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Olympia-Aus für Berlin eskaliert zum Politstreit: Wegner macht Linke für Rückzug verantwortlich

Berlins Olympia-Traum ist vorerst beendet. Kai Wegner gibt der Linken eine Mitverantwortung – doch auch die schwächere DOSB-Bewertung belastete die Bewerbung.

Fakten im Überblick

Berlin hat seine Bewerbung für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 vor der entscheidenden DOSB-Abstimmung zurückgezogen.

Kai Wegner macht fehlende politische Stabilität nach dem Wahlsieg der Linken und Äußerungen von Spitzenkandidatin Elif Eralp für den Rückzug mitverantwortlich; die Linke weist diese Darstellung zurück.

In der DOSB-Evaluierung erhielt Berlin+ 74,64 Punkte und die Note „gut“, während München mit 87,03 und KölnRheinRuhr mit 85,02 Punkten jeweils „sehr gut“ bewertet wurden.

Der Rückzug Berlins aus dem deutschen Rennen um Olympische und Paralympische Sommerspiele hat unmittelbar nach der Abgeordnetenhauswahl einen heftigen politischen Streit ausgelöst. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sieht die fehlende langfristige politische Unterstützung nach dem Wahlsieg der Linken als entscheidendes Problem der Bewerbung. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte nach der Wahl ihre ablehnende Haltung gegenüber Olympia erneut deutlich gemacht. Nach Darstellung Wegners und des Berliner Olympiabeauftragten Kaweh Niroomand hätten die Sportverbände daraufhin signalisiert, dass die für eine langfristige Bewerbung erforderliche politische Stabilität nicht mehr gegeben sei. Niroomand erklärte, Berlin habe vermeiden wollen, bei der Abstimmung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Baden-Baden mit einer sehr niedrigen Stimmenzahl auszuscheiden.

Die Linke weist diese Schuldzuweisung zurück. Fraktionschef Tobias Schulze argumentiert, der Evaluierungsbericht des DOSB sei über Wochen und Monate entstanden und könne deshalb nicht auf das Ergebnis der Berliner Wahl zurückgeführt werden. Aus Sicht seiner Partei trägt vielmehr der bisherige schwarz-rote Senat die Verantwortung für ein Bewerbungskonzept, das bei der Bewertung hinter München und KölnRheinRuhr landete. Diese Zahlen sind eindeutig: Die DOSB-Evaluierungskommission vergab an München 87,03 von 100 Punkten, an KölnRheinRuhr 85,02 Punkte und an Berlin+ 74,64 Punkte. München und KölnRheinRuhr wurden als „sehr gut“, Berlin als „gut“ bewertet. Die Evaluation war ausdrücklich als sachliche Entscheidungsgrundlage für die Delegierten der DOSB-Mitgliederversammlung vorgesehen.

Wegner und Niroomand weisen dennoch zurück, dass das Berliner Konzept selbst ausschlaggebend für den Rückzug gewesen sei. „An dem Konzept hat es nicht gelegen“, sagte Niroomand. Aus ihrer Sicht war vielmehr die langfristige politische Verlässlichkeit entscheidend. Das ist bei einer möglichen Olympiabewerbung tatsächlich ein relevantes Kriterium: Der DOSB hatte bereits im Bewerbungsprozess verlangt, dass die Kandidaturen politisch und gesellschaftlich abgesichert werden. München und KölnRheinRuhr erreichten Zwei-Drittel-Mehrheiten in Bürgerentscheiden, während Berlin seine politische Unterstützung über einen mit Zwei-Drittel-Mehrheit gefassten Beschluss des Abgeordnetenhauses dokumentierte.

Die Auseinandersetzung erhält zusätzliche Brisanz durch die laufende Regierungsbildung in Berlin. Nach ihrem Wahlsieg will die Linke Gespräche über ein Bündnis mit Grünen und SPD führen. Rechnerisch bestehen jedoch auch andere Koalitionsmöglichkeiten. Die CDU versucht in dieser Situation, SPD und Grüne von einem Regierungsbündnis unter Führung der Linken abzuhalten. Das Olympia-Aus wird damit Teil einer größeren politischen Debatte über die künftige Richtung der Hauptstadt. Wegner bezeichnete Olympische Sommerspiele als „Riesenchance“ und „große Zukunftsvision“ für Berlin und Ostdeutschland. Die Linke hält dagegen an ihrer ablehnenden Haltung fest. Damit stehen sich nicht nur unterschiedliche Bewertungen des Bewerbungsprozesses gegenüber, sondern grundsätzlich verschiedene Vorstellungen über Großprojekte, öffentliche Investitionen und Stadtentwicklung.

