Fakten im Überblick
München hat Kiel als Segelstandort für seine Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ausgewählt.
Bereits bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurden die Segelwettbewerbe in Kiel ausgetragen.
Am 26. September entscheidet die DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden über den deutschen Kandidaten für die internationale Bewerbungsphase.
München und Kiel wollen mehr als ein halbes Jahrhundert nach den Olympischen Sommerspielen von 1972 erneut gemeinsam Olympia-Geschichte schreiben. Die bayerische Landeshauptstadt hat Kiel in Schleswig-Holstein als Standort für die olympischen und paralympischen Segelwettbewerbe ausgewählt, falls das Münchner Konzept im nationalen Auswahlverfahren des Deutschen Olympischen Sportbundes zum Zuge kommt. Deutschland strebt eine Bewerbung für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 an. Die Regatten würden auf der Kieler Förde ausgetragen – genau dort, wo bereits 1972 um olympische Medaillen gesegelt wurde.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beschwor bei der Bekanntgabe bewusst die historische Verbindung der beiden Städte. „München und Kiel sind ein perfektes Match. Das gemeinsame Doppel von 1972 lebt wieder auf – Süd und Nord machen gemeinsame Sache. Beide Standorte stehen für hohe Qualität und internationale Strahlkraft“, sagte Söder. Auch Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause verwies auf die gemeinsame olympische Geschichte. Für die Bewerbung ist die Entscheidung strategisch bedeutsam: München kann damit sein Konzept auf einen Segelstandort stützen, der bereits olympische Erfahrung besitzt und regelmäßig große internationale Regatten ausrichtet.
Kiel blickt sogar auf zwei olympische Segelkapitel zurück. Bereits bei den Spielen von 1936 wurden dort Regatten ausgetragen, 1972 folgte die zweite olympische Austragung. Heute ist die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt mit der Kieler Woche international eng mit dem Segelsport verbunden. Zudem befindet sich dort ein Bundesstützpunkt des Deutschen Segler-Verbands. Sechs deutsche Segelverbände, die nach eigenen Angaben etwa drei Viertel der organisierten Segler repräsentieren, hatten sich vor der Entscheidung für Kiel ausgesprochen.
Für München ist die Festlegung auf Kiel ein weiterer wichtiger Schritt kurz vor der nationalen Entscheidung. Berlin, KölnRheinRuhr und München haben ihre finalen Konzepte beim DOSB eingereicht. Nach Angaben des Verbandes erfüllten alle drei Bewerbungen die Anforderungen der ersten beiden Auswahlstufen. München und KölnRheinRuhr konnten ihre gesellschaftliche Unterstützung zudem über Bürgerentscheide dokumentieren. In München hatten sich im Oktober 2025 66,4 Prozent der Abstimmenden für die Olympia-Bewerbung ausgesprochen.
Die entscheidende Abstimmung findet am Samstag, 26. September, bei einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden statt. Dort wird entschieden, mit welchem Konzept Deutschland in die internationale Bewerbungsphase geht. Eine Auswahl durch den DOSB wäre deshalb noch keine Vergabe Olympischer Spiele an München, Berlin oder KölnRheinRuhr. Erst danach würde der deutsche Kandidat im Verfahren des Internationalen Olympischen Komitees gegen internationale Interessenten antreten. Der DOSB befindet sich bereits im Dialog mit dem IOC; weitere Stufen des internationalen Auswahlprozesses folgen in den kommenden Jahren.
Auch die Wahl des Segelreviers ist Teil dieses nationalen Wettbewerbs. Berlin hat sich bereits für Rostock-Warnemünde an der Ostsee entschieden. KölnRheinRuhr musste sich ebenfalls zwischen Kiel und Warnemünde festlegen. Damit reicht die deutsche Olympia-Debatte geografisch weit über die jeweiligen Kernregionen hinaus: Ein Münchner Olympia-Konzept würde Bayern mit Schleswig-Holstein verbinden, während Berlin auf Mecklenburg-Vorpommern setzt.
Mit der Entscheidung für Kiel setzt München zugleich auf das eigene Leitmotiv, das olympische Erbe von 1972 mit einer modernen Bewerbung zu verbinden. Bestehende Sportstätten und bekannte Austragungsorte sollen eine wichtige Rolle spielen. Ob dieses Konzept die DOSB-Delegierten überzeugt, entscheidet sich erst in Baden-Baden. Die Auswahl Kiels steht fest – die Auswahl des deutschen Olympia-Kandidaten dagegen noch nicht.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Olympia-Erbe trifft Zukunftskonzept
Die Verbindung München-Kiel besitzt einen nachvollziehbaren historischen Bezug. Beide Städte waren bereits 1972 Teil derselben Olympischen Spiele, und Kiel verfügt über eine lange Tradition als Austragungsort großer Segelveranstaltungen. Für das Münchner Konzept bedeutet die Entscheidung deshalb vor allem, einen erfahrenen Standort in die Bewerbung einzubinden.
