selenskyj machte deutlich, wofür die Mittel eingesetzt werden sollen: „Sozialhilfen für unsere Bevölkerung, die Armee, die Drohnenproduktion und die digitale Kriegsführung“.

Selenskyj traf unterdessen zu einem EU-Gipfel in Zypern ein, wo er weitere Unterstützung einfordern dürfte. Gespräche mit europäischen Staats- und Regierungschefs, darunter auch mit Bundeskanzler Friedrich Merz, sind geplant.

Neben dem Ukraine-Krieg steht beim Gipfel auch die Lage im Nahen Osten im Fokus – insbesondere die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Energiepreise in Europa.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Europa zeigt Stärke, aber zu spät?
Die Einigung ist ein wichtiges Signal – doch sie kommt spät. Monate des politischen Stillstands haben wertvolle Zeit gekostet. Dass eine Pipeline über Krieg und Frieden entscheidet, zeigt die Abhängigkeit Europas. Die Prognose: Die EU wird ihre Energiepolitik radikal überdenken müssen – und schneller handeln.

Historischer Hintergrund
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 unterstützt die Europäische Union das Land finanziell, militärisch und politisch.

Gleichzeitig verhängte Brüssel zahlreiche Sanktionen gegen Russland. Dennoch blieb Europa lange von russischen Energieimporten abhängig – insbesondere über Pipelines wie die Druschba-Leitung.

Zukunftsprognose
Mit dem neuen Kredit wird die Ukraine kurzfristig stabilisiert. Langfristig dürfte die EU ihre Unterstützung weiter ausbauen.

Gleichzeitig ist mit weiteren Sanktionen gegen Russland zu rechnen. Die geopolitischen Spannungen werden bestehen bleiben – mit direkten Auswirkungen auf Energiepreise, Wirtschaft und Sicherheit in Europa.

Gewinnspiel
Frage: Wie hoch ist der beschlossene EU-Kredit für die Ukraine?
A) 30 Milliarden Euro
B) 60 Milliarden Euro
C) 90 Milliarden Euro
D) 120 Milliarden Euro

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox

90 Milliarden Euro Kredit beschlossen

Neue Sanktionen gegen Russland

Blokade durch Ungarn aufgehoben

Druschba-Pipeline wieder aktiv

OZD-Analyse

Politische Einigung
– Ende einer monatelangen Blockade innerhalb der EU

Strategische Faktoren
– a) Energieabhängigkeit Europas
– b) Bedeutung der Druschba-Pipeline
– c) Einfluss einzelner Mitgliedstaaten

Folgen
– Stärkung der Ukraine, aber anhaltende geopolitische Spannungen

Erklärungen

Was ist die Druschba-Pipeline?
Eine der größten Öl-Pipelines der Welt, die Russland mit mehreren europäischen Ländern verbindet.

Was bedeutet „Schattenflotte“?
Schiffe, die genutzt werden, um Sanktionen zu umgehen, oft durch Verschleierung ihrer Herkunft.

OZD-Extras
Die EU finanziert den Ukraine-Kredit über gemeinsame Schulden – ein Schritt, der politisch lange umstritten war.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.