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Neue Ära für die Luftwaffe: Pistorius übernimmt Deutschlands ersten F-35-Kampfjet

Deutschland beginnt den Generationswechsel seiner Kampfflugzeuge: Boris Pistorius hat in Texas den ersten F-35 für die Bundeswehr übernommen.

Fakten im Überblick

Deutschland hat Ende 2022 zunächst 35 F-35A-Kampfjets als Nachfolger für einen Teil der alternden Tornado-Flotte bestellt.

Die ersten acht deutschen Maschinen bleiben zunächst in den USA, wo Piloten und technisches Personal ausgebildet werden.

Ab 2027 sollen die ersten F-35 auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert werden.

Für die deutsche Luftwaffe beginnt ein neues Kapitel: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat im texanischen Fort Worth den ersten F-35A-Kampfjet für die Bundeswehr offiziell in Empfang genommen. Bei der Übergabe am Freitag sprach der SPD-Politiker von einer „neuen Ära für die Luftwaffe“. Der Tarnkappenjet des US-Herstellers Lockheed Martin gehört zu den modernsten Kampfflugzeugen der Welt und soll bei der Bundeswehr einen Teil der inzwischen jahrzehntealten Tornado-Flotte ersetzen. Die Maschine kann aufgrund ihrer Bauweise und speziellen Außenbeschichtung von gegnerischen Radarsystemen schwerer erfasst werden und verfügt über hochentwickelte Sensor- und Kommunikationssysteme. Die Übergabe des ersten Jets sei ein „Meilenstein für Deutschland“ und für die Nato, erklärte Lockheed Martin. Für Pistorius ist die Beschaffung zugleich eine Antwort auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. „Russland testet unsere Grenzen aus“, sagte der Verteidigungsminister in Fort Worth. „Deutschland hat den Weckruf gehört.“ Die Bundesrepublik müsse ihre Fähigkeiten zur Verteidigung und Abschreckung deshalb konsequent ausbauen. Die Bundeswehr bestätigte die Übergabe des ersten F-35A am 18. September.

Deutschland hatte Ende 2022 zunächst 35 Maschinen bestellt. Das Beschaffungsprojekt hat ein Volumen von rund zehn Milliarden Euro und wird aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr finanziert. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato. Deutschland besitzt keine eigenen Atomwaffen, stellt innerhalb des Bündnisses aber Flugzeuge und Besatzungen bereit, die im Ernstfall amerikanische Nuklearwaffen einsetzen könnten. Diese Aufgabe wird bislang vom Tornado übernommen. Der F-35 soll diese Fähigkeit künftig ohne Unterbrechung sicherstellen. „Der Tornado ist wirklich beachtlich in die Jahre gekommen“, sagte Pistorius in Texas. „Wenn wir es ernst meinen, damit die nukleare Teilhabe aufrecht zu erhalten, gerade in Zeiten wie diesen, dann war die Entscheidung, die F-35 zu beschaffen, die einzig richtige.“ Dass der F-35 für die Nachfolge des Tornados bei der nuklearen Teilhabe vorgesehen ist und der Flugbetrieb in Deutschland ab 2027 beginnen soll, war bereits Bestandteil der Beschaffungsplanung. Die ersten acht deutschen F-35 bleiben zunächst in den Vereinigten Staaten. Dort werden Piloten und technisches Personal der Luftwaffe an den neuen Maschinen ausgebildet. Ab 2027 sollen die ersten Jets nach Deutschland verlegt und auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel stationiert werden.

Politisch ist der Kauf zugleich Teil einer wesentlich größeren Debatte über Deutschlands militärische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Kritiker sehen die Beschaffung amerikanischer Hochtechnologie vor dem Hintergrund der politischen Spannungen innerhalb des transatlantischen Bündnisses skeptisch. Pistorius wies entsprechende Befürchtungen in Fort Worth zurück und bezeichnete die Abhängigkeiten zwischen Europa und den USA als wechselseitig. Die zahlreichen europäischen Bestellungen des F-35 seien auch für die amerikanische Rüstungsindustrie von erheblicher Bedeutung. Seine Reise in die Vereinigten Staaten hatte der Verteidigungsminister deshalb ausdrücklich genutzt, um die industrielle Zusammenarbeit mit Washington zu vertiefen. Gemeinsam mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth unterzeichnete er im Pentagon eine Vereinbarung, die gemeinsame Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung sowie Wartung und Instandhaltung von Rüstungsgütern erleichtern soll. Deutschland will dabei seine eigene industrielle Leistungsfähigkeit stärker in die Nato einbringen.

