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Infantino immer stärker unter Druck: Ex-FIFA-Richter fordert Offenlegung geheimer Vorverträge

Nach der Rückendeckung für Gianni Infantino fordert Ex-FIFA-Ethikrichter Hans-Joachim Eckert die Offenlegung möglicher Vorverträge mit Investoren.

Fakten im Überblick

Hans-Joachim Eckert fordert eine umfassende Aufarbeitung der FIFA-Investorenpläne.

Im Mittelpunkt stehen mögliche Vorverträge mit privaten Investoren.

Eckert verlangt die vollständige Offenlegung relevanter Vereinbarungen.

Ein nachgewiesener Alleingang Infantinos wäre für ihn ein „massiver Vertrauensbruch“.

Die FIFA-Spitze hatte Infantino nach einem Krisentreffen in Marokko Rückendeckung gegeben.


Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino in der Affäre um seine umstrittenen Investorenpläne hält trotz der demonstrativen Rückendeckung der Verbandsspitze an. Hans-Joachim Eckert, ehemaliger Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, fordert eine umfassende und transparente Untersuchung möglicher Vorverträge mit Investoren. Für den erfahrenen Juristen könnte entscheidend sein, wie weit die Pläne bereits rechtlich vorangetrieben worden waren.

Eckert äußerte zugleich den Verdacht, dass die FIFA mit ihrer jüngsten Erklärung versuchen könnte, Verantwortung innerhalb der Organisation zu verteilen, ohne Infantino persönlich zu belasten.

In der Stellungnahme nach dem Treffen der FIFA-Führung in Marokko war eingeräumt worden, dass im Zusammenhang mit dem Investorenprojekt "Fehler" gemacht worden seien. Genau diese Formulierung macht Eckert misstrauisch.

"Es wurden Fehler begangen. Es wurden Fehler begangen, heißt für mich als Jurist: Da wollen wir mal schauen, ob man nicht irgendjemanden bei der FIFA findet, der da Fehler begangen hat, aber nicht Infantino", sagte der 78-Jährige bei RTL/Sky.

Der frühere FIFA-Ethikrichter sieht vor allem Klärungsbedarf bei der Frage, wie eigenständig Infantino das Investorenmodell entwickelt und vorangetrieben hat. "Bisher stellt es sich so dar, als wäre es ein Alleingang gewesen. Als hätte Herr Infantino vielleicht in Absprache auch mit dem Umfeld von Herrn Trump diese Idee der noch besseren Vermarktung der FIFA entwickelt. Ich habe gelesen, es habe Vorverträge gegeben. Vorverträge führen zu rechtlichen Bindungen."

Gerade dieser Punkt könnte für den FIFA-Präsidenten entscheidend werden. Denn zwischen einer unverbindlichen Absichtserklärung und einem rechtlich weit fortgeschrittenen Vorvertrag liegen erhebliche Unterschiede.

"Es kommt darauf an, was drinsteht. Ist es eine Absichtserklärung oder ist es bereits ein Vorvertrag in der Form, dass man festlegt, wie das Ganze ablaufen soll? Wer, wann, wo und wie was zahlt? Welche Anteile tatsächlich verkauft werden? Dann ist das schon relativ weit gediehen. Und je weiter es rechtlich gediehen ist, desto schwieriger wird es für Infantino."

Damit rückt Eckert die Dokumente selbst in den Mittelpunkt der Affäre. Sollten tatsächlich rechtliche Verpflichtungen eingegangen worden sein, könnte sich die Frage stellen, welche finanziellen Konsequenzen aus dem inzwischen gestoppten Projekt entstehen und wer innerhalb der FIFA diese Verpflichtungen autorisiert hat.

"Wie sehr hat Infantino diese Übernahme von FIFA-Anteilen vorangetrieben? Zu welchen Bedingungen? Und hier wird man die Verträge brauchen. Hier gibt es überhaupt nichts anderes als völlige Transparenz. Und das erwarte ich auch von der FIFA als Kernmannschaft."

Sollte sich zweifelsfrei herausstellen, dass Infantino zentrale Schritte ohne ausreichende Einbindung der zuständigen FIFA-Strukturen vorgenommen hat, wäre dies nach Eckerts Einschätzung "ein massiver Vertrauensbruch".

Eckert kennt die internen Machtstrukturen des Weltverbandes aus eigener Erfahrung. Von 2012 bis 2017 leitete er die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission. Während Infantinos Amtszeit an der Spitze des Weltverbandes endete Eckerts Tätigkeit in diesem Gremium.

