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Über 66.000 Menschen beteiligten sich an der Abstimmung.
LaVita erhielt rund 39 Prozent der Stimmen.
Das Produkt kostet etwa 50 Euro pro 500 Milliliter.
Foodwatch fordert strengere Kontrollen für Nahrungsergänzungsmittel.
Der „Goldene Windbeutel“ wird seit 2009 vergeben.
Der boomende Markt für Nahrungsergänzungsmittel steht erneut massiv in der Kritik. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat das Mikronährstoffkonzentrat des bayerischen Unternehmens LaVita zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“ gewählt. Rund 39 Prozent der mehr als 66.000 Teilnehmer einer bundesweiten Online-Abstimmung vergaben den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ an das Produkt, das mit Gesundheitsversprechen wirbt und umgerechnet rund 100 Euro pro Liter kostet.
Nach Angaben von Foodwatch besteht das als „Saubertrank“, „Naturprodukt“ und „tägliche Basis unserer Gesundheit“ beworbene Konzentrat zu rund 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat. Hinzu kommen 26 zugesetzte Vitamine und Mikronährstoffe.
Eine 500-Milliliter-Flasche kostet rund 50 Euro – ein Preis, der aus Sicht der Verbraucherschützer in keinem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Produkt steht.
Foodwatch erhebt dabei schwere Vorwürfe gegen den Hersteller.
„LaVita kassiert Verbraucher:innen mit dem Wunsch nach Gesundheit kräftig ab.“
Weiter erklärte Foodwatch:
„Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen.“
Nach Ansicht der Organisation boomt der Markt für Nahrungsergänzungsmittel seit Jahren nahezu unkontrolliert. Gerade Produkte mit Vitaminen, Mineralstoffen oder Pflanzenextrakten würden häufig mit Aussagen beworben, die bei Verbrauchern den Eindruck vermitteln, sie könnten Krankheiten vorbeugen oder die allgemeine Gesundheit deutlich verbessern.
Foodwatch fordert deshalb deutlich strengere staatliche Kontrollen.
„Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie Verbrauchertäuschung stoppen kann.“
LaVita weist die Vorwürfe hingegen entschieden zurück.
Das Unternehmen erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, man werbe seit mehr als 25 Jahren „ohne Beanstandung“ mit dem Slogan „Fit fürs Leben“ und halte sämtliche gesetzlichen Vorgaben ein.
Auch die Kritik am Literpreis weist der Hersteller zurück.
„Niemand trinkt einen Liter LaVita auf einmal, dieser reicht für rund drei Monate. Entscheidend ist der Preis pro Portion – und der liegt bei einem Euro.“
Zudem betont das Unternehmen, bei dem Produkt handele es sich ausdrücklich nicht um einen einfachen Fruchtsaft, sondern um ein hochkonzentriertes Mikronährstoffkonzentrat.
Auch den Vorwurf überdosierter Vitamine weist LaVita zurück. Die enthaltenen Mengen lägen zwar oberhalb der Mindestversorgung, seien jedoch keineswegs gesundheitlich problematisch.
Gleichzeitig räumte das Unternehmen nach Angaben von Foodwatch ein, dass nicht sämtliche Inhaltsstoffe vollständig natürlichen Ursprungs seien. Außerdem werde der Werbebegriff „Saubertrank“ inzwischen nicht mehr verwendet. Auch der Slogan „Fit fürs Leben“ solle erneut rechtlich überprüft werden.
Der Fall zeigt erneut, wie emotional das Geschäft mit Gesundheit geworden ist. Nahrungsergänzungsmittel erzielen seit Jahren Milliardenumsätze. Viele Verbraucher greifen zu Vitaminpräparaten, Immunboostern oder Pflanzenkonzentraten in der Hoffnung auf mehr Leistungsfähigkeit, bessere Gesundheit oder ein längeres Leben.
Wissenschaftlich sind viele dieser Erwartungen jedoch nur eingeschränkt belegt. Fachgesellschaften weisen regelmäßig darauf hin, dass gesunde Menschen mit einer ausgewogenen Ernährung ihren Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen in den meisten Fällen bereits ausreichend decken.
Neben LaVita landeten auch andere Produkte im diesjährigen Negativranking.
Auf Platz zwei kam das „Airfryer Backin Backpulver“ von Dr. Oetker. Nach Einschätzung von Foodwatch unterscheide sich das speziell für Heißluftfritteusen beworbene Produkt praktisch nicht vom deutlich günstigeren Standardbackpulver.
Den dritten Platz belegte der Matcha-Mango-Joghurt von Andechser Natur. Laut Foodwatch enthalte dieser lediglich 0,1 Prozent Matcha – für die grüne Farbe sorge überwiegend Spirulina-Algenpulver.
