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Demenz in Deutschland: Fast 1,8 Millionen Menschen betroffen – Zahl dürfte deutlich steigen

Fast 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz. Bis 2050 könnte die Zahl trotz positiver Entwicklungen auf bis zu 2,6 Millionen steigen.

Fakten im Überblick

Fast 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben derzeit mit einer Demenzerkrankung.

Bis 2050 könnte die Zahl der Betroffenen ohne wirksame Therapie auf 2,3 bis 2,6 Millionen steigen.

Etwa zwei Drittel der Menschen mit Demenz haben Alzheimer, die häufigste Form der Erkrankung.

Fast 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenzerkrankung. In den kommenden Jahrzehnten dürfte diese Zahl weiter steigen: Bis 2050 könnten nach neuen Berechnungen zwischen 2,3 und 2,6 Millionen Menschen betroffen sein, sofern keine wirksame Therapie verfügbar wird. Das teilte die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft auf Grundlage aktualisierter Berechnungen mit. Hauptgrund für die erwartete Entwicklung ist die Alterung der Bevölkerung: Immer mehr Menschen erreichen ein Lebensalter, in dem das Risiko einer Demenzerkrankung deutlich zunimmt.

Die Prognose fällt allerdings etwas niedriger aus als noch vor wenigen Jahren. 2023 gingen Fachleute für das Jahr 2050 von bis zu 2,7 Millionen Menschen mit Demenz aus. René Thyrian vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen sieht einen möglichen Grund in einer insgesamt gesünderen Bevölkerung. Der durchschnittliche Beginn einer Demenzerkrankung verschiebe sich im Vergleich zum Stand vor zehn Jahren „tendenziell in ein höheres Alter“. Diese Entwicklung kann den langfristigen Anstieg jedoch nicht vollständig ausgleichen, weil zugleich die Lebenserwartung steigt und besonders geburtenstarke Jahrgänge älter werden.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In absoluten Zahlen leben die meisten Menschen mit Demenz in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands. Dahinter folgen Bayern und Baden-Württemberg. Betrachtet man dagegen den Anteil an der jeweiligen Bevölkerung, fällt die Belastung in mehreren ostdeutschen Ländern höher aus. In Sachsen und Sachsen-Anhalt liegt der Anteil jeweils bei 2,6 Prozent, in Thüringen bei 2,5 Prozent. Eine wichtige Ursache dafür ist das höhere Durchschnittsalter der Bevölkerung.

Das andere Ende der Statistik bilden Großstädte mit vergleichsweise junger Bevölkerung. In Hamburg liegt der Anteil der Menschen mit Demenz bei 1,7 Prozent, in Berlin bei 1,8 Prozent. Die regionalen Unterschiede machen deutlich, dass Demenz nicht nur eine medizinische, sondern auch eine demografische Herausforderung ist. Regionen mit älterer Bevölkerung benötigen entsprechend mehr Pflegeangebote, Beratungsstellen, medizinische Versorgung und Unterstützung für Angehörige.

Ungefähr zwei Drittel aller Menschen mit Demenz leiden an Alzheimer. Die Alzheimer-Krankheit ist damit die häufigste Demenzform. Sie verändert das Gehirn fortschreitend und beeinträchtigt unter anderem Gedächtnis, Denken, Sprache, Orientierung und Urteilsvermögen. Im Verlauf können auch Selbstständigkeit und soziale Fähigkeiten zunehmend verloren gehen. Daneben gehören die vaskuläre Demenz und die frontotemporale Demenz zu den bekannteren Formen. Demenz ist damit kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Oberbegriff für unterschiedliche Erkrankungen mit verschiedenen Ursachen.

Die große Mehrheit der Betroffenen ist älter als 65 Jahre. Demenz kann jedoch auch jüngere Menschen treffen. Rund fünf Prozent der Erkrankten – etwa 85.000 Menschen in Deutschland – sind jünger. Gerade bei ihnen kann eine Erkrankung besondere soziale und wirtschaftliche Folgen haben, weil viele noch berufstätig sind, Kinder versorgen oder andere familiäre Verpflichtungen tragen.

Mit dem Weltalzheimertag am 21. September soll deshalb nicht nur über medizinische Aspekte aufgeklärt werden. Unter dem Motto „Demenz – (k)eine Frage des Alters“ rücken auch das Leben der Betroffenen, die Belastung von Angehörigen und der gesellschaftliche Umgang mit der Erkrankung in den Mittelpunkt. Die neuen Zahlen zeigen dabei eine langfristige Herausforderung: Selbst wenn Demenz im Durchschnitt später beginnt, könnte die Zahl der Erkrankten allein durch die Alterung der deutschen Bevölkerung noch über Jahrzehnte wachsen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Demenz wird zur gesellschaftlichen Generationenaufgabe

Fast 1,8 Millionen Betroffene sind mehr als eine medizinische Statistik. Hinter jedem einzelnen Fall stehen Menschen, Familien und häufig Angehörige, die Betreuung und Pflege über Jahre mittragen. Mit der erwarteten Zunahme bis 2050 wächst deshalb nicht nur der Bedarf an medizinischer Behandlung, sondern auch an Pflegekräften, Tagespflege, Wohnangeboten und Beratung.

