Neue US-Zölle treten mit 10 bis 12,5 Prozent in Kraft.
Rund 60 Handelspartner sind betroffen.
EU bleibt beim allgemeinen Zollsatz von zehn Prozent.
China, Japan und weitere Staaten zahlen künftig 12,5 Prozent.
Die Vereinigten Staaten haben neue Zölle gegen rund 60 internationale Handelspartner eingeführt und damit ihre Handelspolitik erneut verschärft. Die neuen Abgaben traten in der Nacht zum Freitag in Kraft und ersetzen den zuvor geltenden weltweiten Sonderzoll von zehn Prozent. Als Begründung nennt die US-Regierung ein aus ihrer Sicht unzureichendes Vorgehen zahlreicher Staaten gegen Zwangsarbeit. Betroffen sind große Teile des internationalen Handels mit den USA.
Für die Europäische Union bleibt es bei einem allgemeinen Zollsatz von zehn Prozent. Auch Großbritannien, Kanada und Indien werden in diese Gruppe eingeordnet. Länder wie China, Japan, Südkorea sowie zahlreiche weitere Staaten müssen dagegen künftig einen höheren Zollsatz von 12,5 Prozent zahlen. Unverändert bleiben außerdem die bereits bestehenden höheren branchenspezifischen Zölle etwa auf Stahl und Aluminium.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte zur Begründung: "Die Vereinigten Staaten haben seit fast einem Jahrhundert ein Verbot von Waren aus Zwangsarbeit und setzen dieses konsequent durch. Es ist höchste Zeit, dass unsere Handelspartner dasselbe tun."
Die Regierung in Washington benötigte eine neue rechtliche Grundlage für ihre Zollpolitik, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA im Februar mehrere ursprüngliche Zölle von Präsident Donald Trump aufgehoben hatte. Daraufhin führte Trump einen globalen Sonderzoll von zehn Prozent ein, der jedoch gesetzlich auf 150 Tage begrenzt war und nun auslief.
Parallel dazu leitete die Regierung eine Untersuchung ein, um eine alternative Rechtsgrundlage für dauerhafte Zölle zu schaffen. Das Ergebnis ist nun die Berufung auf angeblich unzureichende Maßnahmen vieler Handelspartner gegen Zwangsarbeit. Nach Darstellung Washingtons sollen Staaten, die sich bereits stärker gegen Zwangsarbeit engagieren, mit dem niedrigeren Zollsatz belastet werden.
Grundsätzlich verfolgt Präsident Trump mit seiner Zollpolitik mehrere Ziele. Einerseits sollen heimische Unternehmen geschützt und Produktionsstandorte verstärkt in die USA verlagert werden. Andererseits sollen zusätzliche Einnahmen für den Staat erzielt und das seit Jahren bestehende Handelsdefizit der Vereinigten Staaten reduziert werden. Gleichzeitig nutzt Trump Importzölle regelmäßig auch als außenpolitisches Druckmittel gegenüber anderen Staaten.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Moral als Vorwand, Wirtschaft als Ziel
Die neue Begründung der US-Regierung wirkt auf den ersten Blick moralisch überzeugend. Der Kampf gegen Zwangsarbeit verdient internationale Unterstützung. Doch der Zeitpunkt wirft Fragen auf. Erst nachdem der Oberste Gerichtshof die bisherige Zollstrategie ausgebremst hatte, entstand plötzlich eine neue juristische Grundlage. Das deutet darauf hin, dass wirtschafts- und industriepolitische Interessen weiterhin im Mittelpunkt stehen.
Trump verfolgt konsequent das Ziel, Produktion in die Vereinigten Staaten zurückzuholen und ausländische Anbieter unter Druck zu setzen. Die Bekämpfung von Zwangsarbeit wird dabei zum politischen Hebel. Die Folge dürfte eine weitere Belastung des Welthandels sein. Die Wahrscheinlichkeit neuer Gegenmaßnahmen anderer Wirtschaftsräume steigt erheblich. Die globale Wirtschaft steuert damit auf eine Phase zunehmender Handelskonflikte zu.
Historischer Hintergrund
Importzölle gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Instrumenten der Vereinigten Staaten. Bereits während der ersten Amtszeit von Donald Trump wurden umfangreiche Strafzölle gegen China sowie weitere Handelspartner eingeführt. Ziel war es, das hohe Handelsdefizit der USA zu verringern und Produktionskapazitäten zurück in die Vereinigten Staaten zu holen. Die Europäische Union, China, Japan, Kanada und zahlreiche weitere Staaten reagierten damals teilweise mit eigenen Gegenzöllen. Der Streit belastete den internationalen Handel und führte weltweit zu Unsicherheiten für Unternehmen und Investoren.
Zukunftsprognose
Die neuen US-Zölle dürften den Druck auf internationale Lieferketten weiter erhöhen. Besonders China, Japan und Südkorea könnten Gegenmaßnahmen prüfen. Auch innerhalb der Welthandelsorganisation dürfte die Rechtmäßigkeit der neuen Begründung intensiv diskutiert werden. Für Unternehmen in Europa, Nordamerika und Asien steigen Planungsunsicherheit und Kosten. Geopolitisch verschärft sich damit die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen den großen Handelsblöcken weiter.
Gewinnspiel
Frage: Mit welcher Begründung führte die US-Regierung die neuen Zölle ein?
A) Wegen steigender Energiepreise
B) Wegen unzureichender Maßnahmen gegen Zwangsarbeit
C) Wegen neuer Klimaschutzvorgaben
D) Wegen sinkender Inflation
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Analyse
Neue Rechtsgrundlage für Trumps Zollpolitik
– Nach dem Eingreifen des Obersten Gerichtshofs musste Washington eine neue juristische Begründung schaffen.
Wirtschaftliche Auswirkungen
– a) Höhere Importkosten für Unternehmen.
– b) Zusätzlicher Druck auf globale Lieferketten.
– c) Risiko neuer Gegenzölle wichtiger Handelspartner.
Folgen für die Weltwirtschaft
– Die Unsicherheit im internationalen Handel nimmt zu. Investitionen
könnten verschoben werden, während geopolitische Spannungen weiter
wachsen.
Erklärungen
Was ist Zwangsarbeit?
Zwangsarbeit bezeichnet Arbeit, zu der Menschen gegen ihren Willen und unter Androhung von Strafen oder Gewalt gezwungen werden. Der internationale Kampf gegen Zwangsarbeit gehört zu den Kernzielen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
OZD-Extras
Interessanter Zusatzfakt: Die USA sind trotz ihrer protektionistischen Maßnahmen weiterhin einer der größten Importeure der Welt. Viele US-Unternehmen sind auf internationale Lieferketten angewiesen, sodass Zölle häufig auch die eigenen Unternehmen und Verbraucher finanziell belasten.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.