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Energiegesetz unter Beschuss: Wind- und Solarbranche warnen

Die geplanten Reformen der Bundesregierung sorgen für heftigen Widerstand. Verbände warnen vor Investitionsstopp, weniger Windkraft und einem Einbruch beim Solarausbau.

Die Kritik an den energiepolitischen Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wächst weiter. Mehrere Branchenverbände warnen davor, dass die vorgesehenen Änderungen beim Netzpaket sowie bei der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) den Ausbau erneuerbarer Energien erheblich bremsen könnten.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht insbesondere Risiken für den weiteren Ausbau der Windenergie. Bärbel Heidebroeck, Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie, erklärte, die aktuellen Gesetzentwürfe böten keine ausreichende Investitionssicherheit. Angesichts steigenden Strombedarfs und wiederkehrender Energiekrisen sei dies "Politik gegen die Interessen des Industriestandorts und der Bevölkerung". Sie forderte dringend Nachbesserungen.

Auch die Solarbranche schlägt Alarm. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), warnte vor einem "massiven Einbruch des Photovoltaikausbaus". Die vorgesehenen Einschnitte ab 2027 würden zentrale Investitionsgrundlagen zerstören und zahlreiche Solarprojekte wirtschaftlich gefährden.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Ende vergangener Woche überarbeitete Entwürfe für das Netzpaket und die EEG-Novelle vorgelegt. Zwar wurden frühere Pläne entschärft. So sollen Betreiber neuer Anlagen bei Netzengpässen weiterhin entschädigt werden, allerdings in geringerem Umfang. An der geplanten Abschaffung der Förderung kleiner Solaranlagen hält die Bundesregierung grundsätzlich fest, bis 2029 sind lediglich Übergangsregelungen vorgesehen.

Auch die Wohnungswirtschaft kritisiert diese Pläne. Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft, betonte, dass insbesondere Photovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern auf eine verlässliche Einspeisevergütung angewiesen seien. Deren Wegfall könnte den Ausbau deutlich erschweren.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bemängelt darüber hinaus das Verfahren. Die Verbände hätten lediglich drei Werktage Zeit erhalten, um die umfangreichen Gesetzesentwürfe zu bewerten. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae bezeichnete dies als "absolut inakzeptabel". Gute Gesetze könnten nur entstehen, wenn ihre Auswirkungen gemeinsam mit der Praxis sorgfältig geprüft würden.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Energiewende braucht Verlässlichkeit

Die Energiewende lebt von Vertrauen. Unternehmen investieren Milliardenbeträge nur dann, wenn politische Rahmenbedingungen langfristig berechenbar sind. Werden Förderinstrumente verändert oder Unsicherheiten geschaffen, geraten Investitionen schnell ins Stocken.

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, den Strommarkt effizienter zu gestalten und die Kosten für das Energiesystem zu begrenzen. Gleichzeitig darf dieser Kurs jedoch nicht dazu führen, dass genau jene Unternehmen ausgebremst werden, die den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben sollen.

Besonders kritisch erscheint die sehr kurze Frist für die Verbände, um komplexe Gesetzesvorhaben zu bewerten. Eine Reform dieser Tragweite benötigt einen intensiven Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Nur so lassen sich Fehlentwicklungen vermeiden.

Historischer Hintergrund

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde im Jahr 2000 der Grundstein für den Ausbau von Wind- und Solarenergie in Deutschland gelegt. Die garantierte Einspeisevergütung machte Deutschland zu einem der Vorreiter der Energiewende. In den vergangenen Jahren wurden die Fördermechanismen mehrfach reformiert, um die Kosten zu senken und den Markt stärker wettbewerblich auszurichten. Gleichzeitig steigen durch Elektrifizierung, Wärmepumpen, Rechenzentren und Elektromobilität die Anforderungen an Stromnetze und Energieversorgung kontinuierlich.

OZD-Prognose

Vor dem Kabinettsbeschluss dürfte der politische Druck weiter zunehmen. Mehrere Wirtschaftsverbände werden auf Änderungen drängen, um Investitionssicherheit für Wind- und Solarprojekte zu erhalten. Wahrscheinlich sind weitere Anpassungen an einzelnen Regelungen, bevor Bundestag und Bundesrat über die Gesetze beraten. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Versorgungssicherheit, Netzstabilität und den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.


Erklärungen

Was ist das Netzpaket?
Das Netzpaket soll den Ausbau und Betrieb der Stromnetze an die wachsende Einspeisung von Wind- und Solarstrom anpassen.

Was bedeutet EEG?
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt unter anderem die Förderung von Wind-, Solar- und Bioenergie in Deutschland.

Was ist die Einspeisevergütung?
Sie garantiert Betreibern von Solaranlagen eine feste Vergütung für den eingespeisten Strom und gilt als wichtige Grundlage für Investitionsentscheidungen.


Alle Angaben ohne Gewähr.