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60 bis 90 Sekunden – dann muss Klarheit herrschen: So soll sich der VAR verändern

DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher reagiert auf die VAR-Kritik: Weniger Mikroskop-Entscheidungen, schnellere Eingriffe und mehr Spontaneität im Fußball.

Fakten im Überblick

Knut Kircher will den VAR zurückhaltender einsetzen.

Eingriffe sollen nur bei unmittelbar klaren und offensichtlichen Fehlern erfolgen.

Fünf, sechs oder noch mehr Kameraeinstellungen sprechen laut Kircher gegen einen eindeutigen Fehler.

VAR-Prüfungen sollen idealerweise nach maximal 60 bis 90 Sekunden Klarheit bringen.

Fans und Klubs hatten einen weniger kleinteiligen Videoeinsatz gefordert.



Der deutsche Profifußball steht möglicherweise vor einer spürbaren Veränderung beim Einsatz des Video-Assistenten. Schiedsrichter-Boss Knut Kircher will auf die anhaltende Kritik von Fans und Klubs reagieren und fordert eine zurückhaltendere Linie bei VAR-Eingriffen. Statt Szenen immer weiter zu zerlegen und aus zahlreichen Kameraperspektiven zu analysieren, soll künftig wieder stärker die Frage im Mittelpunkt stehen: Ist der Fehler sofort und eindeutig erkennbar?

Der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH machte im Interview mit RTL/Sky deutlich, dass die Verantwortlichen die Kritik aus Stadien und Vereinen wahrnehmen. Man höre "schon hin, was viele Fans uns zurückspiegeln und auch Klubverantwortliche uns zurückmelden: dass wir idealerweise nicht zu kleinteilig werden, nicht zu mikroskopisch, um dem Fußball ein Stück weit wieder das zurückzugeben, was ihn ausmacht: Spontaneität".

Damit spricht Kircher einen der größten Kritikpunkte am VAR seit dessen Einführung an. Tore, Elfmeterentscheidungen und andere Schlüsselmomente werden teilweise minutenlang überprüft. Für Zuschauer im Stadion entsteht dadurch immer wieder ein emotionales Vakuum: Jubeln – oder warten? Tor – oder doch nicht? Entscheidung – oder noch eine Kameraperspektive?

Genau hier soll sich die Philosophie verändern. Kircher beschrieb die neue Leitlinie mit einer entscheidenden sprachlichen Verschärfung. "In der vergangenen Saison hieß es: 'Clear and obvious'. Jetzt heißt es: 'Immediately clear and obvious'. Sprich: Ich sitze im Video-Assist-Center und sehe eine Situation sofort in den ersten ein, zwei Einstellungen. Dann sage ich: 'Diese Entscheidung kann so nicht stehen bleiben.'"

Die Botschaft ist klar: Der VAR soll nicht so lange nach einem Fehler suchen, bis sich möglicherweise doch noch einer finden lässt. Ein klarer Fehler muss nach Kirchhers Vorstellung vielmehr unmittelbar auffallen.

"Vielleicht braucht er dann noch eine dritte oder vierte Einstellung, um sich sicherer zu sein. Braucht es aber eine fünfte, sechste, siebte oder achte Einstellung, dann ist es schon nicht mehr die Klarheit, die wir haben wollen."

Damit formuliert der Schiedsrichterchef eine Grenze, die für Fans künftig unmittelbar spürbar werden könnte. Die Entscheidung des Unparteiischen auf dem Platz soll wieder stärkeres Gewicht bekommen, wenn Videobilder keine schnell erkennbare Fehlentscheidung zeigen.

Auch zeitlich setzt Kircher einen deutlichen Orientierungsrahmen. Der Fehler müsse "einen anspringen, die Entscheidung muss einen sofort anspringen. Und wir denken, dass das innerhalb von maximal 60 bis 90 Sekunden passieren muss, damit Klarheit besteht."

