Fakten im Überblick
Reinhard Grindel zweifelt an einer erneuten Kandidatur Gianni Infantinos.
Die nächste FIFA-Präsidentenwahl soll im März 2027 stattfinden.
Grindel fordert neben einem neuen Präsidenten auch einen neuen Generalsekretär.
Den Schulterschluss der FIFA-Spitze in Rabat bezeichnet Grindel als "albern".
Ein möglicher Gegenkandidat müsse Rückhalt in mindestens drei Kontinentalverbänden gewinnen.
Die Machtfrage beim Fußball-Weltverband FIFA spitzt sich weiter zu. Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel hält es inzwischen sogar für möglich, dass Gianni Infantino bei der nächsten Präsidentenwahl im März 2027 überhaupt nicht mehr antritt. Nach den schweren Verwerfungen innerhalb des Weltfußballs sieht Grindel das Vertrauen zwischen dem Schweizer und wichtigen Kontinentalverbänden massiv beschädigt.
Er könne sich bei den Neuwahlen "nicht vorstellen, dass Gianni Infantino ohne Gegenkandidaten bleibt", sagte Grindel dem Nachrichtenportal t-online. Dann ging der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes noch einen entscheidenden Schritt weiter: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er überhaupt bei der nächsten Wahl antritt."
Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, könnte eine Ära enden, die 2016 begann. Infantino hatte damals nach der tiefen FIFA-Krise rund um seinen Vorgänger Sepp Blatter die Führung des Weltverbandes übernommen. Mehr als ein Jahrzehnt später könnte nun ausgerechnet die Frage nach Macht, Geld und Kontrolle innerhalb der FIFA seine Zukunft bestimmen.
Für Grindel wäre allerdings ein bloßer Austausch des Präsidenten nicht ausreichend. Die Strukturen müssten umfassender verändert werden. "Um für eine Machtbegrenzung in der FIFA zu sorgen, braucht es auch einen neuen Generalsekretär", sagte der 64-Jährige.
Damit richtet sich der Blick auch auf den schwedischen FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström, der als eng mit Infantino verbunden gilt.
Grindels Vorstellung geht deutlich weiter als ein einfacher Personalwechsel: "Die Kontinentalverbände sollten daran arbeiten, dass durch ein neues Führungsduo mehrere Kontinente vertreten werden und beide das feste Ziel haben, die FIFA in eine bessere Zukunft zu führen. Damit würde der Reformprozess im Verband dann auf mehrere Schultern verteilt."
Besonders scharf attackierte Grindel die jüngste Demonstration der Geschlossenheit innerhalb der FIFA-Führung nach einem Treffen in Rabat in Marokko. Diesen internen Schulterschluss bezeichnete er als "albern".
"Es war wieder ein typischer Schachzug von Infantino", sagte Grindel. "Er bauscht eine Mitarbeitersitzung zur Krisensitzung auf, die völlig ohne sportpolitische Bedeutung ist. Jetzt tut er so, als habe er den Rückhalt in der FIFA, weil ein paar von ihm handverlesene Leute doch keine Revolution machen."
Nach Ansicht Grindels entscheidet sich Infantinos Zukunft deshalb nicht an der Loyalität der FIFA-Verwaltung, sondern auf der Ebene der tatsächlichen Machtzentren des internationalen Fußballs. Von besonderer Bedeutung sei die Reaktion des FIFA-Councils, dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf angehört.
Grindel zeichnet das Bild eines Präsidenten, dessen politische Basis unter den großen Kontinentalverbänden schwer beschädigt ist. Es sei "definitiv" so, "dass das Vertrauensverhältnis zwischen Infantino und den großen Kontinentalverbänden derart gelitten hat, dass man sich nicht vorstellen kann, wie eine Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll".
Damit rückt die entscheidende Frage immer stärker in den Mittelpunkt: Wer könnte Infantino herausfordern?
Nach Grindels Einschätzung reicht dafür ein Kandidat mit Unterstützung aus Europa allein nicht aus. Gesucht werde vielmehr ein international anschlussfähiger Herausforderer. Es müsse "ein in mindestens drei Kontinentalverbänden überzeugender" Gegenkandidat gefunden werden.
Dieser Kandidat müsse zugleich eine der empfindlichsten Fragen innerhalb der FIFA beantworten: Was geschieht mit den finanziellen Leistungen für die nationalen Mitgliedsverbände, wenn sie sich gegen den amtierenden Präsidenten stellen?
Der Herausforderer müsse "den nationalen Verbänden die Furcht davor nehmen, dass sie die finanzielle Unterstützung seitens der FIFA verlieren", sagte Grindel.