Besonders brisant ist seine Einschätzung, warum Teile der internationalen Fußballverbände Infantino trotz der Kontroverse weiterhin unterstützen. Dass bestimmte Verbände am 56-jährigen Schweizer festhielten, liege "am Geld, ganz einfach", sagte Eckert.

Damit geht der Streit längst über einen gescheiterten Investorenplan hinaus. Im Zentrum stehen inzwischen fundamentale Fragen der FIFA-Governance: Wer durfte verhandeln? Welche Vereinbarungen wurden getroffen? Wer wusste davon? Welche rechtlichen Verpflichtungen könnten entstanden sein? Und wie viel Macht darf ein FIFA-Präsident bei Entscheidungen besitzen, die wirtschaftlich den gesamten Weltfußball betreffen?

Solange mögliche Vorverträge nicht öffentlich aufgearbeitet sind, dürfte die Affäre Gianni Infantino weiter verfolgen.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Jetzt müssen die Verträge auf den Tisch

Die FIFA kann diese Affäre nicht mit einer Entschuldigung und einigen sorgfältig formulierten Sätzen beenden. Wenn tatsächlich Vorverträge existieren, müssen deren Inhalt, rechtlicher Status und Entstehungsprozess unabhängig untersucht werden.

Es geht um weit mehr als Gianni Infantinos persönliche Zukunft. Die FIFA verwaltet die kommerziellen Rechte an Wettbewerben, die Milliarden Menschen verfolgen und enorme Umsätze generieren. Wer Beteiligungen an kommerziellen Strukturen dieses Weltverbandes verhandelt, hantiert nicht mit einem privaten Unternehmen.

Besonders problematisch wäre ein Szenario, in dem weitreichende Verpflichtungen eingegangen wurden, bevor die Mitgliedsverbände umfassend informiert und beteiligt waren. Dann wäre aus einem Kommunikationsfehler ein Governance-Problem geworden.

Die demonstrative Rückendeckung aus der FIFA-Spitze beseitigt diese Fragen nicht. Sie macht transparente Antworten sogar wichtiger. Unsere Prognose: Wenn belastbare Vorverträge auftauchen und diese ohne ausreichende institutionelle Zustimmung geschlossen wurden, wird der Druck auf Infantino massiv steigen.

Historischer Hintergrund

Die FIFA mit Sitz in Zürich in der Schweiz gehört zu den mächtigsten Sportorganisationen der Welt. Ihre 211 Mitgliedsverbände repräsentieren den internationalen Fußball von Europa und Afrika über Asien bis Nord- und Südamerika.

Der Weltverband wurde in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt von Governance- und Korruptionsaffären erschüttert. Besonders die Krise von 2015 führte zu strafrechtlichen Ermittlungen in mehreren Ländern und einem grundlegenden Machtwechsel an der Verbandsspitze.

Gianni Infantino übernahm 2016 das Präsidentenamt. Er folgte auf die Ära von Sepp Blatter und trat mit dem Anspruch an, Vertrauen in die Organisation zurückzugewinnen.

Hans-Joachim Eckert leitete von 2012 bis 2017 die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission. Das Gremium war für Entscheidungen in ethischen Verfahren gegen Funktionäre zuständig. Seine Tätigkeit endete während Infantinos Präsidentschaft.

Die aktuelle Investoren-Affäre berührt deshalb einen besonders empfindlichen Punkt der FIFA-Geschichte: die Frage, ob wirtschaftliche Entscheidungen transparent, institutionell kontrolliert und im Interesse der gesamten Mitgliedschaft getroffen werden.

Zukunftsprognose

Die weitere Entwicklung hängt wesentlich davon ab, ob tatsächlich Vorverträge oder vergleichbar verbindliche Dokumente existieren.

Handelt es sich lediglich um unverbindliche Absichtserklärungen, könnte die FIFA die Krise möglicherweise politisch eindämmen. Enthalten Dokumente dagegen konkrete Kaufpreise, Beteiligungsquoten, Zahlungsmodalitäten oder verbindliche Verpflichtungen, könnte die Lage erheblich ernster werden.

Dann wären mögliche finanzielle Forderungen von Investoren ebenso zu prüfen wie interne Zuständigkeiten und Genehmigungen.

Für Zürich und die internationalen Mitgliedsverbände entsteht dadurch wachsender Transparenzdruck. Auch UEFA und andere Kontinentalverbände dürften genau verfolgen, welche Informationen über die Entscheidungsprozesse bekannt werden.