Die feierliche Übergabe in Texas fällt allerdings in eine Phase erheblicher Unsicherheit über die künftige militärische Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa. Das Pentagon überprüft derzeit seine Truppenstationierung auf dem Kontinent. Nach aktuellen Berichten werden mehrere Szenarien untersucht, darunter erhebliche Reduzierungen der derzeit rund 80.000 amerikanischen Soldatinnen und Soldaten in Europa. Eine endgültige Entscheidung ist nicht gefallen. Die Überprüfung soll zugleich den Druck auf die europäischen Nato-Staaten erhöhen, größere Verantwortung für ihre konventionelle Verteidigung zu übernehmen. Reuters berichtete am Freitag, dass Nato-Oberbefehlshaber General Alexus Grynkewich an Beratungen über die laufende Überprüfung teilnahm; US-Verteidigungsminister Hegseth hatte den Prozess im Juni angestoßen. Damit erhält die Übergabe des ersten deutschen F-35 eine Bedeutung, die weit über ein einzelnes Rüstungsprojekt hinausreicht. Deutschland investiert Milliarden in amerikanische Kampfflugzeuge und vertieft gleichzeitig die industrielle Zusammenarbeit mit Washington, während die USA darüber beraten, wie groß ihr militärisches Engagement in Europa künftig sein soll. Für Berlin bedeutet das eine schwierige strategische Balance: Die Bundeswehr soll innerhalb der Nato wesentlich mehr Verantwortung übernehmen, bleibt bei entscheidenden Fähigkeiten aber eng mit den Vereinigten Staaten verbunden. Der F-35 verkörpert diesen Widerspruch wie kaum ein anderes Waffensystem – als Symbol einer stärker bewaffneten Bundesrepublik und gleichzeitig als sichtbares Zeichen dafür, wie eng die deutsche Sicherheit weiterhin mit den USA und der Nato verknüpft ist.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Milliarden für Sicherheit, aber Abhängigkeit bleibt

Die F-35-Beschaffung zeigt exemplarisch, vor welcher strategischen Aufgabe Deutschland steht. Die Bundeswehr muss modernisiert werden, gleichzeitig soll Europa militärisch eigenständiger werden – und ausgerechnet eines der wichtigsten neuen Waffensysteme kommt aus den Vereinigten Staaten. Das ist kein Widerspruch, der sich kurzfristig auflösen lässt. Der F-35 bietet Fähigkeiten, die Deutschland für die nukleare Teilhabe und innerhalb der Nato benötigt. Zugleich macht die aktuelle Debatte über mögliche Veränderungen der amerikanischen Truppenpräsenz deutlich, dass Berlin seine Sicherheitspolitik nicht dauerhaft auf unveränderte politische Rahmenbedingungen in Washington bauen kann. Entscheidend wird deshalb sein, amerikanische Systeme dort einzusetzen, wo sie militärisch erforderlich sind, gleichzeitig aber europäische Fähigkeiten und eine leistungsfähige deutsche Rüstungsindustrie konsequent auszubauen. Die realistische Prognose lautet: Der F-35 wird für Jahrzehnte ein zentraler Bestandteil der deutschen Luftwaffe bleiben, während der politische Druck auf Deutschland wächst, bei konventioneller Abschreckung, Rüstungsproduktion und Verteidigung Europas deutlich mehr Verantwortung zu übernehmen.

