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Rekord bei Erbschaftsteuer: Milliarden fließen – doch Großvermögen profitieren weiter

Die Einnahmen aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer erreichen mit 21 Milliarden Euro einen Rekordwert. Gleichzeitig wächst die Kritik an milliardenschweren Steuererlassen für Großvermögen.

Fakten im Überblick

Die Einnahmen aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer stiegen 2025 um 61 Prozent auf rund 21 Milliarden Euro.

34 Großerbinnen und Großerben erhielten Steuererlasse in Höhe von insgesamt 3,7 Milliarden Euro.

Gewerkschaften, Wissenschaftler und Verbände fordern eine Reform der Erbschaftsteuer.


Die Erbschaft- und Schenkungsteuer hat dem deutschen Staat im vergangenen Jahr so hohe Einnahmen beschert wie nie zuvor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um 61 Prozent auf rund 21 Milliarden Euro. Hauptgrund waren außergewöhnlich große Vermögensübertragungen, insbesondere von Unternehmensvermögen und Erbschaften im zweistelligen Millionenbereich.

Insgesamt wurde 2025 steuerlich relevantes Vermögen im Umfang von 141,1 Milliarden Euro übertragen – ebenfalls ein neuer Höchstwert. Das entspricht einem Anstieg von 23,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark legten Übertragungen von Betriebsvermögen zu, die mit 25,6 Milliarden Euro rund 19 Prozent höher lagen als im Vorjahr.

Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes waren vor allem deutlich mehr Vermögensübertragungen von mindestens 20 Millionen Euro für den kräftigen Anstieg der Steuereinnahmen verantwortlich.

Gleichzeitig entbrannte eine neue Debatte über die Besteuerung großer Vermögen. Nach der sogenannten Verschonungsbedarfsprüfung, die seit 2016 für Unternehmensvermögen über 26 Millionen Euro gilt, erhielten 34 Großerbinnen und Großerben Steuererlasse von insgesamt 3,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte diese Regelung scharf. Nach seinen Angaben erhielten die betroffenen Erben Vermögen im Wert von rund zwölf Milliarden Euro. "Darauf mussten sie im Durchschnitt nur rund zwei Prozent Erbschaftsteuer zahlen, weil ihnen 94 Prozent der festgesetzten Steuer erlassen wurden." Der DGB fordert deshalb eine stärkere Besteuerung großer Vermögen.

Auch der Verein Finanzwende sprach von erheblichen Steuerprivilegien. Die Begünstigungen für Unternehmensvermögen seien "die größte Steuersubvention im Bundeshaushalt". Die Bundesregierung müsse diese Ausnahmeregelungen abschaffen.

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, verwies darauf, dass jährlich Vermögen von rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt würden – ein Volumen in der Größenordnung des Bundeshaushalts.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, schätzt das gesamte vererbte und verschenkte Vermögen sogar auf knapp 500 Milliarden Euro. Dass davon lediglich rund vier Prozent als Steuern erhoben würden, zeige aus seiner Sicht, wie niedrig große Vermögen in Deutschland tatsächlich besteuert würden. Er erklärte: "Es sei schlichtweg nicht vermittelbar, dass Einkommen aus Arbeit in Deutschland mit bis zu 45 Prozent und der meiste Konsum mit 19 Prozent besteuert werden, Erbschaften und Schenkungen dagegen lediglich mit vier Prozent."

Auch regionale Unterschiede bleiben erheblich. Während im Westen Deutschlands Erbschaft- und Schenkungsteuer in Höhe von 20,4 Milliarden Euro festgesetzt wurde, entfielen auf Ostdeutschland lediglich 970 Millionen Euro. Nach Ansicht der Linken verdeutlicht dies die weiterhin große Vermögensungleichheit zwischen Ost- und Westdeutschland.

Das Statistische Bundesamt betonte zugleich, dass die überwiegende Zahl der Vermögensübertragungen innerhalb der gesetzlichen Freibeträge liege. Kinder können Vermögen bis zu 400.000 Euro steuerfrei erben, Ehepartner bis zu 500.000 Euro.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Die Erbschaftsteuer bleibt ein politischer Zankapfel

Die Rekordeinnahmen zeigen, dass große Vermögensübertragungen zunehmen. Gleichzeitig macht die Debatte deutlich, wie unterschiedlich die Bewertung der Erbschaftsteuer ausfällt. Während Wirtschaftsvertreter auf den Schutz von Familienunternehmen verweisen, kritisieren Gewerkschaften und Wissenschaftler umfangreiche Steuervergünstigungen für sehr große Vermögen. Die Diskussion über Steuergerechtigkeit dürfte deshalb auch in den kommenden Jahren zu den zentralen finanzpolitischen Streitpunkten gehören.

Historischer Hintergrund

Die Erbschaftsteuer existiert in Deutschland seit mehr als 100 Jahren und wurde mehrfach reformiert. Besonders Unternehmensvermögen genießen seit der Reform 2016 umfangreiche Begünstigungen, wenn Arbeitsplätze erhalten werden oder eine sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung greift. Diese Regelungen werden seit Jahren kontrovers diskutiert und waren bereits mehrfach Gegenstand gerichtlicher Überprüfungen.

Zukunftsprognose

Angesichts wachsender Vermögen und einer alternden Gesellschaft dürfte das Volumen von Erbschaften in den kommenden Jahren weiter steigen. Damit wächst auch der politische Druck, die Erbschaftsteuer erneut zu reformieren. Während Befürworter höhere Einnahmen zur Finanzierung des Sozialstaats fordern, warnen Wirtschaftsverbände vor einer Belastung von Familienunternehmen. Die Debatte dürfte auch Auswirkungen auf den Bundeshaushalt und die Vermögensverteilung in Deutschland haben.

Erklärungen

Was ist die Erbschaft- und Schenkungsteuer?

Die Erbschaft- und Schenkungsteuer wird erhoben, wenn Vermögen durch Erbschaft oder Schenkung übertragen wird. Die Höhe richtet sich unter anderem nach dem Verwandtschaftsgrad, dem Wert des Vermögens und den geltenden Freibeträgen.

Was ist die Verschonungsbedarfsprüfung?

Die Verschonungsbedarfsprüfung ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen erhebliche Steuererleichterungen für große Unternehmensvermögen. Ziel ist es, Familienunternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten.

OZD-Extras

Nach Schätzungen von Wirtschaftsforschern wechseln in Deutschland jährlich Vermögenswerte in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro den Eigentümer. Aufgrund des demografischen Wandels dürfte dieses Volumen in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Wie wirkt sich das auf die Börsen aus?

Kurzfristige Auswirkungen auf die Börsen sind nicht zu erwarten. Sollte die Politik die Erbschaftsteuer für große Unternehmensvermögen verschärfen, könnten insbesondere familiengeführte Unternehmen sowie deren Nachfolge- und Investitionsstrategien stärker in den Fokus von Investoren rücken.

Gewinnspiel

Wie hoch waren die Einnahmen aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer im Jahr 2025?

A) Rund 9 Milliarden Euro
B) Rund 14 Milliarden Euro
C) Rund 21 Milliarden Euro
D) Rund 30 Milliarden Euro

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.