Die etwas niedrigere Prognose gegenüber früheren Berechnungen ist eine positive Entwicklung. Sie ändert aber nichts an der Größenordnung der Herausforderung. Deutschland wird älter – und damit wächst die Gruppe jener Menschen, bei denen Demenzerkrankungen besonders häufig auftreten.

Entscheidend wird deshalb sein, medizinische Forschung, Prävention und Pflegeinfrastruktur gemeinsam weiterzuentwickeln. Fortschritte, die den Beginn einer Erkrankung verzögern oder ihren Verlauf bremsen, könnten nicht nur für Betroffene einen erheblichen Unterschied machen, sondern auch Familien und das Gesundheits- und Pflegesystem entlasten.

Historischer Hintergrund

Demenz begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten, wurde aber lange als unvermeidliche Begleiterscheinung hohen Alters betrachtet. Erst mit Fortschritten in Neurologie und Psychiatrie konnten unterschiedliche Demenzformen genauer voneinander unterschieden werden.

Besonders prägend war der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer. Er beschrieb Anfang des 20. Jahrhunderts die auffälligen Veränderungen im Gehirn einer Patientin, die unter Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und weiteren Symptomen gelitten hatte. Die später nach ihm benannte Alzheimer-Krankheit entwickelte sich zum bekanntesten Krankheitsbild innerhalb der Demenzen.

Heute ist bekannt, dass Demenz unterschiedliche Ursachen haben kann. Gleichzeitig haben die steigende Lebenserwartung und der demografische Wandel das Thema in Deutschland, Europa und vielen anderen alternden Gesellschaften erheblich an Bedeutung gewinnen lassen.

Zukunftsprognose

Bis 2050 rechnen die Fachleute in Deutschland mit 2,3 bis 2,6 Millionen Menschen mit Demenz, sofern keine wirksame Therapie die Entwicklung grundlegend verändert. Damit könnte die Nachfrage nach Pflege, neurologischer und hausärztlicher Versorgung sowie Unterstützungsangeboten deutlich steigen.

Wirtschaftlich dürfte vor allem das Gesundheits- und Pflegesystem gefordert sein. Neben professioneller Pflege entstehen erhebliche indirekte Belastungen, wenn Angehörige ihre Erwerbsarbeit reduzieren oder ganz aufgeben müssen, um Erkrankte zu betreuen.

Gesellschaftlich wird zudem die Frage wichtiger, wie Städte und Gemeinden demenzfreundlicher gestaltet werden können. Dazu gehören verständliche Orientierungssysteme, geeignete Wohnformen, wohnortnahe Beratung und Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe.

International betrifft diese Entwicklung nicht allein Deutschland. Viele Industriestaaten sowie zunehmend auch Schwellenländer erleben eine Alterung ihrer Bevölkerung. Fortschritte bei Diagnose, Prävention und Therapie hätten deshalb weltweite Bedeutung.

Was ist Demenz?

Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten dauerhaft beeinträchtigt werden. Betroffen sein können Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Denken, Urteilsvermögen und die Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu bewältigen.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Dabei werden Nervenzellen und ihre Verbindungen im Gehirn zunehmend geschädigt. Die Erkrankung entwickelt sich meist über Jahre und führt zu fortschreitenden Einschränkungen geistiger und später häufig auch körperlicher Fähigkeiten.

Was ist vaskuläre Demenz?

Die vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn. Gefäßschäden oder Schlaganfälle können Gehirngewebe schädigen und dadurch kognitive Fähigkeiten beeinträchtigen.

Was ist frontotemporale Demenz?

Bei der frontotemporalen Demenz sind vor allem Bereiche im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns betroffen. Veränderungen von Persönlichkeit, Verhalten oder Sprache können dabei früh auftreten. Sie kann auch Menschen in vergleichsweise jungem Alter treffen.

OZD-Extra – Der Osten hat den höchsten Bevölkerungsanteil mit Demenz

Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt einen wichtigen Unterschied zwischen absoluten Fallzahlen und dem Anteil an der Bevölkerung. Nordrhein-Westfalen hat wegen seiner hohen Einwohnerzahl die meisten Menschen mit Demenz. Prozentual liegen jedoch Sachsen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 2,6 Prozent vorn, gefolgt von Thüringen mit 2,5 Prozent.

Dahinter steht vor allem die Altersstruktur. Wo ein größerer Anteil der Bevölkerung ein hohes Lebensalter erreicht hat, leben statistisch auch mehr Menschen mit Demenz.

Bemerkenswert ist zugleich, dass rund 85.000 Betroffene in Deutschland jünger als 65 Jahre sind. Demenz ist damit zwar überwiegend, aber keineswegs ausschließlich eine Erkrankung des hohen Alters.

Gewinnspiel

Wie viele Menschen könnten nach den neuen Berechnungen im Jahr 2050 in Deutschland mit Demenz leben?

A: Höchstens 900.000
B: Rund 1,2 Millionen
C: Zwischen 2,3 und 2,6 Millionen
D: Mehr als fünf Millionen

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.