Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat Kalifornien hat den Schuldspruch gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung bestätigt. Gleichzeitig wurde jedoch das Strafmaß aufgehoben. Die Richter ordneten an, dass die Strafe neu festgesetzt werden muss.
Wie aus dem Online-Register des Gerichts hervorgeht, wird "das Strafmaß aufgehoben, und die Sache wird zur erneuten Strafzumessung zurückverwiesen". Im Übrigen bleibe das Urteil bestehen. Eine ausführliche Begründung der Entscheidung lag zunächst nicht vor.
Damit bleibt Weinstein weiterhin rechtskräftig wegen der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung einer europäischen Schauspielerin verurteilt. Das Strafmaß könnte im neuen Verfahren sowohl höher als auch niedriger ausfallen.
Der heute 74-Jährige weist sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe weiterhin zurück. Nach seiner Darstellung handelte es sich bei allen sexuellen Kontakten um einvernehmliche Beziehungen.
Weinstein war Ende 2022 wegen der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung einer europäischen Schauspielerin in einem Hotelzimmer in Los Angeles im Jahr 2013 schuldig gesprochen worden. Die damals verhängte Freiheitsstrafe von 16 Jahren muss nun neu bemessen werden.
Der ehemalige Filmproduzent befindet sich derzeit im Gefängniskomplex auf Rikers Island in New York. Dort laufen weiterhin weitere juristische Verfahren gegen ihn.
Die Entscheidung des Berufungsgerichts folgt nur einen Tag nach der Ankündigung der Staatsanwaltschaft in New York, ein Verfahren wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung der Schauspielerin Jessica Mann einzustellen.
Bereits zuvor waren mehrere Prozesse gegen Weinstein gescheitert, weil sich Geschworene nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen konnten. Gleichzeitig wartet Weinstein in New York weiterhin auf eine neue Strafzumessung wegen sexueller Übergriffe auf die frühere Produktionsassistentin Miriam Haley.
Harvey Weinstein galt über Jahrzehnte als einer der einflussreichsten Produzenten Hollywoods. Im Jahr 2017 veröffentlichten die "New York Times" und das Magazin "The New Yorker" zahlreiche Berichte über Vorwürfe sexueller Übergriffe. Insgesamt erhoben mehr als 80 Frauen Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung, sexueller Übergriffe oder Vergewaltigung. Die Enthüllungen entwickelten sich zum Ausgangspunkt der weltweiten MeToo-Bewegung.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Das Urteil bleibt, die Strafe wackelt
Die Entscheidung des Berufungsgerichts zeigt, wie komplex Strafverfahren auch nach einer Verurteilung bleiben können. Der Schuldspruch gegen Harvey Weinstein hat weiterhin Bestand – daran besteht juristisch nach der aktuellen Entscheidung kein Zweifel. Dass dennoch über das Strafmaß erneut verhandelt werden muss, ist Ausdruck rechtsstaatlicher Verfahren und nicht automatisch eine Entlastung des Verurteilten. Der Fall bleibt ein Symbol dafür, wie tiefgreifend die MeToo-Bewegung Justiz, Gesellschaft und die Filmbranche verändert hat.
Historischer Hintergrund
Harvey Weinstein gehörte jahrzehntelang zu den mächtigsten Filmproduzenten Hollywoods. Mit zahlreichen preisgekrönten Produktionen prägte er die internationale Filmindustrie. Im Jahr 2017 veröffentlichten investigative Recherchen umfangreiche Vorwürfe zahlreicher Frauen gegen ihn. Die Berichte führten weltweit zur MeToo-Bewegung, die eine breite gesellschaftliche Debatte über sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch und den Schutz von Betroffenen auslöste.
Zukunftsprognose
Das neue Strafverfahren in Kalifornien wird ausschließlich die Höhe der Strafe betreffen, da der Schuldspruch bestätigt wurde. Parallel bleiben weitere juristische Verfahren gegen Weinstein in New York bestehen. Der Fall dürfte auch künftig eine zentrale Bedeutung für den gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Gewalt und Machtmissbrauch haben.
Gewinnspiel
Frage: Was hat das Berufungsgericht in Kalifornien entschieden?
A) Vollständiger Freispruch
B) Schuldspruch aufgehoben
C) Schuldspruch bestätigt, Strafmaß aufgehoben
D) Verfahren eingestellt
Mitmachen und attraktive Preise gewinnen:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox
Schuldspruch bleibt bestehen.
16-jährige Haftstrafe aufgehoben.
Neue Strafzumessung angeordnet.
Weinstein bleibt in Haft.
Weitere Verfahren laufen in New York.
OZD-Analyse
Gerichtliche Entscheidung
– Das Berufungsgericht bestätigt die Schuld, verlangt jedoch eine neue Strafbemessung.
Juristische Folgen
– a) Schuldspruch bleibt rechtskräftig.
– b) Strafhöhe wird neu festgelegt.
– c) Weitere Verfahren gegen Weinstein dauern an.
Folgen
– Der Fall bleibt eines der bedeutendsten Verfahren im Zusammenhang mit der MeToo-Bewegung und wird die öffentliche Debatte über sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch weiter prägen.
Erklärungen
Wer ist Harvey Weinstein?
Harvey Weinstein ist ein ehemaliger US-amerikanischer Filmproduzent. Über Jahrzehnte gehörte er zu den einflussreichsten Persönlichkeiten Hollywoods. Seit 2017 steht sein Name weltweit für den größten Missbrauchsskandal der Filmindustrie und den Beginn der internationalen MeToo-Bewegung.
Was ist die MeToo-Bewegung?
Die MeToo-Bewegung ist eine weltweite soziale Bewegung gegen sexuelle Belästigung, sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch. Millionen Betroffene machten unter dem Hashtag #MeToo ihre Erfahrungen öffentlich und lösten gesellschaftliche sowie politische Veränderungen in zahlreichen Ländern aus.
OZD-Extras
Die Enthüllungen gegen Harvey Weinstein führten nicht nur zu zahlreichen Gerichtsverfahren, sondern veränderten weltweit den Umgang vieler Unternehmen, Medienhäuser und Filmstudios mit Fällen sexueller Belästigung und Machtmissbrauch grundlegend.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.