Bemerkenswert ist zugleich, dass Wegner und Niroomand die ebenfalls olympiakritischen Grünen deutlich anders bewerten. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf habe sich unmittelbar vor der anstehenden DOSB-Entscheidung nicht öffentlich gegen die Bewerbung gestellt, argumentierten die Berliner Olympia-Befürworter. Die Grünen wiederum verweisen darauf, dass Berlin in der DOSB-Evaluation hinter den beiden Konkurrenten lag. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Klara Schedlich erklärte nach dem Rückzug, die Bewerbung habe weder beim DOSB ausreichend überzeugt noch sei es dem Senat gelungen, in der Bevölkerung genügend Begeisterung zu schaffen.

Mit dem Berliner Rückzug reduziert sich das deutsche Bewerberfeld auf München und KölnRheinRuhr. Der DOSB entscheidet am Samstag, 26. September, bei seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung im Kurhaus Baden-Baden über den deutschen Kandidaten für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Hamburg war zuvor nach dem negativen Ausgang seines Referendums ausgestiegen. Die endgültige internationale Vergabe liegt beim Internationalen Olympischen Komitee. Nach Angaben des DOSB ist derzeit nicht abschließend festgelegt, wann das IOC die nächsten Spiele vergibt; in den aktuellen Planungen für den deutschen Auswahlprozess wird mit einer Vergabe 2029 gerechnet.

Für Berlin endet damit ein Konzept, das weit über die Stadtgrenzen hinausging. Berlin+ sah Austragungsorte und Partner in weiteren ostdeutschen Bundesländern vor. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bedauerte den Rückzug und bezeichnete das gemeinsame Konzept als starkes Zeichen länderübergreifender Zusammenarbeit. Berlin will nach Angaben Wegners nun denjenigen deutschen Kandidaten unterstützen, der sich im nationalen Verfahren durchsetzt. Für die Hauptstadt selbst ist die Olympia-Perspektive damit auf absehbare Zeit beendet – die politische Auseinandersetzung darüber dürfte dagegen noch länger andauern.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Beim Olympia-Aus treffen zwei Erklärungen aufeinander

Nach dem Rückzug Berlins stehen zwei politische Erzählungen gegeneinander. Wegner und Niroomand stellen die fehlende langfristige politische Stabilität nach dem Wahlsieg der Linken in den Mittelpunkt. Die Linke und Teile der Grünen verweisen dagegen auf die bereits zuvor schwächere Bewertung des Berliner Konzepts durch den DOSB. Beide Faktoren sind im Bewerbungsprozess dokumentiert: Berlin lag in der Evaluation hinter München und KölnRheinRuhr, zugleich gehörte politische und gesellschaftliche Stabilität ausdrücklich zu den Anforderungen an die Bewerber.

Nicht belegt ist damit eine einfache monokausale Schuldzuweisung. Die Evaluierung entstand vor Eralps jüngsten Äußerungen und bewertete Berlin bereits schlechter als die beiden verbliebenen Konkurrenten. Gleichzeitig konnte die öffentlich bekräftigte Ablehnung durch die stärkste Partei nach der Wahl Zweifel daran verstärken, ob eine über viele Jahre laufende Bewerbung politisch getragen worden wäre.

Für die Regierungsbildung bekommt der Streit trotzdem erhebliche Bedeutung. CDU, Linke, SPD und Grüne können das Olympia-Aus nutzen, um ihre jeweiligen Vorstellungen von Stadtentwicklung, Investitionen und politischer Verlässlichkeit zu verdeutlichen. Für die Berlinerinnen und Berliner ist deshalb entscheidend, zwischen überprüfbaren Fakten des Bewerbungsverfahrens und den politischen Bewertungen der Parteien zu unterscheiden.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Olympia lediglich ein erster Konflikt nach der Wahl war oder zu einem grundsätzlichen Streitpunkt bei möglichen Koalitionsverhandlungen wird.

Historischer Hintergrund

Berlin besitzt eine besondere olympische Geschichte. Die Hauptstadt war Austragungsort der Sommerspiele 1936 während der nationalsozialistischen Diktatur. Die Spiele wurden vom NS-Regime propagandistisch instrumentalisiert. Eine erneute Berliner Bewerbung steht deshalb immer auch in einem besonderen historischen Kontext.

Deutschland richtete Sommerspiele zuletzt 1972 in München aus. Die Spiele wurden durch den Terroranschlag auf die israelische Mannschaft überschattet, bei dem elf israelische Teammitglieder und ein deutscher Polizist getötet wurden.

In den vergangenen Jahrzehnten scheiterten mehrere deutsche Olympia-Anläufe. Auch Bürgerentscheide spielten dabei wiederholt eine wichtige Rolle. Im aktuellen Verfahren verlangte der DOSB deshalb ausdrücklich eine belastbare gesellschaftliche und politische Absicherung der Kandidaturen.

