Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

„Wir plündern dieses Sparkonto“: WMO warnt vor wachsender globaler Wasserkrise

Die weltweiten Süßwasserreserven geraten unter Druck. Gletscher, Grundwasser und Flüsse verlieren Wasser – während andernorts extreme Fluten drohen.

Fakten im Überblick

Die weltweit in Grundwasser, Seen, Flüssen, Böden, Eis und Schnee gespeicherte Süßwassermenge nimmt nach Angaben der WMO weiter ab.

Zwischen 2023 und 2025 verloren die Gletscher weltweit insgesamt rund 1400 Gigatonnen Wasser.

Fast zwei Drittel der weltweit überwachten Brunnen zeigten 2025 Grundwasserstände außerhalb der historischen Norm.

Die Erde verliert einen ihrer wichtigsten natürlichen Sicherheitspuffer. Die weltweiten Wasserreserven schrumpfen weiter, während gleichzeitig extreme Dürren und verheerende Überschwemmungen in verschiedenen Regionen zunehmen. Davor warnt die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen in ihrem neuen Bericht zur globalen Wassersituation.

Betroffen ist nicht nur Wasser in Flüssen und Seen. Entscheidend ist die Gesamtmenge des Süßwassers, das in Grundwasser, Böden, Gletschern, Schnee, Flüssen und Seen gespeichert ist.

Besonders besorgt zeigt sich die WMO über den Zustand jener Reserven, die über lange Zeiträume als natürlicher Puffer dienten.

Dazu gehören vor allem Grundwasser und Gletscher.

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo beschreibt ihre Funktion als eine Art Sparkonto der Erde. Diese Reserven konnten in trockenen Jahren fehlenden Niederschlag teilweise ausgleichen und verhindern, dass aus einzelnen Dürreperioden unmittelbar schwere Wasserkrisen entstehen.

Doch dieser Puffer wird schwächer.

"Jetzt plündern wir dieses Sparkonto", warnte Saulo vor Journalisten. "Wir greifen auf unsere Reserven zurück."

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Gletschern.

2025 war bereits das vierte Jahr in Folge, in dem die Gletschermassen in sämtlichen Weltregionen erheblich zurückgingen.

Allein zwischen 2023 und 2025 gingen nach Angaben der WMO rund 1400 Gigatonnen Gletschermasse verloren.

Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen.

Die Dimension ist gewaltig: Die verlorene Wassermenge entspricht nach Berechnungen der WMO ungefähr dem Inhalt von 560 Millionen olympischen Schwimmbecken.

Sie entspricht zudem etwa einem Drittel der Menge an Süßwasser, die weltweit innerhalb eines Jahres entnommen wird.

Gletscher besitzen für die Wasserversorgung zahlreicher Regionen besondere Bedeutung.

Sie speichern Niederschläge über lange Zeiträume als Eis und geben einen Teil dieses Wassers während wärmerer Monate wieder ab.

Davon profitieren Flusssysteme und Regionen von den Alpen über den Himalaya bis zu den Anden.

Schrumpfen die Gletscher dauerhaft, kann zunächst sogar mehr Schmelzwasser entstehen. Langfristig nimmt jedoch die gespeicherte Eisreserve ab – und damit auch die Fähigkeit der Gebirge, in trockenen und heißen Perioden Wasser bereitzustellen.

Parallel dazu verschärft sich die Situation beim Grundwasser.

In vielen Teilen der Welt sinken die Bestände bereits seit Jahren.

"Fast zwei Drittel der weltweit überwachten Brunnen wiesen 2025 Bedingungen außerhalb der historischen Norm auf", sagte Saulo.

Grundwasser ist für Milliarden Menschen von großer Bedeutung. Es wird als Trinkwasser genutzt, versorgt Landwirtschaft und Industrie und stabilisiert in vielen Regionen Flüsse und Ökosysteme.

Wird über längere Zeit mehr Grundwasser entnommen, als sich durch Niederschlag neu bilden kann, sinken die Reserven.

Auch bei den Flüssen registriert die WMO außergewöhnliche Entwicklungen.

2025 gehörte weltweit zu den drei trockensten Jahren für Flüsse innerhalb der vergangenen 35 Jahre.

Doch die globale Wasserkrise bedeutet nicht, dass es überall einfach nur trockener wird.

Genau darin liegt eine der zentralen Warnungen des Berichts.

Während manche Regionen unter sinkenden Grundwasserständen, austrocknenden Flüssen und Dürren leiden, steigt in anderen Gebieten die Gefahr extremer Niederschläge und Überschwemmungen.

Diese scheinbar widersprüchlichen Entwicklungen können gleichzeitig auftreten.

Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch können sich Niederschlagsmuster verändern und Starkregenereignisse intensiver ausfallen.

Gleichzeitig können höhere Temperaturen die Verdunstung verstärken und Trockenperioden verschärfen.

