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Javier Tebas leitet die spanische La Liga.
Er gehört seit Jahren zu den schärfsten FIFA-Kritikern.
Gianni Infantino steht seit 2016 an der Spitze der FIFA.
Mehr als 200 Verbände unterstützen laut Bericht seine Wiederwahl.
Tebas fordert grundlegende Reformen innerhalb des Weltverbandes.
Der Präsident der spanischen Fußballliga, Javier Tebas, hat mit einer außergewöhnlich scharfen Generalabrechnung gegen die FIFA und deren Präsidenten Gianni Infantino für internationales Aufsehen gesorgt. Im Interview mit der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport zeichnete der Chef von La Liga das Bild einer Weltfußballorganisation, die nach seiner Überzeugung zunehmend ihre eigentliche Aufgabe aus den Augen verliere und stattdessen vor allem eigene Machtinteressen verfolge.
Besonders deutlich wurde Tebas bei seiner Einschätzung der Führungsstruktur des Weltverbandes. Die Zeit des FIFA-Präsidenten sei "vorbei, er sollte nicht im Amt bleiben", sagte Tebas. Gleichzeitig machte er deutlich, dass ein personeller Wechsel allein seiner Ansicht nach nicht ausreichen würde. "Er hat die Unterstützung des Systems, der Verbände. Das ist das System, und es ist ein System, das bereits an der Wurzel krank ist."
Mit dieser Aussage richtet Tebas seine Kritik nicht nur gegen Gianni Infantino persönlich, sondern gegen die gesamte Machtstruktur innerhalb der FIFA. Nach seiner Darstellung fehle es vielen Funktionären an der Bereitschaft, Missstände öffentlich anzusprechen oder notwendige Reformen einzuleiten.
Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika habe er nach eigenen Angaben mit zahlreichen Kritikern des FIFA-Präsidenten gesprochen. Doch viele würden ihre Kritik ausschließlich hinter verschlossenen Türen äußern.
"Sie kritisieren das System bei einem Kaffee in der Bar oder am Telefon in privaten Gesprächen, aber anschließend tun sie nichts, um dem Ganzen ein Ende zu setzen", erklärte Tebas. Besonders scharf fiel sein Urteil über dieses Verhalten aus: "Ich weiß nicht, ob Schweigen oder Komplizenschaft schlimmer ist, denn wer schweigt, ist sich des Schadens, den der Fußball erleidet, bewusst."
Im Mittelpunkt seiner Kritik steht außerdem der sogenannte "Fall Balogun", den Tebas als besonders schwerwiegendes Beispiel für den Umgang der FIFA mit ihrer Macht bezeichnete.
"Eine Sache von äußerster Schwere", nannte der Ligapräsident den Vorgang. Dieser sei "der Beweis dafür, dass wir von einer Institution regiert werden, die macht und entscheidet, was sie will und wann sie will, und dabei ausschließlich ihren eigenen Interessen folgt. In vielen Fällen handelt sie dabei zum Schaden des Fußballs."
Nach Darstellung von Tebas hätte dieser Fall sogar weitreichende Konsequenzen für Infantino haben können. Er vertritt die Auffassung, dass der belgische Sieg im Achtelfinale gegen die USA nach der umstrittenen Begnadigung nach einem Anruf von Donald Trump entscheidend dazu beigetragen habe, eine größere Krise innerhalb der FIFA abzuwenden.
"Andernfalls hätte daraus ein Fall entstehen können, der Infantino den Posten hätte kosten können", sagte Tebas. "Weil Belgien gewonnen hat, konnten sie die Sache unter den Teppich kehren."
Für Tebas ist dies jedoch lediglich "die Spitze des Eisbergs". Seine Aussagen deuten darauf hin, dass er grundlegende strukturelle Defizite innerhalb des Weltverbandes sieht, die weit über einzelne Entscheidungen hinausgehen.
Trotz der massiven Kritik gilt eine Ablösung Infantinos derzeit als äußerst unwahrscheinlich. Vor der nächsten FIFA-Präsidentenwahl im kommenden Jahr unterzeichneten nach einem Bericht des Guardian mehr als 200 nationale Fußballverbände ein Unterstützungsschreiben für den Schweizer Funktionär.
"Es gibt keinen Gegenkandidaten, niemand will antreten, um zu verlieren", kritisierte Tebas und stellte damit die demokratische Kultur innerhalb des Weltverbandes grundsätzlich infrage.