Historischer Hintergrund

Der Tornado wurde ab den 1970er-Jahren von Deutschland, Großbritannien und Italien gemeinsam entwickelt und steht seit den 1980er-Jahren im Dienst der Bundeswehr. Über Jahrzehnte gehörte das Kampfflugzeug zu den wichtigsten Systemen der deutschen Luftwaffe. Seine Einsatzdauer wurde mehrfach verlängert, doch Alter, Wartungsaufwand und technische Grenzen machten eine Nachfolgelösung notwendig. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 beschleunigte die damalige Bundesregierung die Modernisierung der Bundeswehr und entschied sich für den amerikanischen F-35A. Ein wesentlicher Grund war die nukleare Teilhabe innerhalb der Nato. Der F-35 ist für diese Aufgabe vorgesehen und soll sie übernehmen, wenn der Tornado außer Dienst gestellt wird. Der Standort Büchel in Rheinland-Pfalz erhält dafür eine umfangreiche neue Infrastruktur. Die Entscheidung bindet Deutschland langfristig an ein internationales F-35-System, das von den USA geführt wird und von zahlreichen Nato-Partnern genutzt wird.

Zukunftsprognose

Mit der Einführung der F-35 verändert sich die deutsche Luftwaffe technologisch erheblich. Militärisch erhält die Bundeswehr ein modernes Kampfflugzeug mit Tarnkappeneigenschaften, leistungsfähiger Sensorik und enger Vernetzung mit verbündeten Streitkräften. Sicherheitspolitisch bleibt die Beschaffung jedoch Teil einer größeren europäischen Debatte: Sollte Washington seine konventionelle Präsenz in Europa tatsächlich reduzieren, müssten Deutschland und andere europäische Nato-Staaten zusätzliche Fähigkeiten schneller aufbauen. Das Pentagon prüft derzeit seine Truppenstruktur in Europa, eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Wirtschaftlich profitieren zunächst vor allem Lockheed Martin und weitere Unternehmen innerhalb der internationalen F-35-Lieferkette. Gleichzeitig versuchen Deutschland und die USA, ihre Rüstungsindustrien enger miteinander zu verbinden und gemeinsame Produktion sowie Lizenzfertigung auszubauen. Für börsennotierte Rüstungsunternehmen können steigende Verteidigungsausgaben grundsätzlich zusätzliche Aufträge bedeuten; aus der Übergabe dieses einzelnen Flugzeugs lassen sich jedoch keine belastbaren unmittelbaren Kurswirkungen ableiten. Direkte Auswirkungen auf Rohstoffe oder Währungen sind ebenfalls nicht feststellbar.

Was ist der F-35A?

Der F-35 Lightning II ist ein Mehrzweckkampfflugzeug des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Die von Deutschland bestellte F-35A ist die konventionell startende und landende Variante. Zu ihren wichtigsten Eigenschaften gehören eine reduzierte Radarsignatur, moderne Sensoren und die Fähigkeit, große Mengen an Gefechtsinformationen zu erfassen und mit anderen Einheiten auszutauschen. Die Bundeswehr will den Flugbetrieb mit der F-35 ab 2027 aufnehmen.

Was bedeutet nukleare Teilhabe?

Deutschland verfügt nicht über eigene Atomwaffen. Im Rahmen der nuklearen Abschreckung der Nato beteiligen sich jedoch mehrere europäische Bündnisstaaten an der Planung und stellen unter anderem Flugzeuge und ausgebildete Besatzungen bereit. Amerikanische Atomwaffen bleiben dabei unter Kontrolle der Vereinigten Staaten. Für einen Einsatz gelten politische und militärische Entscheidungsverfahren innerhalb des Bündnisses. Die F-35 soll bei der Bundeswehr künftig die bisher vom Tornado wahrgenommene Rolle übernehmen.

OZD-Extra – Ein Kampfjet wird zum Symbol der neuen Nato-Arbeitsteilung

Die Übergabe in Fort Worth fällt in eine bemerkenswerte Phase der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Nur wenige Tage zuvor hatten Pistorius und Hegseth vereinbart, die Rüstungsindustrien beider Länder stärker miteinander zu verzahnen. Die USA erwarten gleichzeitig, dass Europa einen größeren Teil seiner konventionellen Verteidigung selbst übernimmt. Der deutsche F-35 steht damit für beide Entwicklungen: Berlin übernimmt militärisch mehr Verantwortung, bleibt bei Schlüsseltechnologien aber eng mit Washington verbunden. Wie tragfähig dieses Modell langfristig ist, dürfte zu einer der wichtigsten sicherheitspolitischen Fragen der kommenden Jahre werden.

Gewinnspiel

Wie viele F-35-Kampfjets hatte Deutschland Ende 2022 zunächst bestellt?

A: 18
B: 25
C: 35
D: 55

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.