Für die DOSB-Entscheidung spielen allerdings deutlich mehr Kriterien eine Rolle als die Wahl des Segelreviers. Die Konzepte von Berlin, München und KölnRheinRuhr unterscheiden sich unter anderem bei Sportstätten, Verkehr, Unterbringung, regionaler Verteilung und gesellschaftlicher Unterstützung. Der DOSB hat bestätigt, dass alle drei verbliebenen Konzepte die Anforderungen der ersten beiden Auswahlstufen erfüllen.
Welches Modell die Delegierten am Samstag auswählen, ist offen. Die Entscheidung für Kiel konkretisiert das Münchner Konzept, entscheidet den nationalen Wettbewerb aber nicht vor.
Historischer Hintergrund
Die Olympischen Sommerspiele 1972 gehören zu den prägendsten Sportereignissen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Während der Großteil der Wettbewerbe in München stattfand, wurden die Segelregatten rund 850 Kilometer weiter nördlich in Kiel ausgetragen.
Das dafür ausgebaute Olympiazentrum Kiel-Schilksee gehört bis heute zum sportlichen Erbe der Spiele. Kiel war bereits 1936 olympischer Segelstandort und würde bei einer erneuten deutschen Vergabe damit zum dritten Mal Teil Olympischer Sommerspiele werden.
Auch München setzt bei seiner neuen Bewerbung ausdrücklich auf die Hinterlassenschaften von 1972. Das Konzept verbindet vorhandene Sportstätten mit neuen beziehungsweise temporären Anlagen. Ein mögliches Olympisches und Paralympisches Dorf ist im Münchner Nordosten vorgesehen.
Zukunftsprognose
Zunächst richtet sich der Blick auf Baden-Baden. Wird München vom DOSB ausgewählt, würde Kiel fester Bestandteil des deutschen Konzepts für die internationale Bewerbungsphase. Danach beginnt jedoch erst der wesentlich längere Weg durch das Auswahlverfahren des IOC.
Nach Angaben aus Kiel soll ab März 2027 eine weitere IOC-Dialogphase beginnen. Der sogenannte „Targeted Dialogue“ ist ab Ende 2028 vorgesehen; eine weitere wichtige Entscheidung im internationalen Verfahren könnte 2029 folgen.
Wirtschaftlich könnte eine erfolgreiche Bewerbung Investitionen in Sportstätten, Verkehr, Tourismus und Infrastruktur auslösen. Gleichzeitig wären erhebliche öffentliche und private Ausgaben erforderlich. Die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen ließen sich erst anhand eines konkreten Austragungsjahres, des endgültigen Budgets und der Investitionsplanung bewerten.
Unmittelbare Auswirkungen auf Aktien, Euro oder Rohstoffe sind durch die Entscheidung für Kiel nicht zu erwarten. Für Unternehmen aus Bau, Verkehr, Tourismus, Veranstaltungswirtschaft und Sportmarketing könnten spätere Investitionsentscheidungen dagegen wirtschaftlich relevant werden.
Warum wählt München ausgerechnet Kiel?
Kiel verfügt über olympische Erfahrung, eine etablierte Segelinfrastruktur und internationale Bekanntheit durch Veranstaltungen wie die Kieler Woche. Außerdem verbindet München und Kiel die gemeinsame Olympia-Geschichte von 1972.
Was entscheidet der DOSB am Samstag?
Die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes entscheiden in Baden-Baden, welches der verbliebenen Konzepte Deutschland im internationalen Rennen um Olympische und Paralympische Spiele vertreten soll. Zur Auswahl stehen Berlin, KölnRheinRuhr und München.
Bedeutet ein Sieg Münchens schon Olympia in Deutschland?
Nein. Die nationale Auswahl bestimmt lediglich den deutschen Kandidaten. Danach folgt das internationale Verfahren beim IOC. Auch das konkrete Austragungsjahr – 2036, 2040 oder 2044 – steht damit noch nicht automatisch fest.
Was ist das Olympiazentrum Kiel-Schilksee?
Kiel-Schilksee war 1972 das Zentrum der olympischen Segelwettbewerbe. Der Standort an der Kieler Förde ist bis heute eng mit dem Regattasport verbunden und gehört zum olympischen Erbe Schleswig-Holsteins.
OZD-Extra – Kiel könnte zum dritten Mal Olympia erleben
Die Verbindung zwischen Kiel und Olympia reicht weiter zurück als die berühmten Münchner Spiele von 1972. Schon bei den Olympischen Spielen 1936 wurden die Segelwettbewerbe in Kiel ausgetragen. Sollte Deutschland künftig erneut Sommerspiele erhalten und München mit Kiel zum Zuge kommen, wäre es für die Stadt an der Ostsee das dritte olympische Kapitel.
Die Bewerbung besitzt damit eine außergewöhnliche geografische Dimension: München und Kiel liegen Hunderte Kilometer voneinander entfernt und verbinden den Süden Deutschlands mit der Ostseeküste Schleswig-Holsteins. Gerade diese Kombination soll nach dem Willen der Verantwortlichen an das Modell von 1972 anknüpfen.
Gewinnspiel
Wo sollen nach dem Münchner Olympia-Konzept die Segelwettbewerbe stattfinden?
A: Am Bodensee
B: Auf der Kieler Förde
C: Am Chiemsee
D: Auf dem Starnberger See
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.