Zusätzliche Schwankungen können durch das natürliche Klimaphänomen El Niño entstehen.

El Niño entwickelt sich im tropischen Pazifik. Dabei erwärmt sich die Meeresoberfläche in bestimmten Gebieten stärker als gewöhnlich.

Diese Veränderungen beeinflussen Luftdruck, Windströmungen und Niederschläge weit über den Pazifik hinaus.

Dadurch können sich Wetterverhältnisse in unterschiedlichen Teilen der Erde erheblich verändern.

Die WMO betont dabei eine wichtige wissenschaftliche Unterscheidung: Der menschengemachte Klimawandel führt nach aktuellem Kenntnisstand nicht automatisch dazu, dass El-Niño-Ereignisse häufiger oder stärker auftreten.

Er kann jedoch deren Auswirkungen verstärken.

Für die weltweite Wasserversorgung entsteht damit eine komplexe Herausforderung.

Die Menschheit muss sich nicht nur auf weniger verfügbare Reserven einstellen, sondern zugleich auf größere Schwankungen zwischen Wassermangel und Wasserüberschuss.

Das betrifft Millionenstädte ebenso wie ländliche Regionen.

Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Energieproduktion, Industrie und Ökosysteme hängen von ausreichend verfügbarem Süßwasser ab.

Besonders problematisch wird die Entwicklung dort, wo mehrere Belastungen zusammentreffen: starkes Bevölkerungswachstum, intensive Landwirtschaft, hohe Grundwasserentnahme, schwache Infrastruktur und zunehmende Klimaextreme.

Die Warnung der WMO reicht deshalb weit über Wetter und Klima hinaus.

Wasser wird zunehmend zu einer Frage wirtschaftlicher Stabilität, Ernährungssicherheit und gesellschaftlicher Widerstandsfähigkeit.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Das Sparkonto der Erde wird kleiner

Das Bild von WMO-Chefin Celeste Saulo trifft den Kern des Problems: Grundwasser und Gletscher sind das Sparkonto der globalen Wasserversorgung.

In guten Jahren werden Reserven aufgebaut. In schlechten Jahren helfen sie, Dürren zu überstehen.

Doch ein Sparkonto funktioniert nur, solange nicht dauerhaft mehr entnommen wird, als nachkommt.

Genau diese Balance gerät in zahlreichen Regionen unter Druck.

Besonders problematisch ist dabei die Langfristigkeit. Ein ausgetrockneter Fluss kann sich nach starken Niederschlägen vergleichsweise schnell wieder füllen. Ein über Jahrzehnte abgesenkter Grundwasserspeicher oder ein abgeschmolzener Gletscher lässt sich nicht ebenso schnell wiederherstellen.

Deshalb darf die Debatte nicht allein auf die nächste Dürre oder das nächste Hochwasser reagieren.

Wassermanagement, moderne Bewässerung, widerstandsfähige Infrastruktur, Schutz natürlicher Speicher und bessere Frühwarnsysteme werden international wichtiger.

Die realistische Prognose: Die Verteilung von Wasser dürfte in immer mehr Regionen zu einer zentralen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderung werden. Staaten mit leistungsfähigem Wassermanagement können Folgen begrenzen. Regionen mit ohnehin knappen Reserven und schwacher Infrastruktur sind deutlich verwundbarer.

Historischer Hintergrund

Wasserknappheit begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Neu ist jedoch die Kombination aus stark wachsendem Wasserverbrauch, intensiver Grundwassernutzung und einem sich erwärmenden Klima.

Mit Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und intensiver Landwirtschaft nahm der globale Wasserbedarf erheblich zu.

Grundwasser wurde dabei zu einer besonders wichtigen Ressource.

Moderne Pumptechnik ermöglicht es, Wasser aus immer tieferen Schichten zu fördern. Das verbessert kurzfristig die Versorgung, kann jedoch langfristig zu sinkenden Grundwasserspiegeln führen, wenn mehr Wasser entnommen wird, als sich neu bildet.

Parallel verändert die globale Erwärmung die Kryosphäre – also jene Teile der Erde, in denen Wasser als Schnee und Eis gespeichert ist.

Besonders sichtbar wird dies bei den Gletschern.

Gebirgsregionen wie die Alpen in Europa, der Himalaya in Asien und die Anden in Südamerika dienen als bedeutende Wasserspeicher.

Ihr Schmelzwasser speist zahlreiche Flüsse, von denen wiederum Millionen Menschen abhängig sind.

Seit Jahrzehnten beobachten Wissenschaftler in vielen dieser Regionen einen Rückgang der Gletschermassen.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte Wasser stärker in den Mittelpunkt nationaler und internationaler Anpassungsstrategien rücken.

Staaten werden mehr in Speicher, Leitungsnetze, Hochwasserschutz, Entsalzung, Wiederverwendung von Wasser und effizientere Bewässerung investieren müssen.

