Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

G20-Einladung für Putin sorgt für Debatte: Berlin stimmt weiteres Vorgehen mit Partnern ab

Die USA laden Wladimir Putin zum G20-Gipfel in Miami ein. Berlin hat über sein Vorgehen noch nicht entschieden und stimmt sich mit seinen Partnern ab.

Fakten im Überblick

Die USA haben Russlands Präsident Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen.

Die Bundesregierung hat noch nicht über ihr Vorgehen entschieden und betont angesichts des Ukraine-Kriegs, es gebe „keine Normalität im Umgang mit Russland“.

Die Europäische Union will den russischen Krieg gegen die Ukraine beim G20-Gipfel unabhängig von den Teilnehmern weiterhin verurteilen.

Die Einladung von Russlands Präsident Wladimir Putin zum G20-Gipfel in den USA stellt Deutschland und seine europäischen Partner vor eine diplomatisch schwierige Situation. Die Bundesregierung hat noch nicht entschieden, wie sie mit einer möglichen persönlichen Teilnahme Putins im Dezember in Miami umgehen wird. „Für die Bundesregierung gibt es angesichts des Kriegs in der Ukraine keine Normalität im Umgang mit Russland“, erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Donnerstag in Berlin. „Die Vorbereitungen zum Gipfel sind im Gang, auch zu dieser Frage. Wir stimmen uns dazu mit den Partnern ab.“ Berlin habe die Einladung der USA „zur Kenntnis“ genommen. Zugleich verwies Kornelius darauf, dass Putin bislang selbst noch keine Entscheidung über seine Teilnahme getroffen habe.

Auch in Moskau ist die Teilnahme damit noch offen. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland habe die Einladung „mit Dank entgegen genommen“ und messe ihr „große Bedeutung“ bei. „Wir werden sie prüfen und dann eine entsprechende Entscheidung treffen“, sagte er. Die Einladung war von US-Außenminister Marco Rubio ausgesprochen worden. Washington begründet den Schritt mit der Notwendigkeit direkter Gespräche auch zwischen Staaten, deren Positionen weit auseinanderliegen. „Um Probleme zu lösen, muss man sich mit den Menschen treffen, mit denen man nicht übereinstimmt oder mit denen es möglicherweise Schwierigkeiten gibt“, sagte Rubio nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Die Europäische Union will ihre Haltung zum russischen Krieg gegen die Ukraine durch eine mögliche Teilnahme Putins nicht verändern. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, Brüssel habe Russlands Krieg seit Beginn der großangelegten Invasion 2022 bei G20-Treffen verurteilt und werde diesen Kurs „unabhängig der Teilnehmer“ fortsetzen. Zugleich verwies die Kommission darauf, dass Russland weiterhin Mitglied der G20 ist und damit grundsätzlich an deren Treffen teilnehmen kann.

Die Einladung ist Teil eines veränderten diplomatischen Kurses der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump. Washington setzt stärker auf direkte Gespräche mit Moskau und argumentiert, dass eine Lösung des Ukraine-Kriegs Kontakte mit der russischen Führung voraussetze. Für Deutschland und andere europäische Staaten entsteht daraus ein Spannungsfeld: Einerseits ist die G20 ein zentrales internationales Forum, in dem neben westlichen Staaten unter anderem China, Indien und weitere große Volkswirtschaften vertreten sind. Andererseits wollen Berlin und Brüssel vermeiden, dass eine Teilnahme Putins als Rückkehr zu normalen politischen Beziehungen mit Russland interpretiert wird.

Zusätzliche Bedeutung erhält das Treffen durch die Bereitschaft des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu direkten Gesprächen. Selenskyj erklärte, der G20-Gipfel könne eine Gelegenheit für ein trilaterales Treffen zwischen der Ukraine, den USA und Russland bieten, sofern sich die Beteiligten auf ein solches Format verständigen. Der Kreml hat ein Treffen Putins mit Selenskyj in Miami bislang jedoch abgelehnt.