OZD/SID
OZD-Kommentar – Der Weltfußball braucht endlich echte Kontrolle
Javier Tebas spricht aus, was seit Jahren immer wieder hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird. Ob seine Vorwürfe in jedem einzelnen Punkt zutreffen, müssen unabhängige Untersuchungen klären. Doch eines lässt sich kaum bestreiten: Die FIFA ist zu einem Machtzentrum geworden, dessen Entscheidungen regelmäßig heftige Diskussionen auslösen – von Weltmeisterschaften über Reformen bis hin zu Disziplinarverfahren.
Gerade weil der Weltverband Milliarden bewegt und den internationalen Fußball prägt, braucht er maximale Transparenz, nachvollziehbare Entscheidungsprozesse und wirksame Kontrollmechanismen. Wenn führende Funktionäre Missstände nur im vertraulichen Gespräch ansprechen, öffentlich jedoch schweigen, entsteht zwangsläufig der Eindruck eines Systems, das Kritik eher verwaltet als zulässt.
Sollte die FIFA nicht selbst umfassende Reformen einleiten, dürfte der Druck von Vereinen, Ligen, Fans und Sponsoren weiter wachsen. Der moderne Profifußball lebt von Vertrauen – und genau dieses Vertrauen steht zunehmend auf dem Spiel.
Historischer Hintergrund
Die FIFA mit Sitz in Zürich ist der größte Fußballverband der Welt und organisiert unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Verband wiederholt von Korruptionsaffären, Ermittlungen und Reformdebatten erschüttert. Nach dem Korruptionsskandal von 2015 übernahm Gianni Infantino die Präsidentschaft mit dem Versprechen größerer Transparenz. Dennoch begleiten Diskussionen über Machtstrukturen, Vergabeverfahren, politische Einflussnahme und Governance den Weltverband bis heute. Javier Tebas zählt seit Jahren zu den schärfsten Kritikern der FIFA und fordert regelmäßig tiefgreifende Reformen.
Zukunftsprognose
Kurzfristig dürfte Gianni Infantino seine starke Unterstützung innerhalb der FIFA behalten. Die breite Rückendeckung zahlreicher nationaler Verbände macht einen Führungswechsel derzeit unwahrscheinlich. Dennoch könnten die öffentlichen Angriffe von Javier Tebas die Debatte über Transparenz, demokratische Strukturen und die Machtverteilung im internationalen Fußball neu beleben. Sollten weitere Funktionäre ihre Kritik offen äußern, könnte der Reformdruck auf die FIFA in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Auch Sponsoren und Medienpartner dürften verstärkt auf glaubwürdige Governance-Strukturen achten.
Gewinnspiel
Frage: Präsident welcher Liga ist Javier Tebas?
A) Premier League
B) Bundesliga
C) La Liga
D) Serie A
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OZD-Analyse
Machtkampf im Weltfußball
– Tebas stellt die Führungsstruktur der FIFA und die Rolle ihres Präsidenten offen infrage.
Kritik am Verband
– a) Vorwürfe mangelnder Transparenz.
– b) Kritik an fehlender Reformbereitschaft.
– c) Schweigen vieler Funktionäre stärkt nach Tebas bestehende Machtstrukturen.
Folgen
– Die Debatte über Governance, demokratische Legitimation und Kontrolle der FIFA dürfte weiter an Intensität gewinnen und den internationalen Fußball langfristig prägen.
Erklärungen
Wer ist Javier Tebas?
Javier Tebas ist Präsident der spanischen Profiliga La Liga. Er gilt als einer der einflussreichsten Fußballfunktionäre Europas und äußert sich regelmäßig kritisch zu Entscheidungen der FIFA und anderer internationaler Verbände.
Was ist die FIFA?
Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) ist der Weltfußballverband mit Sitz in Zürich. Ihr gehören mehr als 200 nationale Mitgliedsverbände an. Sie organisiert unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaften und erlässt die internationalen Regularien des Weltfußballs.
OZD-Extras
Die Spannungen zwischen der FIFA und mehreren europäischen Ligen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Streitpunkte sind unter anderem der immer voller werdende internationale Spielkalender, neue Wettbewerbe sowie die Verteilung von Einnahmen und Einfluss innerhalb des Weltfußballs.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild SID