Sollte diese Linie konsequent umgesetzt werden, könnte sich die Wahrnehmung des Video-Assistenten im deutschen Profifußball deutlich verändern. Weniger mikroskopische Suche, schnellere Entscheidungen und mehr Vertrauen in die Schiedsrichter auf dem Rasen wären genau jene Punkte, die viele Fans seit Jahren verlangen.

Der entscheidende Test findet allerdings nicht im Video-Assist-Center statt, sondern in den Stadien der Bundesliga: Erst wenn ähnliche Situationen tatsächlich nach nachvollziehbaren und einheitlichen Kriterien bewertet werden, wird sich zeigen, ob aus der angekündigten VAR-Kurskorrektur auch eine echte Reform wird.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Der VAR muss Fehler korrigieren, nicht Fußball sezieren

Knut Kircher trifft den Kern des Problems. Der Video-Assistent wurde eingeführt, um klare Fehlentscheidungen zu verhindern – nicht, um Fußballspiele in eine kriminaltechnische Bildanalyse zu verwandeln.

Wenn acht Perspektiven, extreme Zeitlupe und minutenlange Diskussionen benötigt werden, um einen vermeintlichen Fehler zu entdecken, ist dieser Fehler offensichtlich nicht eindeutig. Genau an diesem Punkt hat der VAR in Deutschland zu oft das Gespür für seine eigentliche Aufgabe verloren.

Die angekündigten 60 bis 90 Sekunden können deshalb ein wichtiger Richtwert sein. Noch wichtiger ist allerdings eine konsequente Philosophie in Köln und in den Bundesliga-Stadien: Der Schiedsrichter entscheidet – der VAR greift nur ein, wenn der Fehler wirklich sofort erkennbar ist.

Gelingt das, könnte Deutschland dem Fußball tatsächlich etwas zurückgeben, das durch endlose Videoprüfungen verloren gegangen ist: den unmittelbaren Moment. Scheitert die Umsetzung an uneinheitlichen Entscheidungen, wird die VAR-Debatte spätestens nach den ersten Bundesliga-Spieltagen wieder mit voller Wucht zurückkehren.

Historischer Hintergrund

Der Video-Assistent wurde in der Bundesliga zur Saison 2017/18 regulär eingeführt. Die Video-Assistenten arbeiten bei Bundesliga-Partien aus dem Video-Assist-Center in Köln und sollen die Schiedsrichter auf dem Spielfeld bei bestimmten spielentscheidenden Situationen unterstützen.

Grundsätzlich soll der VAR nicht jede Entscheidung neu bewerten. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Tore, mögliche Strafstöße, direkte Rote Karten und Spielerverwechslungen.

Seit seiner Einführung wird das System kontrovers diskutiert. Befürworter verweisen darauf, dass gravierende Fehlentscheidungen mithilfe der Videobilder korrigiert werden können. Kritiker bemängeln lange Unterbrechungen, komplizierte Abgrenzungsfragen und den Verlust spontaner Emotionen nach Toren.

Gerade in den Fußballstadien von Dortmund, München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, Köln und anderen deutschen Städten besitzt die VAR-Debatte deshalb eine besondere Bedeutung: Der Videobeweis verändert nicht nur Schiedsrichterentscheidungen, sondern unmittelbar das Stadionerlebnis.

Zukunftsprognose

Die neue Linie könnte den Video-Assistenten stärker auf seine ursprüngliche Funktion zurückführen. Werden nur unmittelbar erkennbare Fehler korrigiert, dürften weniger Szenen minutenlang analysiert werden.

Für die Bundesliga könnte das kürzere Unterbrechungen und spontanere Emotionen bedeuten. Gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf Schiedsrichter und Video-Assistenten, den Begriff "Immediately clear and obvious" einheitlich auszulegen.

