Kleine Übersicht
77 Prozent der in Europa verbauten Batteriezellen stammen inzwischen aus Asien.
Europas Anteil an der weltweiten Batteriezellenproduktion liegt bei nur 13 Prozent.
98 Prozent der europäischen Produktionskapazitäten werden von asiatischen Unternehmen kontrolliert.
Bis 2030 könnten in Europa rund 28 Millionen Elektroautos produziert werden.
Artikel
Die europäische Automobilindustrie gerät beim wichtigsten Bauteil der Elektromobilität zunehmend ins Hintertreffen. Nach einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte wächst die Abhängigkeit deutscher und europäischer Hersteller von asiatischen Batterieproduzenten weiter. Damit drohen der Branche nicht nur milliardenschwere Gewinne zu entgehen, sondern auch langfristige Wettbewerbsnachteile.
Nach den Berechnungen der Experten wurden im vergangenen Jahr bereits 77 Prozent aller in Europa verbauten Batteriezellen für Elektroautos in Asien produziert. Im Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei 70 Prozent. Gleichzeitig entfallen lediglich 13 Prozent der weltweiten Batteriezellenproduktion auf Europa.
Besonders kritisch bewertet die Studie die Eigentumsverhältnisse in Europa. Zwar entstehen neue Produktionskapazitäten auf dem Kontinent, doch 98 Prozent davon werden von asiatischen Unternehmen kontrolliert. Im Vorjahr lag dieser Wert bereits bei 97 Prozent.
Die Bedeutung der Batterien wächst mit dem Ausbau der Elektromobilität weiter. Deloitte rechnet damit, dass bis zum Jahr 2030 rund 28 Millionen Elektrofahrzeuge in Europa produziert werden. Ohne eine eigene wettbewerbsfähige Batterieproduktion könnten europäischen Unternehmen in den kommenden vier Jahren Gewinne von rund 10,5 Milliarden Euro entgehen.
Harald Proff, Leiter des Automobilbereichs bei Deloitte, erklärte: "Batterien bestimmen Reichweite, Leistung und Preis eines Elektroautos. Wenn europäische Hersteller hier nicht wettbewerbsfähig sind, werden die Absätze künftig noch stärker unter Druck geraten." Deshalb müssten Industrie und Politik gemeinsam gegensteuern.
Trotz der schwierigen Ausgangslage sehen die Experten weiterhin Chancen. Nach Einschätzung von Deloitte ist der Wettbewerb noch nicht entschieden. Entscheidend seien nun ausreichende Investitionen sowie staatliche Unterstützung beim Aufbau industrieller Fertigungskapazitäten. Forschung allein reiche nicht aus – vor allem die kapitalintensiven ersten Produktionsjahre müssten finanziell abgesichert werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Europas Wohlstand entscheidet sich in der Batteriefabrik
Während Europa über Klimaziele und Förderprogramme diskutiert, sichern sich asiatische Unternehmen zunehmend die Kontrolle über das Herzstück der Elektromobilität. Wer die Batterien baut, kontrolliert künftig große Teile der Wertschöpfung der Automobilindustrie. Europa läuft Gefahr, sich technologisch abhängig zu machen – mit Folgen für Arbeitsplätze, Innovationen und wirtschaftliche Stärke. Ohne massive Investitionen könnte die europäische Autoindustrie dauerhaft an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Historischer Hintergrund
Mit dem weltweiten Boom der Elektromobilität entwickelte sich die Batteriezelle zum strategisch wichtigsten Bauteil moderner Fahrzeuge. Vor allem Unternehmen aus China, Südkorea und Japan investierten bereits vor vielen Jahren massiv in Forschung, Produktion und Lieferketten. Europa konzentrierte sich lange stärker auf die Fahrzeugentwicklung als auf die Herstellung von Batteriezellen. Erst mit dem beschleunigten Umstieg auf Elektrofahrzeuge wurden umfangreiche Investitionsprogramme zum Aufbau einer eigenen Batterieindustrie gestartet.
Zukunftsprognose
Der Wettbewerb um Batterietechnologien dürfte sich bis 2030 weiter verschärfen. Europa wird versuchen, den Aufbau eigener Zellfabriken und neuer Batteriegenerationen – etwa Feststoffbatterien – deutlich zu beschleunigen. Gelingt dies nicht, könnten asiatische Hersteller ihre Marktstellung weiter ausbauen und einen noch größeren Teil der Wertschöpfung kontrollieren.
Auswirkungen auf die Börsen: Die Studie unterstreicht die Bedeutung von Batterieherstellern und Rohstoffunternehmen für Investoren. Europäische Autohersteller könnten unter Druck geraten, wenn sie ihre Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten nicht reduzieren. Gleichzeitig könnten Unternehmen aus den Bereichen Batterietechnologie, Rohstoffförderung und Recycling von zusätzlichen Investitionen profitieren.

Gewinnspiel
Frage: Wie hoch ist laut Deloitte der Anteil der in Europa verbauten Batteriezellen, die in Asien hergestellt werden?
A) 55 Prozent
B) 63 Prozent
C) 77 Prozent
D) 91 Prozent
Gewinnspiel:
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OZD-Analyse
Hauptpunkt: Wachsende Abhängigkeit Europas
– Die europäische Automobilindustrie ist bei Batteriezellen zunehmend auf asiatische Hersteller angewiesen.
Hauptpunkt: Ursachen
– a) Jahrzehntelanger Technologievorsprung asiatischer Produzenten.
– b) Hohe Investitionskosten für den Aufbau europäischer Zellfabriken.
– c) Langsame Industrialisierung neuer Fertigungskapazitäten in Europa.
Hauptpunkt: Folgen
– Milliardenverluste für europäische Unternehmen, steigende strategische Abhängigkeit, wachsender Wettbewerbsdruck sowie zunehmende Bedeutung staatlicher Industriepolitik und neuer Batterietechnologien.
Erklärungen
Was sind Batteriezellen?
Batteriezellen sind das Herzstück eines Elektroautos. Sie speichern die elektrische Energie und bestimmen maßgeblich Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Leistung und Preis eines Fahrzeugs. Mehrere hundert oder sogar tausende Batteriezellen werden zu einem Batteriepaket zusammengefügt.
Was ist Deloitte?
Deloitte gehört zu den weltweit größten Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Das Unternehmen analysiert regelmäßig Entwicklungen in Industrie, Wirtschaft und Technologie und veröffentlicht Studien zu Zukunftsmärkten wie der Elektromobilität.
OZD-Extras
Die Batterie macht heute je nach Fahrzeugmodell etwa 30 bis 40 Prozent der gesamten Herstellungskosten eines Elektroautos aus. Sie ist damit das teuerste Einzelbauteil eines E-Fahrzeugs und entscheidet maßgeblich über dessen Wirtschaftlichkeit.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.