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Offener Angriff auf den FIFA-Chef: Europas Verbände wollen Gegenkandidaten zu Infantino aufstellen

Die UEFA verzichtet vorerst auf einen Boykott von FIFA-Wettbewerben – fordert aber indirekt den Rückzug von FIFA-Präsident Gianni Infantino und kündigt Widerstand an.

Fakten im Überblick

Die UEFA setzt ihre Boykottdrohung gegen FIFA-Wettbewerbe vorläufig aus.

Gianni Infantino soll bei einer erneuten Kandidatur 2027 einen Gegenkandidaten erhalten.

Europas Fußballverbände werfen dem FIFA-Präsidenten Machtmissbrauch und Vertrauensbruch vor.


Der Machtkampf zwischen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und der FIFA geht in die nächste Runde. Zwar verzichtet die UEFA nach der Aufgabe des umstrittenen Investorenplans des Weltverbandes vorerst auf einen Boykott kommender FIFA-Wettbewerbe. Gleichzeitig verschärft Europas Fußballführung jedoch den politischen Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino und stellt dessen Zukunft offen infrage.

Nach Beratungen der 55 UEFA-Mitgliedsverbände sowie des UEFA-Exekutivkomitees in Monaco erklärten die europäischen Fußballfunktionäre, dass sie bei einer erneuten Kandidatur Infantinos beim FIFA-Kongress im März 2027 einen ernsthaften Gegenkandidaten unterstützen werden.

Die Erklärung lässt an Deutlichkeit kaum Wünsche offen. Sollte sich Infantino erneut zur Wahl stellen, werde die UEFA "sicherstellen, dass den Mitgliedsverbänden eine glaubwürdige Alternative angeboten wird".

Auslöser der Auseinandersetzung war Infantinos inzwischen aufgegebener Plan, Beteiligungen an FIFA-Wettbewerben an private Investoren, darunter nach Medienberichten auch Geldgeber aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump, zu verkaufen. Nach massiver Kritik bestätigte die FIFA der UEFA nun schriftlich, dass ein vergleichbares Modell künftig nicht mehr verfolgt werde.

Damit entfällt vorerst der angekündigte Boykott europäischer Mannschaften bei FIFA-Turnieren. Bereits die U20-Weltmeisterschaft der Frauen, die Anfang September beginnt, wird damit wie geplant unter Beteiligung der europäischen Verbände stattfinden.

Die UEFA macht jedoch deutlich, dass ihr Misstrauen gegenüber der FIFA-Führung bestehen bleibt. In ihrer Erklärung heißt es, der Rückzug des Investorenplans mache "weder die Täuschung, Einschüchterung und den Machtmissbrauch" vergessen. Ebenso wenig stelle dies "das verlorengegangene Vertrauen wieder her."

Nach UEFA-Angaben wird zudem weiterhin eine Strafanzeige gegen Infantino wegen des Verdachts der "kriminellen Misswirtschaft" vorbereitet. Ziel sei es, grundlegende Reformen innerhalb der FIFA durchzusetzen und die Macht des Präsidenten künftig wieder stärker zu begrenzen.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin erhielt von den europäischen Verbänden den einstimmigen Auftrag, "alle verfügbaren institutionellen, politischen und rechtlichen Möglichkeiten" auszuschöpfen. Die FIFA müsse wieder als unabhängige Institution geführt werden und dürfe sich nicht auf die Macht einer einzelnen Person konzentrieren.

Mit der Entscheidung endet zwar die unmittelbare Boykottdrohung. Der grundlegende Konflikt zwischen Europas Fußballverbänden und der FIFA-Führung dürfte jedoch noch lange nicht beendet sein.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Der größte Machtkampf im Weltfußball hat erst begonnen

Der Verzicht auf einen Boykott ist kein Zeichen der Versöhnung. Im Gegenteil: Die UEFA hat Gianni Infantino öffentlich das Vertrauen entzogen. Wenn Europas Fußballverbände geschlossen einen Gegenkandidaten aufbauen, könnte erstmals seit Jahren die Macht im Weltfußball ernsthaft neu verteilt werden. Die kommenden Monate dürften deshalb weniger auf dem Spielfeld als in den Vorstandsetagen entschieden werden. Es geht um Milliarden, Einfluss und die Kontrolle über den internationalen Fußball.

Historischer Hintergrund

Die FIFA und die UEFA geraten seit Jahren immer wieder über Reformen, Turnierpläne und wirtschaftliche Interessen aneinander. Bereits unter früheren FIFA-Präsidenten kam es zu Machtkämpfen zwischen Zürich und den europäischen Spitzenverbänden. Der inzwischen aufgegebene Investorenplan verschärfte die Spannungen zusätzlich, weil viele Verbände eine zunehmende Kommerzialisierung und Machtkonzentration innerhalb der FIFA befürchteten.

Zukunftsprognose

Bis zum FIFA-Kongress 2027 dürfte sich der politische Konflikt weiter zuspitzen. Gelingt es der UEFA, einen international akzeptierten Gegenkandidaten aufzubauen, könnte es zur spannendsten FIFA-Präsidentenwahl seit vielen Jahren kommen. Misslingt dies, dürfte Infantino trotz der massiven Kritik erneut im Amt bestätigt werden. Unabhängig vom Wahlausgang wächst der Druck auf die FIFA, ihre Führungsstrukturen transparenter und kontrollierbarer zu gestalten.

Erklärungen

Wer ist Gianni Infantino?

Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA. Der Schweizer Jurist war zuvor Generalsekretär der UEFA und verantwortet heute die weltweiten FIFA-Wettbewerbe sowie die strategische Ausrichtung des Weltverbandes.

Was ist die UEFA?

Die UEFA ist der europäische Fußballverband mit Sitz in Nyon in der Schweiz. Ihr gehören 55 nationale Fußballverbände an. Sie organisiert unter anderem die Champions League, die Europa League und die Europameisterschaften.

OZD-Extras

Noch nie seit Infantinos Amtsantritt haben sich die europäischen Verbände derart geschlossen gegen den FIFA-Präsidenten positioniert. Die Präsidentenwahl 2027 könnte zu einer der wichtigsten Personalentscheidungen der modernen Fußballgeschichte werden.

Für die Börsen ergeben sich keine direkten Auswirkungen. Sponsoren, Medienunternehmen und Vermarktungspartner beobachten den Machtkampf jedoch genau, da Veränderungen in der FIFA-Führung langfristig Einfluss auf Vermarktungsrechte und internationale Turnierstrukturen haben könnten.

Gewinnspiel

Wann findet die nächste reguläre Wahl des FIFA-Präsidenten statt?

A) 2026

B) 2027

C) 2028

D) 2030

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.