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Krisensitzung in Marokko: Trotz massiver Kritik erhält Infantino volle Rückendeckung

Nach der Investoren-Affäre stärkt die Fifa-Führung Präsident Gianni Infantino demonstrativ den Rücken – doch die Vertrauenskrise ist längst nicht beendet.

Fakten im ÜberblickFifa-Spitze sichert Gianni Infantino uneingeschränkte Unterstützung zu.Der Weltverband räumt Fehler im Umgang mit den Mitgliedsverbänden ein.Der umstrittene Investoren-Plan wurde nach internationalem Widerstand zurückgezogen.Die Uefa hat Infantino offiziell das Vertrauen entzogen.Die Debatte über Transparenz und Machtstrukturen im Weltfußball hält an.

Die Führung des Fußball-Weltverbandes Fifa hat ihrem umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino nach einer Krisensitzung im marokkanischen Rabat demonstrativ den Rücken gestärkt. In einer am späten Mittwoch veröffentlichten Erklärung bekräftigten der Fifa-Generalsekretär sowie die anwesenden Mitglieder der Geschäftsleitung ihre "uneingeschränkte Unterstützung" für den Präsidenten.

Zur Begründung verwies die Verbandsführung darauf, dass Infantino als einziger Funktionär direkt von den 211 Fifa-Mitgliedsverbänden gewählt worden sei. Gleichzeitig erklärte Infantino seinerseits seine volle Unterstützung für Generalsekretär Mattias Grafström sowie die Fifa-Verwaltung. Welche weiteren Spitzenfunktionäre an der Krisensitzung teilnahmen, ließ der Weltverband zunächst offen.

Im Mittelpunkt der Krise steht der inzwischen zurückgezogene Investoren-Plan des Fifa-Präsidenten. Dieser sah die Gründung der kommerziellen Tochtergesellschaft "Fifa Forward Enterprise" (FFE) vor. Über diese Gesellschaft sollten unter anderem die Vermarktungsrechte an der Fußball-Weltmeisterschaft und der Klub-WM gebündelt werden. Private Investoren hätten bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen können.

Nach einer Unternehmensbewertung von rund 20 Milliarden US-Dollar wollte die Fifa auf diesem Weg bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben. Im Gegenzug stellte Infantino allen Mitgliedsverbänden eine Einmalzahlung von 20 Millionen Dollar sowie zusätzliche Fördermittel in Aussicht – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Verbände den Plänen zustimmen würden.

Diese Verknüpfung löste weltweit heftige Kritik aus. Zahlreiche Funktionäre warfen der Fifa einen möglichen "Ausverkauf" des internationalen Fußballs vor. Besonders der europäische Fußballverband Uefa sowie weitere Kontinentalverbände stellten sich entschieden gegen das Vorhaben. Zeitweise standen sogar Boykottdrohungen für kommende Weltmeisterschaften im Raum. Unter dem wachsenden Druck zog Infantino seine Pläne schließlich zurück.

In ihrer aktuellen Erklärung räumte die Fifa-Führung nun erstmals Fehler ein. Man habe den Mitgliedsverbänden nicht das Gefühl vermitteln wollen, vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen worden zu sein. Das Verfahren hätte "anders gehandhabt werden müssen". In einem Schreiben an die Verbände entschuldigte sich die Organisation und versprach, vergleichbare Vorgänge künftig zu vermeiden.

Gleichzeitig setzte die Fifa jedoch auch ein deutliches Signal an ihre Kritiker. Der Weltverband kündigte an, keinerlei Angriffe auf seine Integrität zu dulden und alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz seines Rufes zu ergreifen.

Infantino selbst veröffentlichte nach der Sitzung auf Instagram ein Foto mit Generalsekretär Mattias Grafström. Beide zeigen sich lächelnd mit erhobenem Daumen. Dazu schrieb der Fifa-Präsident: "Wir sind fest davon überzeugt, dass die Ergebnisse der heutigen Sitzung die Governance der Fifa stärken und dazu beitragen werden, das Vertrauen in die Organisation wiederherzustellen."