Der Hintergrund bleibt der andauernde russische Krieg gegen die Ukraine. Diplomatische Kontakte zwischen Washington und Moskau haben bislang keinen Durchbruch gebracht. Gleichzeitig dauern russische Angriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur an. Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine weiterhin und setzt zugleich auf diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges. Erst Mitte September erklärte Regierungssprecher Kornelius, Deutschland werde an seinen Prinzipien festhalten und die Ukraine bei der Abwehr der russischen Aggression unterstützen.

Für die Bundesregierung dürfte deshalb nicht allein entscheidend sein, ob Putin tatsächlich nach Florida reist. Ebenso wichtig wird sein, wie Deutschland und die europäischen Partner bei einem solchen Treffen auftreten, welche diplomatischen Kontakte stattfinden und ob der Gipfel konkrete Bewegung in die Verhandlungen über den Ukraine-Krieg bringen kann. Die deutsche Position ist vorerst bewusst offen: Teilnahmefragen werden abgestimmt, eine politische Normalisierung gegenüber Moskau schließt Berlin angesichts des Krieges jedoch aus.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Zwischen Gesprächsbereitschaft und politischer Distanz

Die Einladung Putins zum G20-Gipfel bringt zwei außenpolitische Grundsätze miteinander in Konflikt. Internationale Krisen können langfristig kaum ohne Gespräche mit den beteiligten Staaten gelöst werden. Gleichzeitig besteht für Deutschland und andere europäische Länder die Frage, wie solche Gespräche geführt werden können, ohne den Eindruck einer Normalisierung der Beziehungen zu erzeugen, solange der Krieg gegen die Ukraine andauert.

Washington setzt stärker auf direkte Kontakte. Die Bundesregierung betont dagegen öffentlich, dass ihr Umgang mit Russland weiterhin vom Ukraine-Krieg bestimmt wird. Diese Positionen müssen sich nicht grundsätzlich ausschließen: Diplomatische Gespräche können stattfinden, während politische Differenzen und Sanktionen bestehen bleiben.

Entscheidend wird deshalb weniger das gemeinsame Erscheinen bei einem Gipfel sein als dessen konkreter Inhalt. Sollte Miami tatsächlich direkte Gespräche zwischen den wichtigsten Beteiligten ermöglichen, wird sich deren Bedeutung daran messen lassen, ob daraus belastbare diplomatische Schritte entstehen.

Bis Dezember bleibt zudem eine zentrale Frage offen: Putin hat seine Teilnahme noch nicht bestätigt. Die Bundesregierung stimmt ihr Vorgehen deshalb zunächst mit ihren Partnern ab.

Historischer Hintergrund

Die G20 wurde Ende der 1990er-Jahre als Forum wichtiger Industrie- und Schwellenländer gegründet. Seit der globalen Finanzkrise 2008 treffen sich die Staats- und Regierungschefs regelmäßig auf Gipfelebene. Neben Deutschland, den USA und Russland gehören unter anderem China, Indien, Japan und Brasilien zum Kreis; auch die Europäische Union ist Mitglied.

Russland blieb auch nach Beginn der großangelegten Invasion der Ukraine im Februar 2022 Mitglied der G20. Anders verlief die Entwicklung in der G8: Nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 wurde Russland aus dem damaligen Format ausgeschlossen, das seither wieder als G7 arbeitet.

Seit 2022 sind G20-Treffen deshalb regelmäßig Schauplatz der Auseinandersetzung über den Ukraine-Krieg. Westliche Staaten verurteilten Russlands Vorgehen, während andere G20-Mitglieder gegenüber Moskau teilweise andere Positionen einnehmen.

Gerade diese unterschiedlichen Interessen machen die G20 diplomatisch bedeutsam: Sie bringt Staaten an einen Tisch, die in zentralen geopolitischen Fragen weit auseinanderliegen.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte Putins mögliche Teilnahme bis zum Dezember-Gipfel Gegenstand intensiver Abstimmungen zwischen Deutschland, der EU und weiteren Partnerstaaten bleiben. Berlin hat sich bislang ausdrücklich nicht auf ein konkretes Vorgehen festgelegt.

