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Trockenheit bremst Wirtschaft aus: Unternehmen verlangen resilientere Wasserstraße

Trockenheit bremst Wirtschaft aus: Unternehmen verlangen resilientere Wasserstraße

Fakten im Überblick

DIHK fordert eine widerstandsfähigere Infrastruktur für die Binnenschifffahrt.

Fahrrinnen sollen gezielt an Niedrigwasser angepasst werden.

Sinkende Pegelstände verringern die Transportkapazitäten erheblich.

Ersatz über Straße oder Schiene ist nur begrenzt möglich.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger lädt zum Spitzengespräch nach Bonn.


Die anhaltende Trockenheit und die niedrigen Pegelstände auf Deutschlands Flüssen setzen Wirtschaft und Logistik zunehmend unter Druck. Vor dem Spitzengespräch im Bundesverkehrsministerium hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die Bundesregierung zu raschem Handeln aufgefordert. Ziel müsse es sein, die Wasserstraßen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen.

"Wir brauchen jetzt eine verlässliche, resiliente Infrastruktur", sagte DIHK-Bereichsleiter Dirk Binding der Nachrichtenagentur AFP. Nach seiner Auffassung müsse der Bund die Binnenwasserstraßen deutlich besser auf wiederkehrende Niedrigwasserphasen vorbereiten.

Binding sprach sich dafür aus, notwendige Maßnahmen nicht grundsätzlich auszuschließen. Insbesondere Fahrrinnenoptimierungen sowie ein modernes Management der Gewässersohle sollten "konsequent umgesetzt" werden. Solche Projekte könnten dazu beitragen, den Schiffsverkehr auch bei niedrigen Wasserständen möglichst lange aufrechtzuerhalten und wirtschaftliche Schäden zu begrenzen.

Nach Angaben der DIHK verfügen viele Unternehmen nur über begrenzte Alternativen zur Binnenschifffahrt. Ein Ausweichen auf Straße oder Schiene sei häufig weder wirtschaftlich noch organisatorisch möglich. "Wenn die durchschnittlichen Frachtkapazitäten wegen der niedrigen Pegelstände beispielsweise am Rhein um 25 Prozent sinken, werden hierdurch knapp drei Millionen Tonnen Güter weniger pro Monat transportiert." Das entspreche rund 120.000 Lkw-Ladungen. "Diese Kapazitäten haben wir weder bei den Lkw noch bei den Fahrern."

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat Vertreter der Schifffahrt, Häfen und Industrie für Donnerstagnachmittag zu einem Spitzengespräch nach Bonn eingeladen. Nach Angaben seines Ministeriums sollen dort die größten Herausforderungen identifiziert und mögliche Lösungsansätze gemeinsam entwickelt werden.

Verursacht wird das aktuelle Niedrigwasser durch die lang anhaltende Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands. Einzelne Gewitter reichen nach Einschätzung von Experten nicht aus, um die Wasserstände nachhaltig anzuheben. Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass Extremwetterlagen dieser Art infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten werden. Besonders betroffen ist der Rhein, der als wichtigste Binnenwasserstraße Europas eine zentrale Rolle für den Transport von Rohstoffen, Chemikalien, Energieprodukten und Industriegütern spielt.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Infrastruktur darf nicht länger aufgeschoben werden

Die Warnungen aus der Wirtschaft kommen nicht überraschend. Bereits in den vergangenen Jahren haben Niedrigwasserphasen gezeigt, wie verletzlich Deutschlands Lieferketten sind. Trotzdem wurden dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen vielerorts verschleppt. Wer Versorgungssicherheit, Industrieproduktion und Wettbewerbsfähigkeit erhalten will, muss den Rhein und andere Wasserstraßen konsequent an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen. Jede weitere Verzögerung erhöht langfristig die wirtschaftlichen Kosten.

Historischer Hintergrund

Der Rhein ist die wichtigste Binnenwasserstraße Deutschlands und verbindet die Nordsee mit den Industriezentren in Deutschland, Frankreich, der Schweiz sowie den Benelux-Staaten. Schon die Dürresommer 2018 und 2022 führten zu massiven Einschränkungen der Schifffahrt und verursachten erhebliche wirtschaftliche Schäden. Trotz jahrzehntelanger Planungen wurden zahlreiche Ausbauprojekte bislang nicht vollständig umgesetzt. Mit zunehmenden Extremwetterereignissen wächst der Druck auf Bund und Länder, die Wasserstraßen an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen.

Zukunftsprognose

Mit dem fortschreitenden Klimawandel dürften Niedrigwasserphasen häufiger und länger auftreten. Dadurch steigt die Bedeutung moderner Wasserstraßen, digitaler Pegelprognosen und gezielter Fahrrinnenanpassungen. Gleichzeitig werden Unternehmen ihre Lieferketten breiter aufstellen müssen, um Abhängigkeiten von einzelnen Transportwegen zu reduzieren. Investitionen in die Infrastruktur könnten langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Industrie- und Exportstandort sichern.


Mini-Infobox

Forderung: Resiliente Wasserstraßen

Betroffener Fluss: Rhein

Transportausfall: Rund 3 Millionen Tonnen Güter pro Monat

Entspricht: Etwa 120.000 Lkw-Ladungen

Anlass: Spitzengespräch im Bundesverkehrsministerium


OZD-Analyse

1. Hauptpunkt

Niedrigwasser entwickelt sich zu einem dauerhaften Risiko für Industrie und Logistik.

2. Hauptpunkt

a) Unternehmen verfügen nur über begrenzte Transportalternativen.

b) Infrastrukturprojekte kommen bislang nur langsam voran.

c) Klimabedingte Extremwetter verschärfen die Lage zusätzlich.

3. Hauptpunkt

Nur durch Investitionen in Wasserstraßen und schnellere Planungsverfahren lassen sich Lieferketten langfristig stabilisieren und wirtschaftliche Schäden begrenzen.


Erklärungen

Was bedeutet resiliente Infrastruktur?

Resiliente Infrastruktur ist so ausgelegt, dass sie auch unter außergewöhnlichen Belastungen – etwa bei Hochwasser, Niedrigwasser oder anderen Extremwetterlagen – möglichst zuverlässig funktioniert. Ziel ist es, Ausfälle zu vermeiden und wirtschaftliche Schäden zu minimieren.

Warum ist der Rhein für die Wirtschaft so wichtig?

Der Rhein ist Europas bedeutendste Binnenwasserstraße. Über ihn werden Rohstoffe, Chemikalien, Mineralölprodukte, Container und Industriegüter zwischen den Nordseehäfen sowie den Wirtschaftszentren Deutschlands, Frankreichs, der Schweiz und der Benelux-Staaten transportiert. Einschränkungen wirken sich unmittelbar auf Lieferketten und Produktionsprozesse aus.

OZD-Extras

Schon ein Rückgang der Transportkapazität um 25 Prozent bedeutet Millionen Tonnen weniger Fracht auf dem Rhein. Davon profitieren kurzfristig zwar Bahn- und Logistikunternehmen, doch fehlende Kapazitäten begrenzen Ausweichmöglichkeiten erheblich. An den Börsen könnten insbesondere Unternehmen aus Chemie, Stahl und Transport unter längeren Niedrigwasserphasen leiden, während Infrastruktur- und Ingenieurunternehmen von zusätzlichen Investitionen profitieren könnten.


Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.