Wirtschaftlich könnte eine anhaltende Führungskrise zudem Sponsoren, Medienpartner und potenzielle Investoren verunsichern. Für eine Organisation, deren Geschäftsmodell wesentlich auf der globalen Vermarktung ihrer Wettbewerbe beruht, wäre ein nachhaltiger Vertrauensverlust ein erhebliches Risiko.


OZD-Analyse

1. Hauptpunkt – Die Vorverträge sind der Schlüssel

Entscheidend ist nicht allein, dass Gespräche mit Investoren geführt wurden. Relevant ist, ob daraus bereits rechtlich bindende Verpflichtungen entstanden sind.

2. Hauptpunkt – Drei zentrale Fragen

a) Welche Dokumente wurden mit potenziellen Investoren unterzeichnet und welchen rechtlichen Status besitzen sie?

b) Wer innerhalb der FIFA genehmigte die Verhandlungen und mögliche Vereinbarungen?

c) Welche finanziellen Verpflichtungen könnten durch den Abbruch des Investorenprojekts entstanden sein?

3. Hauptpunkt – Folgen

Sollten verbindliche Vereinbarungen ohne ausreichende Zustimmung der zuständigen FIFA-Gremien geschlossen worden sein, könnte aus der Investoren-Affäre eine schwere Governance-Krise werden. Neben Infantinos politischer Verantwortung wären dann möglicherweise auch finanzielle und rechtliche Konsequenzen zu klären.


Erklärungen

Wer ist Hans-Joachim Eckert?

Hans-Joachim Eckert ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission. Von 2012 bis 2017 gehörte er damit zu den zentralen Verantwortlichen für ethische Verfahren innerhalb des Fußball-Weltverbandes.

Seine Einschätzung besitzt besonderes Gewicht, weil er die internen Kontroll- und Entscheidungsmechanismen der FIFA aus eigener Tätigkeit kennt.

Wer ist Gianni Infantino?

Gianni Infantino ist ein Schweizer Fußballfunktionär und seit 2016 Präsident der FIFA. Zuvor arbeitete er viele Jahre für die UEFA.

Als FIFA-Präsident steht er an der Spitze eines Weltverbandes mit 211 Mitgliedsverbänden und erheblicher wirtschaftlicher Macht. Unter seiner Führung wurden Wettbewerbe ausgeweitet und neue kommerzielle Projekte entwickelt.

Was ist die FIFA-Ethikkommission?

Die FIFA-Ethikkommission ist Teil der internen Kontrollarchitektur des Weltfußballverbandes. Sie beschäftigt sich mit möglichen Verstößen gegen ethische Regeln durch Fußballfunktionäre.

Die rechtsprechende Kammer entscheidet auf Grundlage entsprechender Untersuchungen über mögliche Sanktionen.

Was ist ein Vorvertrag?

Ein Vorvertrag kann Parteien verpflichten, später einen endgültigen Vertrag zu bestimmten Bedingungen abzuschließen. Seine rechtliche Bedeutung hängt stark vom konkreten Inhalt und der jeweiligen Rechtsordnung ab.

Deshalb ist Eckerts Forderung nach Offenlegung zentral: Erst anhand der Dokumente lässt sich beurteilen, ob lediglich unverbindliche Gespräche geführt oder bereits konkrete rechtliche Verpflichtungen eingegangen wurden.


OZD-Extras

Die wirtschaftliche Dimension der Affäre ist enorm. Die FIFA kontrolliert weltweit wertvolle Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte. Bereits der Eindruck, dass strategische Beteiligungen ohne ausreichende Kontrolle vorbereitet worden sein könnten, kann für Geschäftspartner relevant werden.

Auswirkungen auf die Börsen

Direkte Kursreaktionen auf eine FIFA-interne Krise sind begrenzt, weil der Weltverband selbst nicht börsennotiert ist. Indirekte Risiken bestehen jedoch für börsennotierte Sponsoren, Medienunternehmen und Sportvermarkter, wenn sich die Affäre deutlich ausweiten sollte.

Entscheidend wäre die Größenordnung: Eine kurzfristige Governance-Debatte dürfte kaum messbare Auswirkungen besitzen. Eine längerfristige Führungskrise mit rechtlichen Forderungen, Sponsorenkonflikten oder Veränderungen bei kommerziellen FIFA-Rechten könnte dagegen auch wirtschaftliche Partner beschäftigen.


Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.