Fakten im Überblick
Internationales Fanbündnis fordert den sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Auslöser ist unter anderem der gescheiterte Investorenplan für FIFA-Turniere.
Auch deutsche Fanorganisationen unterstützen die weltweite Petition.
Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst weltweit. Ein internationales Bündnis führender Fanorganisationen hat seinen sofortigen Rücktritt gefordert und damit den Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs auf eine neue Stufe gehoben. Football Supporters Europe (FSE), das nach eigenen Angaben Hunderte Millionen Fußballfans weltweit vertritt, veröffentlichte am Donnerstag eine deutliche Erklärung und startete gleichzeitig eine internationale Petition.
Darin heißt es: "Als Fanorganisationen, die Hunderte Millionen Fans weltweit vertreten, fordern wir gemeinsam den sofortigen Rücktritt von Gianni Infantino als ersten Schritt zur Reform der FIFA-Führung."
Im Zentrum der Kritik steht der inzwischen verworfene Plan, Anteile an FIFA-Wettbewerben an private Investoren aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen. Für die Fanvertreter überschritt dieser Vorstoß eine rote Linie. Infantino scheine zu glauben, "dass er wichtiger sei als der Fußball", erklärte das Bündnis. Weiter heißt es: Infantinos Idee sei ein "Verrat", und ein Präsident, "der den Fußball wiederholt verrät und ihn zur Farce macht, hat das Recht verwirkt, ihn zu führen".
Die Unterstützung für die Kampagne reicht weit über Europa hinaus. Zu den Unterzeichnern gehören Fanorganisationen aus Afrika, Nordamerika und zahlreichen europäischen Ländern. Aus Deutschland beteiligen sich unter anderem "Unsere Kurve", "F_in Frauen im Fußball" sowie die "Queer Football Fanclubs". Sie werfen Infantino neben dem Investorenplan unter anderem eine "heimliche Beteiligung" an der Super League, "Wucherpreise" bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika sowie die Etablierung einer "Kultur der Einschüchterung und persönlichen Macht" innerhalb der FIFA vor.
Nach Ansicht der Initiatoren reicht jedoch ein Personalwechsel allein nicht aus. In ihrer Erklärung betonen sie ausdrücklich: "Die Entfernung einer einzelnen Person allein wird den Schaden nicht beheben." Vielmehr müsse die FIFA grundlegend reformiert werden. Fußballverbände, Vereine, Fanorganisationen und staatliche Institutionen müssten gemeinsam neue Standards für Transparenz, Kontrolle und gute Verbandsführung entwickeln.
Die politische Lage innerhalb des Weltverbandes bleibt äußerst angespannt. Gianni Infantino plant, beim FIFA-Kongress im März 2027 für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) verweigert ihm inzwischen offen die Unterstützung, drängt auf seinen Rückzug und bringt sogar einen Boykott von FIFA-Wettbewerben ins Gespräch. Auch mehrere Kontinentalverbände in Asien sowie Nord- und Mittelamerika verschärfen zunehmend ihre Kritik. Gleichzeitig erhält Infantino weiterhin Rückhalt einzelner nationaler Verbände, insbesondere aus Asien. Ein offizieller Gegenkandidat für die Präsidentschaftswahl ist bislang jedoch nicht bekannt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die FIFA steht vor ihrer größten Vertrauenskrise
Der offene Protest der Fanorganisationen zeigt, dass sich der Widerstand längst nicht mehr nur auf Funktionäre oder Verbände beschränkt. Erstmals formiert sich weltweit eine organisierte Fanbewegung gegen die Führung der FIFA. Das eigentliche Problem geht jedoch weit über eine einzelne Person hinaus. Seit Jahrzehnten kämpft der Weltverband mit Vorwürfen mangelnder Transparenz, Machtkonzentration und wirtschaftlicher Interessen. Sollte die FIFA diese Vertrauenskrise unterschätzen, droht ein langfristiger Schaden für die Glaubwürdigkeit des internationalen Fußballs. Die Forderung nach Reformen dürfte deshalb auch unabhängig von der Zukunft Gianni Infantinos bestehen bleiben.
Der historische Hintergrund
Die FIFA mit Sitz in Zürich in der Schweiz ist seit 1904 der Weltverband des Fußballs und organisiert unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaften. Nach den großen Korruptionsskandalen der Jahre 2015 und 2016 übernahm Gianni Infantino das Präsidentenamt mit dem Versprechen umfassender Reformen. In den folgenden Jahren wurden jedoch immer wieder neue Debatten über Transparenz, wirtschaftliche Entscheidungen, Turniervergaben und den wachsenden Einfluss politischer sowie wirtschaftlicher Interessen geführt. Die aktuellen Auseinandersetzungen markieren einen neuen Höhepunkt dieser Entwicklung.
Die Zukunftsprognose der OZD
Bis zum FIFA-Kongress 2027 dürfte der Machtkampf weiter eskalieren. Entscheidend wird sein, ob sich erstmals ein ernstzunehmender Gegenkandidat findet und ob weitere Kontinentalverbände ihre Unterstützung für Infantino zurückziehen. Gleichzeitig könnte der öffentliche Druck der Fanorganisationen die Diskussion über Reformen der FIFA-Governance deutlich beschleunigen. Für den internationalen Fußball stehen damit nicht nur personelle Entscheidungen, sondern auch Fragen nach Transparenz, wirtschaftlicher Kontrolle und demokratischer Legitimation im Mittelpunkt.
Die Erklärungen zum Text
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist ein Schweizer Fußballfunktionär und seit 2016 Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA. Zuvor war er Generalsekretär der UEFA. Unter seiner Führung wurden zahlreiche neue Wettbewerbe eingeführt und bestehende Turniere ausgeweitet.
Was ist Football Supporters Europe (FSE)?
Football Supporters Europe ist ein internationales Netzwerk unabhängiger Fanorganisationen aus zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern. Die Organisation setzt sich für Fanrechte, Transparenz, Mitbestimmung und eine nachhaltige Entwicklung des Fußballs ein.
Gibt es eine Interpretation?
Die Petition ist mehr als eine Protestaktion. Sie signalisiert, dass sich Fans zunehmend als politische Akteure innerhalb des internationalen Fußballs verstehen. Unabhängig davon, wie sich die FIFA-Präsidentschaft entwickelt, dürfte der Ruf nach mehr Transparenz und demokratischer Kontrolle künftig eine deutlich größere Rolle spielen.
Unser Gewinnspiel
Frage: Für welches Jahr plant Gianni Infantino derzeit seine Kandidatur für eine weitere Amtszeit als FIFA-Präsident?
A) 2026
B) 2027
C) 2028
D) 2030
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.