Fakten im Überblick
Die Ukraine plant 2027 rund 4,9 Billionen Hrywnja für Verteidigung und Sicherheit ein.
Die Summe entspricht fast zwei Dritteln der geplanten Staatsausgaben und rund 44 Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts.
Kiew rechnet 2027 mit einem internationalen Finanzierungsbedarf von 52,6 Milliarden Dollar.
Die Ukraine will im kommenden Jahr so viel Geld für Verteidigung und Sicherheit ausgeben wie nie zuvor seit Beginn des russischen Großangriffs im Februar 2022. Der von der Regierung in Kiew beschlossene Haushaltsentwurf für 2027 sieht dafür 4,885 Billionen Hrywnja vor – umgerechnet rund 95 Milliarden Euro.
Damit fließen fast zwei Drittel der geplanten Staatsausgaben in Verteidigung und Sicherheit. Gemessen an der Wirtschaftsleistung entsprechen die vorgesehenen Ausgaben 43,8 Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts.
Der gesamte Staatshaushalt soll Ausgaben von rund 7,27 Billionen Hrywnja umfassen.
Etwa ein Drittel der Verteidigungsausgaben ist für Soldzahlungen vorgesehen. Ein großer Teil der übrigen Mittel soll in Waffen und militärische Ausrüstung fließen.
Finanzminister Serhij Martschenko bezeichnete die Finanzierung von Sicherheit und Verteidigung angesichts der "russischen Aggression" als "oberste Priorität".
"Alle verfügbaren internen Ressourcen des Staats werden darauf ausgerichtet sicherzustellen, dass sich die Ukraine dem Aggressor wirksam widersetzen kann", erklärte er.
Der Krieg bringt die ukrainischen Staatsfinanzen gleichzeitig unter enormen Druck.
Kiew beziffert den Bedarf an internationaler Unterstützung für 2027 auf 52,6 Milliarden Dollar. Geld soll unter anderem von der Europäischen Union, den G7-Staaten, dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und weiteren Partnern kommen.
Seit Beginn des russischen Großangriffs ist die Ukraine in erheblichem Umfang auf Finanzhilfen aus dem Ausland angewiesen. Diese Unterstützung kommt zusätzlich zu umfangreichen militärischen Hilfen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte angesichts der Finanzierungslücke auch potenziell "unpopuläre" Gesetzesvorhaben in Aussicht.
"Ohne diese Dinge ist es derzeit unmöglich, den gesamten Bedarf unserer Verteidigung und die Widerstandskraft der Ukraine zu gewährleisten", sagte Selenskyj.
Der Haushaltsentwurf zeigt damit die enorme finanzielle Dimension des Krieges.
Zum Vergleich: Russland plant für 2027 ebenfalls Verteidigungsausgaben in dreistelliger Milliardenhöhe.
Für die Ukraine ist die Belastung im Verhältnis zur Größe ihrer Volkswirtschaft jedoch besonders hoch.
Ob der Etat in der vorgelegten Form umgesetzt werden kann, hängt deshalb nicht nur von den Einnahmen des ukrainischen Staates ab.
Internationale Finanzhilfen bleiben für Kiew von zentraler Bedeutung.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Ein Haushalt unter Kriegsbedingungen
Der ukrainische Haushaltsentwurf für 2027 zeigt, wie umfassend der Krieg inzwischen die staatlichen Finanzen bestimmt.
Wenn fast zwei Drittel der Ausgaben in Verteidigung und Sicherheit fließen sollen, bleiben für den Staat nur begrenzte Spielräume. Gleichzeitig müssen Gesundheitsversorgung, Bildung, Renten, Infrastruktur und der Wiederaufbau finanziert werden.
Die zweite entscheidende Zahl neben dem Verteidigungsetat ist deshalb der internationale Finanzierungsbedarf von 52,6 Milliarden Dollar.
Für Kiew bedeutet das eine fortgesetzte Abhängigkeit von seinen internationalen Partnern. Für EU, G7, IWF und Weltbank bedeutet es wiederum langfristige finanzielle Verpflichtungen.