Für die aktuelle Bewerbung kommen die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 infrage. Nach dem Rückzug Hamburgs und Berlins bleiben München und KölnRheinRuhr im nationalen Auswahlverfahren.

Zukunftsprognose

Politisch wird der Berliner Olympia-Rückzug zunächst in die Koalitionsdebatten nach der Abgeordnetenhauswahl hineinwirken. Die Parteien dürften dabei nicht nur über Olympia sprechen, sondern auch über die grundsätzliche Frage, welche großen Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekte Berlin in den kommenden Jahren verfolgen soll.

Wirtschaftlich lässt sich nicht seriös beziffern, welche Investitionen Berlin durch den Rückzug tatsächlich entgehen. Olympia-Befürworter verweisen auf mögliche Impulse für Verkehr, Sportstätten, Tourismus und Stadtentwicklung. Kritiker halten dagegen, dass Großveranstaltungen erhebliche öffentliche Kosten und finanzielle Risiken verursachen können. Diese unterschiedlichen Bewertungen werden auch international seit Jahren diskutiert.

Für Börsen, Aktien, Rohstoffe und Währungen sind durch Berlins Rückzug keine unmittelbaren relevanten Auswirkungen zu erwarten. Lokal können sich dagegen Prioritäten bei langfristigen Infrastruktur- und Bauprojekten verändern.

International bleibt Deutschland im Rennen. Am 26. September entscheidet der DOSB zwischen München und KölnRheinRuhr. Der ausgewählte Standort soll anschließend die deutsche Bewerbung gegenüber dem IOC vertreten.

Warum hat Berlin seine Olympiabewerbung zurückgezogen?

Die Berliner Verantwortlichen begründen den Rückzug vor allem mit fehlender langfristiger politischer Stabilität und den dadurch gesunkenen Erfolgsaussichten bei der DOSB-Abstimmung. Die Linke widerspricht dieser Darstellung und verweist auf die bereits zuvor schwächere Bewertung des Berliner Konzepts.

Wie wurde Berlin vom DOSB bewertet?

Berlin+ erreichte 74,64 von 100 Punkten und erhielt die Bewertung „gut“. München kam auf 87,03 Punkte und KölnRheinRuhr auf 85,02 Punkte; beide Konzepte wurden als „sehr gut“ eingestuft.

Wer entscheidet über die deutsche Olympiabewerbung?

Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet in seinem nationalen Auswahlverfahren über den deutschen Kandidaten. Die Abstimmung findet am 26. September bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden statt. Über die tatsächliche Vergabe Olympischer und Paralympischer Spiele entscheidet später das Internationale Olympische Komitee.

Was war Berlin+?

Berlin+ war das Konzept der Hauptstadt für Olympische und Paralympische Sommerspiele. Die Bewerbung bezog weitere Standorte außerhalb Berlins ein und sollte damit einen länderübergreifenden Ansatz verfolgen.

OZD-Extra – Berlin lag in der Bewertung mehr als zehn Punkte hinter beiden Konkurrenten

Die Zahlen des DOSB zeigen, warum die politische Schulddebatte allein nicht das vollständige Bild des Rückzugs liefert. München erreichte 87,03 Punkte, KölnRheinRuhr 85,02 Punkte und Berlin 74,64 Punkte. Zwischen Berlin und dem zweitplatzierten Konzept lagen damit mehr als zehn Bewertungspunkte.

Gleichzeitig bedeutete die Einstufung als „gut“ nicht, dass das Berliner Konzept grundsätzlich ungeeignet war. Der DOSB bezeichnete alle drei eingereichten Konzepte als stark. München und KölnRheinRuhr erreichten in den untersuchten Kategorien jedoch eine höhere Gesamtbewertung.

Hinzu kam ein struktureller Unterschied: München und KölnRheinRuhr konnten ihre gesellschaftliche Unterstützung durch erfolgreiche Bürgerentscheide dokumentieren. In Berlin gab es stattdessen einen Beschluss des Abgeordnetenhauses mit Zwei-Drittel-Mehrheit.

Damit lässt sich das Berliner Olympia-Aus weder allein auf die Wahl noch allein auf die DOSB-Bewertung reduzieren. Genau dieser Zusammenhang dürfte die politische Debatte in der Hauptstadt weiter prägen.

Gewinnspiel

Welche beiden Bewerber bleiben nach dem Rückzug Berlins im deutschen Olympia-Rennen?

A: Hamburg und München

B: München und KölnRheinRuhr

C: Berlin und Hamburg

D: Frankfurt und Leipzig

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.