Der entscheidende Konflikt bleibt bestehen: Fans wollen möglichst gerechte Entscheidungen – gleichzeitig soll der Fußball schnell, emotional und spontan bleiben.

Die kommende Saison wird zeigen, ob der DFB diesen schwierigen Spagat besser bewältigen kann.


Gewinnspiel

Frage: Wie lange sollte nach Kirchhers Vorstellung maximal benötigt werden, damit bei einer VAR-Prüfung Klarheit besteht?

A) 20 bis 30 Sekunden

B) 30 bis 45 Sekunden

C) 60 bis 90 Sekunden 

D) Drei bis vier Minuten

Gewinnspiel:
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OZD-Analyse

1. Hauptpunkt – Der VAR soll wieder zum Korrektiv werden

Der Video-Assistent soll nach Kirchhers Vorstellungen nicht minutenlang nach Argumenten gegen die Entscheidung des Feldschiedsrichters suchen. Nur unmittelbar erkennbare Fehler sollen einen Eingriff auslösen.

2. Hauptpunkt – Die neue VAR-Philosophie

a) Die ersten ein oder zwei Kameraeinstellungen sollen bereits erkennen lassen, ob ein klarer Fehler vorliegt.

b) Weitere Perspektiven können zur Absicherung dienen, sollen aber nicht zur mikroskopischen Fehlersuche führen.

c) Nach spätestens 60 bis 90 Sekunden soll grundsätzlich Klarheit bestehen.

3. Hauptpunkt – Folgen für die Bundesliga

Wird die Linie konsequent umgesetzt, könnten Spielunterbrechungen kürzer und Entscheidungen nachvollziehbarer werden. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Situationen steigen, in denen trotz diskutabler Bilder die ursprüngliche Entscheidung des Schiedsrichters bestehen bleibt.


Erklärungen

Wer ist Knut Kircher?

Knut Kircher ist ein ehemaliger deutscher Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter. Der aus Baden-Württemberg stammende frühere Unparteiische ist Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH und damit eine zentrale Figur bei der strategischen Ausrichtung des deutschen Profischiedsrichterwesens.

Was ist der VAR?

VAR steht für „Video Assistant Referee“, auf Deutsch Video-Assistent. Er unterstützt den Schiedsrichter bei bestimmten spielentscheidenden Situationen mithilfe verschiedener Kamerabilder.

Der Video-Assistent sitzt bei Bundesliga-Partien nicht im Stadion, sondern arbeitet aus dem zentralen Video-Assist-Center in Köln. Die endgültige Entscheidung auf dem Spielfeld trifft grundsätzlich der Schiedsrichter.

Was bedeutet „Immediately clear and obvious“?

Die Formulierung beschreibt Kirchhers gewünschte Eingriffsschwelle. Ein Fehler soll nicht erst nach zahlreichen Wiederholungen und Perspektiven sichtbar werden, sondern unmittelbar klar und offensichtlich sein.

Das Ziel: weniger Videomikroskopie und mehr Akzeptanz der ursprünglichen Schiedsrichterentscheidung.

OZD-Extras

Die große Herausforderung des VAR ist ein scheinbarer Widerspruch: Je genauer technische Hilfsmittel werden, desto größer kann der Wunsch entstehen, jede strittige Szene bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Fußballregeln enthalten jedoch weiterhin Ermessensentscheidungen, die sich nicht vollständig technisch objektivieren lassen.

Auswirkungen auf Fußball und Geschäft

Direkte Auswirkungen auf die Börsen sind durch Kirchhers Aussagen nicht zu erwarten. Für die Bundesliga besitzt die VAR-Qualität dennoch wirtschaftliche Bedeutung. Lange Unterbrechungen und schwer nachvollziehbare Entscheidungen beeinflussen das Zuschauererlebnis im Stadion und vor den Fernsehgeräten – und damit langfristig auch die Attraktivität des Produkts Bundesliga für Fans, Medienpartner und Sponsoren.


Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.