Die realistische Prognose: Solange der Krieg in hoher Intensität andauert, werden Verteidigungsausgaben und internationale Finanzierung die ukrainische Haushaltspolitik dominieren. Wie groß der tatsächliche Finanzbedarf 2027 wird, hängt wesentlich vom weiteren Kriegsverlauf und von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Historischer Hintergrund
Russlands Großangriff auf die Ukraine begann am 24. Februar 2022 und veränderte die ukrainischen Staatsfinanzen grundlegend.
Kiew erhöhte die Militärausgaben massiv, während Kriegsschäden, zerstörte Infrastruktur, Fluchtbewegungen und wirtschaftliche Ausfälle gleichzeitig die Einnahmen und die Wirtschaftsleistung belasteten.
Die Europäische Union, die G7-Staaten, der IWF, die Weltbank und weitere Partner stellten seitdem umfangreiche Finanzhilfen bereit.
Diese Unterstützung finanziert neben der Verteidigung auch zentrale staatliche Aufgaben und trägt zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes bei.
Zukunftsprognose
Für die ukrainische Wirtschaft bleibt der Krieg das größte Risiko.
Hohe Verteidigungsausgaben begrenzen die Möglichkeiten für Investitionen in andere staatliche Bereiche. Zugleich können internationale Hilfen die finanzielle Belastung teilweise abfedern.
Für europäische Staaten dürfte die Finanzierung der Ukraine deshalb auch 2027 ein wichtiges haushaltspolitisches Thema bleiben.
An den Finanzmärkten könnten vor allem ukrainische Staatsanleihen und der Hrywnja auf Veränderungen bei internationalen Hilfszusagen reagieren.
Rüstungsunternehmen in Europa und der Ukraine könnten von anhaltend hohen Beschaffungsvolumen betroffen sein. Für Rohstoff- und Energiemärkte bleibt dagegen vor allem der weitere Verlauf des Krieges entscheidend.
Warum gibt die Ukraine so viel für Verteidigung aus?
Die Ukraine befindet sich weiterhin im Krieg mit Russland.
Neben Soldzahlungen müssen unter anderem Munition, Drohnen, Luftverteidigung, Fahrzeuge, Waffen, militärische Ausrüstung und logistische Strukturen finanziert werden.
Mit zunehmender Dauer des Krieges steigen viele dieser Kosten.
Warum braucht Kiew internationale Finanzhilfen?
Der Krieg hat die ukrainische Wirtschaft und Infrastruktur schwer belastet.
Gleichzeitig sind die staatlichen Ausgaben erheblich gestiegen.
Die Ukraine kann deshalb ihre gesamten Haushaltsausgaben nicht allein aus Steuereinnahmen und anderen inländischen Einnahmequellen finanzieren.
Internationale Unterstützung schließt einen Teil dieser Finanzierungslücke.
Welche Rolle spielen IWF, EU und Weltbank?
Internationale Institutionen und Partnerstaaten unterstützen die Ukraine mit Krediten, Zuschüssen und weiteren Finanzierungsinstrumenten.
Der IWF begleitet die Ukraine zudem mit einem mehrjährigen Reform- und Finanzierungsprogramm.
Die EU ist ebenfalls einer der wichtigsten finanziellen Unterstützer des Landes.
OZD-Extra – Fast 44 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung
Besonders außergewöhnlich ist nicht nur die absolute Höhe des Verteidigungsbudgets.
Die geplanten Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit entsprechen 43,8 Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts.
Damit wird deutlich, welchen Anteil der wirtschaftlichen Ressourcen der Krieg bindet.
Der Haushaltsentwurf geht insgesamt von 7,272 Billionen Hrywnja Staatsausgaben aus. Davon sollen 4,885 Billionen Hrywnja in Sicherheit und Verteidigung fließen.
Gleichzeitig muss die Ukraine 2027 internationale Unterstützung in Milliardenhöhe mobilisieren.
Genau diese Kombination aus enormen Militärausgaben und hohem externem Finanzierungsbedarf macht den Haushalt zu einem entscheidenden Faktor für die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Landes.
Gewinnspiel
Wie viel plant die Ukraine 2027 ungefähr für Verteidigung und Sicherheit ein?
A: 25 Milliarden Euro
B: 50 Milliarden Euro
C: 95 Milliarden Euro
D: 200 Milliarden Euro
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.