Wirtschaftlich kann Wasserknappheit erhebliche Auswirkungen haben.

Landwirtschaft benötigt große Mengen Süßwasser. Sinkende Reserven können Ernten belasten und damit Lebensmittelpreise beeinflussen.

Auch Industrieunternehmen benötigen Wasser für Produktion, Reinigung und Kühlung.

Die Energiewirtschaft ist ebenfalls betroffen. Wasserkraft hängt unmittelbar von Flussständen und Niederschlägen ab. Thermische Kraftwerke benötigen häufig Wasser zur Kühlung.

Gesellschaftlich können besonders Regionen unter Druck geraten, in denen Wasser bereits heute knapp ist und gleichzeitig die Bevölkerung wächst.

International können grenzüberschreitende Flüsse zusätzliche politische Herausforderungen schaffen. Flusssysteme wie Nil, Mekong, Indus oder Euphrat und Tigris verbinden mehrere Staaten miteinander. Veränderungen der verfügbaren Wassermenge betreffen deshalb häufig nicht nur ein einzelnes Land.

Die Entwicklung bietet zugleich Chancen für neue Technologien und Infrastrukturinvestitionen. Effiziente Bewässerung, Wasserrecycling, Leckageerkennung, Entsalzung und intelligente Wassernetze könnten erheblich an Bedeutung gewinnen.

Was ist die WMO?

Die Weltorganisation für Meteorologie, englisch World Meteorological Organization, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf in der Schweiz.

Sie koordiniert international Beobachtungen und wissenschaftliche Informationen zu Wetter, Klima und Wasser.

Was sind globale Wasserreserven?

Dazu gehört Süßwasser, das unter anderem in Grundwasser, Seen, Flüssen, Böden, Schnee und Gletschern gespeichert ist.

Nicht jede dieser Reserven ist gleichermaßen schnell erneuerbar oder unmittelbar für Menschen nutzbar.

Was ist Grundwasser?

Grundwasser befindet sich unter der Erdoberfläche in Poren, Spalten und Hohlräumen von Gesteinen und Sedimenten.

Es entsteht vor allem, wenn Niederschlagswasser in den Boden einsickert.

In vielen Regionen ist Grundwasser eine zentrale Quelle für Trinkwasser und Landwirtschaft.

Was ist El Niño?

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik.

Dabei erwärmt sich die Meeresoberfläche in bestimmten Regionen stärker als üblich. Dies verändert Luftdruck, Wind und Niederschlagsmuster und kann dadurch Wetterbedingungen in weit entfernten Regionen beeinflussen.

Warum sind Gletscher wichtige Wasserspeicher?

Gletscher speichern Wasser über lange Zeit als Eis.

Während wärmerer Monate geben sie durch Schmelze Wasser ab und können dadurch Flüsse auch dann speisen, wenn wenig Niederschlag fällt.

Schrumpft ein Gletscher dauerhaft, nimmt langfristig auch diese Speicherfunktion ab.

OZD-Extra – 1400 Gigatonnen Wasser verschwunden

Die Größenordnung des Gletscherverlusts zwischen 2023 und 2025 ist schwer vorstellbar.

Nach Angaben der WMO gingen innerhalb dieser drei Jahre weltweit rund 1400 Gigatonnen Gletschermasse verloren.

Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen.

Nach dem Vergleich der WMO würde die verlorene Wassermenge rund 560 Millionen olympische Schwimmbecken füllen.

Wirtschaftlich könnte die zunehmende Wasserknappheit langfristig ganze Branchen verändern.

Unternehmen aus Wasseraufbereitung, Entsalzung, Pumpentechnik, Messtechnik, Infrastruktur und effizienter Bewässerung könnten von steigenden Investitionen profitieren. Daraus lässt sich jedoch keine sichere Entwicklung einzelner Aktien ableiten.

Für Rohstoffe ist Wasser ebenfalls relevant. Besonders Landwirtschaft und Bergbau sind auf große Wassermengen angewiesen. Regionale Knappheit kann Produktionskosten erhöhen und Lieferketten beeinträchtigen.

Auf Währungen können schwere Wasserkrisen indirekt wirken, wenn sie Landwirtschaft, Energieproduktion, Inflation oder wirtschaftliche Stabilität eines Landes stark beeinträchtigen.

Für große Aktienindizes dürfte ein einzelner WMO-Bericht dagegen keine unmittelbare Kurswirkung besitzen. Langfristig wird die Verfügbarkeit von Wasser jedoch zunehmend Bestandteil der Risikoanalyse von Unternehmen, Investoren und Versicherern.

Gewinnspiel

Wie viel Gletschermasse ging laut WMO zwischen 2023 und 2025 weltweit verloren?

A: Rund 140 Gigatonnen

B: Rund 700 Gigatonnen

C: Rund 1400 Gigatonnen

D: Rund 2800 Gigatonnen

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.