Seit 2009 vergibt Foodwatch jährlich den Negativpreis „Goldener Windbeutel“, um nach eigener Aussage auf irreführende Werbung im Lebensmittelbereich aufmerksam zu machen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Gesundheit darf kein Marketing-Trick sein
Der Fall LaVita ist weit mehr als eine Debatte über einen teuren Saft. Er zeigt ein grundsätzliches Problem: Mit kaum einem Thema lässt sich heute so leicht Geld verdienen wie mit der Hoffnung auf Gesundheit.
Begriffe wie „natürlich“, „fit“, „Vitalität“, „Immunsystem“ oder „Mikronährstoffe“ erzeugen Vertrauen – oft ohne dass Verbraucher beurteilen können, welchen tatsächlichen Nutzen ein Produkt besitzt. Genau hier beginnt die Verantwortung der Hersteller.
Natürlich dürfen Unternehmen hochwertige Nahrungsergänzungsmittel anbieten. Doch sobald Werbeaussagen den Eindruck vermitteln, Gesundheit lasse sich einfach kaufen, wird eine Grenze überschritten.
Besonders kritisch ist, dass der Markt für Nahrungsergänzungsmittel in Europa seit Jahren wächst, während Kontrollen und wissenschaftliche Bewertungen häufig hinterherhinken. Viele Verbraucher zahlen hohe Preise – häufig ohne nachgewiesenen Zusatznutzen.
Die Prognose: Der politische Druck auf die Branche wird steigen. Forderungen nach strengeren Werberegeln, transparenteren Kennzeichnungen und schärferen Kontrollen dürften lauter werden. Gesundheit sollte auf wissenschaftlichen Fakten beruhen – nicht auf geschicktem Marketing.
Historischer Hintergrund
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst seit Jahren weltweit zweistellig. Allein in Deutschland geben Verbraucher jährlich Milliarden Euro für Vitamine, Mineralstoffe, Pflanzenextrakte und sogenannte Superfoods aus.
Nach den europäischen Health-Claims-Verordnungen dürfen Hersteller gesundheitsbezogene Aussagen nur verwenden, wenn sie wissenschaftlich geprüft und zugelassen sind. Dennoch kritisieren Verbraucherschützer immer wieder irreführende Werbestrategien, emotionale Gesundheitsversprechen und eine unzureichende Kontrolle des Marktes.
Der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ wird von Foodwatch seit 2009 vergeben. Ziel ist es, Verbraucher auf aus Sicht der Organisation besonders problematische Werbeaussagen aufmerksam zu machen.
Zukunftsprognose
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel dürfte weiter wachsen. Gleichzeitig ist mit strengeren gesetzlichen Vorgaben für Werbung, Kennzeichnung und Inhaltsstoffe zu rechnen.
Verbraucher werden zunehmend kritischer auf Gesundheitsversprechen reagieren. Unternehmen, die auf Transparenz, wissenschaftliche Nachweise und nachvollziehbare Produktinformationen setzen, könnten langfristig an Vertrauen gewinnen.
Gewinnspiel
Frage: Welches Produkt erhielt 2026 den Negativpreis „Goldener Windbeutel“?
A) Airfryer Backin von Dr. Oetker
B) Matcha-Mango-Joghurt
C) LaVita Mikronährstoffkonzentrat
D) Milka Schokolade
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Analyse
Boom der Nahrungsergänzungsmittel
– Gesundheitsprodukte erzielen Milliardenumsätze und wachsen seit Jahren stark.
Kritik der Verbraucherschützer
– a) Hohe Preise
– b) Fragwürdige Gesundheitsversprechen
– c) Unzureichende Marktüberwachung
Folgen
– Der Ruf nach strengeren Werbevorschriften, wissenschaftlicher Transparenz und einer stärkeren Lebensmittelkontrolle wird lauter.
Erklärungen
Was ist der „Goldene Windbeutel“?
Der „Goldene Windbeutel“ ist ein Negativpreis der Verbraucherorganisation Foodwatch. Mit ihm werden Produkte ausgezeichnet, deren Werbung nach Ansicht der Organisation Verbraucher besonders stark in die Irre führt.
Was sind Nahrungsergänzungsmittel?
Nahrungsergänzungsmittel enthalten Vitamine, Mineralstoffe oder andere Stoffe in konzentrierter Form. Sie sollen die Ernährung ergänzen, gelten jedoch nicht als Arzneimittel und ersetzen keine ausgewogene Ernährung.
OZD-Extras
Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung benötigen gesunde Menschen bei ausgewogener Ernährung in den meisten Fällen keine zusätzlichen Vitaminpräparate. Ausnahmen können beispielsweise Schwangerschaft, bestimmte Erkrankungen oder ärztlich festgestellte Mangelzustände sein.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.