OZD/AFP



OZD-Kommentar – Vertrauen lässt sich nicht verordnen

Die demonstrative Geschlossenheit der Fifa-Spitze wirkt wie eine Machtdemonstration nach innen. Doch Rückendeckung aus den eigenen Reihen ersetzt keine glaubwürdige Aufarbeitung. Gerade in Europa, wo die Uefa den Vertrauensentzug ausgesprochen hat, dürfte die Skepsis gegenüber der Führung des Weltverbandes weiter wachsen. Die Ereignisse zeigen erneut, wie groß die Spannungen zwischen Zürich als Sitz der Fifa und den mächtigen Kontinentalverbänden geworden sind. Wer Transparenz erst verspricht, nachdem öffentlicher Druck entstanden ist, wird Mühe haben, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Governance der Fifa steht damit weiterhin auf dem Prüfstand.



OZD-Historischer Hintergrund

Seit der Korruptionskrise des Jahres 2015 bemüht sich die Fifa um einen Neuanfang. Damals führten Ermittlungen in den USA und der Schweiz zum Sturz zahlreicher Spitzenfunktionäre und schließlich zum Ende der Amtszeit von Sepp Blatter. Gianni Infantino wurde 2016 mit dem Versprechen gewählt, Transparenz und Reformen voranzutreiben. Dennoch sorgten in den folgenden Jahren immer wieder Entscheidungen rund um die Vergabe großer Turniere, die Ausweitung der Klub-WM und die zunehmende Kommerzialisierung des Weltfußballs für Kritik. Der aktuelle Streit um den Investoren-Plan reiht sich in diese Entwicklung ein und verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen der Fifa in Zürich und den Kontinentalverbänden wie der Uefa in Europa.



OZD-Zukunftsprognose

Die Investoren-Affäre dürfte die Diskussion über die zukünftige Finanzierung des Weltfußballs nicht beenden. Vielmehr werden Mitgliedsverbände künftig noch stärker auf Transparenz, Mitsprache und klare Entscheidungsprozesse drängen. Gleichzeitig könnte sich das Verhältnis zwischen der Fifa und der Uefa weiter verschlechtern, falls grundlegende Reformen ausbleiben. Wirtschaftlich bleibt die Vermarktung internationaler Wettbewerbe zwar äußerst attraktiv, doch jeder neue Kommerzialisierungsschritt wird künftig unter deutlich schärferer Beobachtung von Verbänden, Fans und Sponsoren stehen.



OZD-Analyse

1. Hauptpunkt
Die Fifa versucht, nach der schwersten Führungskrise seit Jahren Geschlossenheit zu demonstrieren und den Präsidenten politisch zu stabilisieren.

2. Hauptpunkt
a) Der Investoren-Plan offenbarte erhebliche Defizite bei Kommunikation und Transparenz.
b) Die Kontinentalverbände zeigten ihre politische Macht gegenüber der Fifa.
c) Der Rückzug des Projekts verhindert kurzfristig eine Eskalation, löst jedoch die Vertrauenskrise nicht.

3. Hauptpunkt
Die Folgen reichen weit über den aktuellen Konflikt hinaus. Künftige Reformprojekte der Fifa dürften deutlich intensiver geprüft werden. Gleichzeitig wächst der Druck auf den Weltverband, seine Entscheidungsstrukturen transparenter und demokratischer zu gestalten.

Erklärungen

Wer ist Gianni Infantino?

Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der Fifa und verantwortet die strategische Entwicklung des Weltfußballs. Unter seiner Führung wurden die Klub-WM ausgeweitet und die Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften vergrößert. Gleichzeitig steht er immer wieder wegen Führungsstil, Governance und wirtschaftspolitischer Entscheidungen in der Kritik.

Was ist die Fifa Forward Enterprise (FFE)?

Die Fifa Forward Enterprise war als kommerzielle Tochtergesellschaft geplant, über die bedeutende Vermarktungsrechte der Fifa gebündelt werden sollten. Private Investoren hätten sich beteiligen können. Ziel war die Generierung zusätzlicher Milliarden-Einnahmen für den Weltverband und seine Mitgliedsverbände.


OZD-Extras

Der Streit um den Investoren-Plan zeigt, wie sensibel Finanzierungsmodelle im internationalen Sport geworden sind. Kurzfristig dürfte die Affäre kaum direkte Auswirkungen auf börsennotierte Unternehmen haben. Mittel- bis langfristig könnten jedoch Sportvermarkter, Medienunternehmen und Sponsoren von einer anhaltenden Unsicherheit über die Vermarktungsstrategie der Fifa betroffen sein.


Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.