Genau hier liegt der Kern der kommenden Machtprobe. Die FIFA besteht aus 211 nationalen Mitgliedsverbänden. Bei einer Präsidentenwahl besitzt deshalb nicht allein Europa entscheidendes Gewicht. Wer die Organisation übernehmen will, muss Mehrheiten über Kontinente hinweg organisieren – von UEFA und CAF über AFC und Concacaf bis zu CONMEBOL und OFC.
Aus der aktuellen Krise könnte deshalb ein globaler Wahlkampf um die Zukunft des mächtigsten Fußballverbandes der Welt entstehen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Infantinos gefährlichster Gegner ist nicht ein Kandidat, sondern verlorenes Vertrauen
Noch gibt es keinen neuen FIFA-Präsidenten. Noch gibt es möglicherweise nicht einmal einen Kandidaten, der Gianni Infantino ernsthaft herausfordern könnte. Trotzdem hat Reinhard Grindel einen entscheidenden Punkt getroffen: Die nächste FIFA-Wahl könnte vollkommen anders verlaufen als die vergangenen Abstimmungen.
Das Problem Infantinos sitzt tiefer als eine einzelne Affäre. Ein FIFA-Präsident kann Kritik überstehen. Er kann schlechte Presse überstehen. Er kann sogar den Widerstand einzelner Verbände überstehen. Was er kaum dauerhaft überstehen kann, ist der Verlust des Vertrauens mehrerer kontinentaler Machtblöcke gleichzeitig.
Grindels Vorschlag eines neuen Präsidenten und eines neuen Generalsekretärs aus unterschiedlichen Weltregionen wäre deshalb mehr als Symbolpolitik. Er würde das bisher stark auf die Spitze konzentrierte Machtgefüge neu austarieren.
Doch der entscheidende Kampf wird nicht in Zürich, Frankfurt oder Nyon allein gewonnen. Er wird auch in Afrika, Asien, Nord- und Mittelamerika, Südamerika und Ozeanien entschieden. Dort muss ein Gegenkandidat beweisen, dass ein Machtwechsel nicht bedeutet, dass finanzielle Unterstützung versiegt.
Unsere Prognose: Findet sich tatsächlich ein international respektierter Kandidat, der mindestens drei Kontinentalverbände hinter sich bringen kann, könnte die FIFA-Wahl 2027 zur gefährlichsten Abstimmung in Infantinos bisheriger Karriere werden.
Historischer Hintergrund
Gianni Infantino wurde 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt. Der Schweizer übernahm den Weltverband in Zürich nach einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Die Ära von Sepp Blatter war durch internationale Korruptionsermittlungen und einen massiven Vertrauensverlust überschattet worden.
Infantino präsentierte sich zunächst als Reformer. In den folgenden Jahren wurden Wettbewerbe erweitert, Einnahmen gesteigert und umfangreiche Förderprogramme für die 211 Mitgliedsverbände ausgebaut.
Genau diese weltweite Finanzarchitektur besitzt enorme politische Bedeutung. Anders als bei nationalen Wahlen entscheidet über den FIFA-Präsidenten nicht die Größe eines Landes oder die Zahl seiner Fußballfans. Die nationalen Verbände bilden die politische Grundlage der Organisation.
Europa besitzt mit der UEFA zwar enorme wirtschaftliche Macht. Für einen globalen Führungswechsel sind jedoch zusätzliche Bündnisse mit Verbänden aus Afrika, Asien, Nord- und Mittelamerika, Südamerika oder Ozeanien entscheidend.
Reinhard Grindel kennt diese Strukturen aus eigener Erfahrung. Der CDU-Politiker und frühere Bundestagsabgeordnete führte den Deutschen Fußball-Bund von 2016 bis 2019 und war damit selbst Teil der internationalen Fußballpolitik.
Zukunftsprognose
Die entscheidenden Monate dürften nun von Gesprächen zwischen den Kontinentalverbänden geprägt werden. Sollte Infantino erneut kandidieren, wird entscheidend sein, ob sich ein glaubwürdiger Gegenkandidat formiert.
Europa allein dürfte für einen Machtwechsel nicht genügen. Ein Herausforderer müsste insbesondere in Afrika und Asien Unterstützung gewinnen und gleichzeitig kleineren Verbänden glaubhaft garantieren, dass FIFA-Förderprogramme nicht von politischer Loyalität abhängig gemacht werden.
Sollte Infantino dagegen auf eine Kandidatur verzichten, könnte ein offener Nachfolgekampf entstehen. Dann wäre auch die Frage des Generalsekretärs zentral.
Ein Führungsduo aus unterschiedlichen Kontinenten könnte zum politischen Kompromiss werden und den Anspruch verkörpern, die Macht innerhalb des Weltverbandes breiter zu verteilen.
Für Sponsoren, Medienpartner und nationale Verbände wäre eine längere Führungskrise allerdings problematisch. Die FIFA lebt wirtschaftlich nicht nur von Fußballturnieren, sondern auch von Vertrauen in ihre Fähigkeit, milliardenschwere Wettbewerbe weltweit zu organisieren und zu vermarkten.
