Für Tschechien wird die Lage bei der Weltmeisterschaft immer bedrohlicher. Die Mannschaft um Bundesliga-Star Patrik Schick kam im richtungsweisenden Duell der Auftaktverlierer gegen Südafrika nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus und steht damit vor einem echten Endspiel gegen Gastgeber Mexiko. Nach nur einem Punkt aus zwei Spielen droht den Europäern bereits in der Gruppenphase das Aus.
Die Enttäuschung war den tschechischen Spielern nach dem Schlusspfiff deutlich anzusehen. Lange hatte alles nach einem dringend benötigten Sieg ausgesehen. Doch ein später Handelfmeter zerstörte die Hoffnungen und brachte Südafrika zurück ins Rennen um das Weiterkommen.
Dabei begann die Partie in Atlanta ideal für die Tschechen. Bereits in der sechsten Minute traf Michal Sadilek nach einem schnellen Einwurf und einer perfekten Direktablage von Alexandr Sojka zur frühen Führung. Die Europäer dominierten die Anfangsphase, spielten mutig nach vorne und setzten Südafrika massiv unter Druck.
Auch Patrik Schick stand sofort im Mittelpunkt. Nachdem der Stürmer von Bayer Leverkusen beim Auftakt gegen Südkorea enttäuscht hatte, erhielt er erneut das Vertrauen seiner Mannschaft. Schon nach 45 Sekunden bot sich ihm eine große Kopfballchance, doch der Abschluss misslang völlig. Es sollte sinnbildlich für seinen Abend werden.
Nach der frühen Führung verlor Tschechien jedoch zunehmend den Faden. Südafrika stabilisierte sich und fand besser ins Spiel. Die Begegnung entwickelte sich zu einem offenen Duell, das allerdings nur wenige Höhepunkte bot. Klare Torchancen blieben auf beiden Seiten lange Mangelware.
Nach der Pause versuchten die Tschechen, früh für die Entscheidung zu sorgen. Lukas Cerv und erneut Schick vergaben jedoch gute Möglichkeiten. Danach verflachte die Partie erneut. Südafrika bemühte sich zwar um den Ausgleich, blieb offensiv aber weitgehend harmlos.
Erst in der Schlussphase nahm das Drama seinen Lauf. Nach einem Handspiel von Pavel Sulc entschied Schiedsrichterin Tori Penso sofort auf Elfmeter. Die Amerikanerin bestätigte damit ihren starken Auftritt und setzte ihre Linie konsequent fort. Teboho Mokoena verwandelte den Strafstoß in der 83. Minute sicher zum 1:1 und sorgte für Jubel bei "Bafana-Bafana".
"Am Anfang haben wir guten Fußball gespielt. Aber nach dem Tor sind wir von unserem Weg abgekommen, haben den Gegner ins Spiel kommen lassen. Wir waren zu passiv", analysierte Adam Hlozek nach der Partie. "Es ist noch nicht das Ende für uns. Drei Punkte hätten uns aber natürlich sehr geholfen, jetzt wird es gegen Mexiko sehr schwierig. Aber wir werden weiter kämpfen."
Die Ausgangslage ist nun klar: Tschechien benötigt gegen den bereits qualifizierten Gastgeber Mexiko wahrscheinlich einen Sieg, um die K.o.-Runde noch zu erreichen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Schick wird zum Symbol der tschechischen Krise
Patrik Schick steht nicht allein in der Verantwortung für die enttäuschende WM der Tschechen. Dennoch verkörpert sein Auftritt die Probleme der Mannschaft wie kaum ein anderer Spieler. Der Leverkusener sollte der Unterschiedsspieler sein, der sein Team durch schwierige Momente trägt. Stattdessen wirkt er gehemmt, isoliert und ohne Selbstvertrauen.
Noch schwerer wiegt jedoch die fehlende Konsequenz der gesamten Mannschaft. Nach der frühen Führung zog sich Tschechien immer weiter zurück und überließ Südafrika die Initiative. Wer auf diesem Niveau nur verwaltet, wird bestraft.
Die Prognose ist ernüchternd: Gegen Gastgeber Mexiko droht ein weiteres schwieriges Spiel. Sollte sich die Leistung nicht deutlich steigern, könnte das Turnier für die Tschechen schneller vorbei sein als erwartet.
Historischer Hintergrund
Tschechien gehört seit Jahrzehnten zu den etablierten Fußballnationen Europas. Der größte Erfolg war der Finaleinzug bei der Europameisterschaft 1996. Bei Weltmeisterschaften blieben die ganz großen Erfolge jedoch aus.
Südafrika schrieb 2010 Geschichte, als das Land als erste afrikanische Nation eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtete. Seitdem versucht "Bafana-Bafana", wieder dauerhaft auf der internationalen Bühne Fuß zu fassen.
Auch die Rolle von Schiedsrichterinnen im Weltfußball hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Nach dem historischen WM-Einsatz von Stéphanie Frappart 2022 gehört Tori Penso nun zu den wichtigsten Unparteiischen im internationalen Fußball.
Zukunftsprognose
Tschechien steht vor einem echten Endspiel gegen Mexiko. Der Druck wird enorm sein, da nur ein Sieg realistische Chancen auf das Weiterkommen eröffnet. Besonders Patrik Schick muss nun liefern und seine Torjägerqualitäten zeigen.
Südafrika hat sich dagegen mit dem späten Punktgewinn eine gute Ausgangsposition erarbeitet. Gegen Südkorea besitzt die Mannschaft weiterhin die Möglichkeit, die K.o.-Runde zu erreichen.
Gewinnspiel
Frage: Wer erzielte den späten Ausgleich für Südafrika gegen Tschechien?
A) Evidence Makgopa
B) Heung-Min Son
C) Teboho Mokoena
D) Adam Hlozek
Zum Gewinnspiel:
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Mini-Infobox
Tschechien und Südafrika trennten sich 1:1.
Michal Sadilek traf früh zur Führung.
Teboho Mokoena verwandelte einen Elfmeter.
Patrik Schick blieb erneut ohne Tor.
Mexiko wartet nun im letzten Gruppenspiel.
OZD-Analyse
Tschechien verspielt wichtige Punkte
– Nach der Führung verlor die Mannschaft die Kontrolle über das Spiel.
Patrik Schick unter Druck
– a) Erneut ohne Torerfolg.
– b) Gute Chancen blieben ungenutzt.
– c) Die Kritik in der Heimat dürfte wachsen.
Spannung in Gruppe A
– Mexiko ist bereits qualifiziert.
– Südafrika wahrt seine Chancen.
– Tschechien steht vor einem Endspiel.
Erklärungen
Wer ist Patrik Schick?
Patrik Schick zählt zu den erfolgreichsten tschechischen Fußballern der Gegenwart und gilt als Schlüsselspieler seiner Nationalmannschaft.
Wer ist Tori Penso?
Tori Penso gehört zu den renommiertesten Schiedsrichterinnen der Welt und leitete bereits zahlreiche internationale Topspiele.
Was ist Bafana-Bafana?
"Bafana-Bafana" ist der Spitzname der südafrikanischen Fußballnationalmannschaft und bedeutet sinngemäß „Die Jungs“ in einer südafrikanischen Landessprache.
OZD-Extras
Tori Penso ist erst die zweite Schiedsrichterin überhaupt, die ein Spiel bei einer Männer-Weltmeisterschaft leitet. Vor ihr schrieb die Französin Stéphanie Frappart Fußballgeschichte bei der WM 2022 in Katar.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.