Diplomatisch könnte der Gipfel neue Gesprächsmöglichkeiten eröffnen. Ob daraus konkrete Verhandlungen über den Ukraine-Krieg entstehen, ist derzeit offen. Selenskyj hat Bereitschaft zu einem trilateralen Format signalisiert, während Moskau einem Treffen in Miami bislang ablehnend gegenübersteht.

Wirtschaftlich bleibt der Umgang mit Russland eng mit Sanktionen, Energiepolitik und Handelsbeziehungen verbunden. Eine bloße Gipfelteilnahme würde diese Rahmenbedingungen nicht automatisch verändern.

Für Börsen, Aktien und den Euro wäre entscheidender, ob der Gipfel tatsächlich zu einer diplomatischen Entspannung führt. Besonders empfindlich könnten Energiemärkte reagieren, falls sich daraus konkrete Veränderungen bei Sanktionen, Energieexporten oder der Sicherheitslage ergeben. Eine belastbare Marktreaktion lässt sich vor solchen Entscheidungen jedoch nicht vorhersagen.

Was ist die G20?

Die Gruppe der 20 ist ein internationales Forum bedeutender Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen und Afrikanischen Union. Die Mitglieder repräsentieren einen großen Teil der weltweiten Wirtschaftsleistung und Bevölkerung. Im Mittelpunkt stehen Wirtschafts- und Finanzfragen, zunehmend aber auch geopolitische Krisen.

Warum ist Russland weiterhin Mitglied der G20?

Russland wurde nach Beginn des Ukraine-Kriegs nicht aus der G20 ausgeschlossen. Die Europäische Kommission weist deshalb darauf hin, dass Russland weiterhin Mitglied ist und grundsätzlich an den Treffen teilnehmen kann.

Warum ist eine Teilnahme Putins politisch so umstritten?

Seit Russlands großangelegtem Angriff auf die Ukraine 2022 haben Deutschland und zahlreiche andere westliche Staaten ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Moskau erheblich eingeschränkt. Ein persönlicher Auftritt Putins bei einem großen internationalen Gipfel wirft deshalb die Frage auf, wie diplomatischer Austausch und politische Isolation miteinander vereinbart werden können.

Wer entscheidet, ob Deutschland am Gipfel teilnimmt?

Über die deutsche Vertretung entscheidet die Bundesregierung. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, die Vorbereitungen liefen und Berlin stimme sich auch zur Frage einer möglichen Putin-Teilnahme mit seinen Partnern ab.

OZD-Extra – Warum G20 und G7 im Umgang mit Russland unterschiedliche Wege gingen

Ein entscheidender Unterschied zwischen G7 und G20 liegt in ihrer Zusammensetzung. Die G7 vereint westlich orientierte Industriestaaten und Japan. Russland gehörte dem früheren G8-Format an, wurde aber nach der Annexion der Krim 2014 ausgeschlossen.

Die G20 ist wesentlich breiter aufgestellt. Staaten wie China, Indien, Brasilien und weitere Schwellenländer gehören dazu und verfolgen gegenüber Russland teilweise andere außenpolitische Interessen als Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder die USA.

Ein Ausschluss Russlands aus diesem Format wäre deshalb politisch wesentlich schwieriger durchzusetzen. Die EU-Kommission betont aktuell ausdrücklich, dass Russland weiterhin G20-Mitglied ist und deshalb grundsätzlich ein Teilnahmerecht besitzt.

Das erklärt auch die besondere Bedeutung des geplanten Gipfels in Miami: Dort könnten Staaten zusammentreffen, deren Positionen zum Ukraine-Krieg erheblich voneinander abweichen. Ob daraus neue diplomatische Möglichkeiten entstehen, hängt jedoch von den tatsächlichen Teilnehmern und den Gesprächen im Dezember ab.

Gewinnspiel

In welcher US-Stadt soll der G20-Gipfel im Dezember stattfinden?

A: New York

B: Washington

C: Miami

D: Los Angeles

Zum großen OZD-Gewinnspiel 2026 – Gutscheine gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.