Gewinnspiel
Frage: Wann soll nach den vorliegenden Angaben die nächste FIFA-Präsidentenwahl stattfinden?
A) Januar 2027
B) Februar 2027
C) März 2027
D) Dezember 2027
Gewinnspiel:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Analyse
1. Hauptpunkt – Infantinos Machtbasis wird zur entscheidenden Frage
Nicht die Unterstützung einzelner Mitarbeiter entscheidet über die politische Zukunft des FIFA-Präsidenten, sondern seine Rückendeckung innerhalb der internationalen Verbandsstrukturen und letztlich bei den Mitgliedsverbänden.
2. Hauptpunkt – So könnte ein Machtwechsel entstehen
a) Ein Gegenkandidat müsste nach Grindels Einschätzung mindestens drei Kontinentalverbände überzeugen.
b) Er müsste kleineren nationalen Verbänden glaubwürdig zusichern, dass FIFA-Fördermittel auch nach einem Machtwechsel verlässlich bleiben.
c) Ein neues Führungsduo aus Präsident und Generalsekretär könnte mehrere Weltregionen repräsentieren und die Macht stärker verteilen.
3. Hauptpunkt – Folgen
Entsteht ein breites Bündnis gegen Infantino, könnte die FIFA vor ihrem größten Führungswechsel seit 2016 stehen. Bleibt die Opposition dagegen regional zersplittert, könnte der Amtsinhaber trotz erheblicher Kritik weiterhin über eine ausreichende globale Machtbasis verfügen.
Erklärungen
Wer ist Reinhard Grindel?
Reinhard Grindel ist ein deutscher Politiker und ehemaliger Fußballfunktionär. Von 2016 bis 2019 war er Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
In dieser Funktion gehörte Grindel zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Fußballs auf internationaler Ebene und sammelte Erfahrungen mit den politischen Strukturen von UEFA und FIFA.
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist ein Schweizer Fußballfunktionär und seit 2016 Präsident des Weltfußballverbandes FIFA mit Sitz in Zürich.
Vor seinem Wechsel an die FIFA-Spitze war Infantino Generalsekretär der UEFA. Als FIFA-Präsident steht er an der Spitze einer Organisation mit 211 nationalen Mitgliedsverbänden und enormem Einfluss auf Weltmeisterschaften, internationale Fußballpolitik und milliardenschwere Vermarktungsrechte.
Wer ist Mattias Grafström?
Mattias Grafström ist ein schwedischer Fußballfunktionär und Generalsekretär der FIFA. Der Generalsekretär gehört zur operativen Führungsspitze des Weltverbandes und spielt bei der Umsetzung strategischer und administrativer Entscheidungen eine zentrale Rolle.
Was ist das FIFA-Council?
Das FIFA-Council ist eines der wichtigsten Führungsgremien des Weltfußballverbandes. Es bestimmt zentrale strategische Fragen zwischen den Kongressen und setzt sich aus Vertretern verschiedener Kontinentalverbände zusammen.
Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf gehört dem FIFA-Council an. Damit besitzt Deutschland einen direkten Vertreter in einem der entscheidenden Machtzentren des internationalen Fußballs.
OZD-Extras
Der vielleicht wichtigste Faktor einer FIFA-Präsidentenwahl ist die globale Stimmenarithmetik. Ein Kandidat kann in den großen europäischen Fußballnationen enorme Unterstützung besitzen und trotzdem verlieren, wenn es ihm nicht gelingt, Mehrheiten unter den zahlreichen Verbänden anderer Kontinente aufzubauen.
Genau deshalb sind FIFA-Förderprogramme politisch so sensibel. Für kleinere und finanziell schwächere Verbände können Zahlungen aus Zürich erhebliche Bedeutung für Trainingszentren, Nachwuchsarbeit, Infrastruktur und nationale Wettbewerbe besitzen.
Auswirkungen auf Wirtschaft und Sponsoren
Die FIFA selbst ist nicht börsennotiert. Eine länger anhaltende Führungskrise könnte dennoch wirtschaftliche Folgen haben.
Globale Sponsoren, Medienkonzerne und Vermarktungspartner benötigen langfristige Planungssicherheit. Sollten sich politische Konflikte innerhalb des Weltverbandes verschärfen, könnten Vertragsverhandlungen und kommerzielle Projekte schwieriger werden.
Für börsennotierte Sportartikelhersteller, Medienunternehmen oder FIFA-Partner wären unmittelbare Kursbewegungen allein wegen Grindels Aussagen allerdings nicht zu erwarten. Relevanter würde die Lage erst, wenn Sponsorenverträge, Medienrechte oder große Turnierprojekte konkret betroffen wären.
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.