Fakten im Überblick
Deutschland spielt beim ersten Länderspiel unter Bundestrainer Jürgen Klopp in Amsterdam 1:1 gegen die Niederlande.
Felix Nmecha bringt die DFB-Elf in der 32. Minute in Führung, Cody Gakpo gleicht in der zweiten Minute der Nachspielzeit aus.
Philipp Treu, Younes Ebnoutalib und Yannik Engelhardt feiern ihr Länderspieldebüt, Jamal Musiala und Kai Havertz fallen verletzt aus.
Jürgen Klopp schnappte sich nach dem Schlusspfiff ausgerechnet den Mann, der ihm wenige Augenblicke zuvor den perfekten Einstand als Bundestrainer genommen hatte. Eine herzliche Umarmung für Cody Gakpo, seinen früheren Spieler beim FC Liverpool, dann klatschte Klopp auch seine deutschen Spieler ab. Der erhoffte Premierensieg war zwar in letzter Minute verloren gegangen, doch beim 1:1 (1:0) gegen die Niederlande in Amsterdam zeigte die deutsche Nationalmannschaft 87 Tage nach dem enttäuschenden WM-Aus ein deutlich anderes Gesicht. Leidenschaft, aggressives Pressing und hoher Einsatz waren beim Nations-League-Auftakt über weite Strecken sichtbar – nur die Führung brachte die DFB-Elf nicht über die Zeit.
Felix Nmecha von Borussia Dortmund hatte Deutschland in der 32. Minute in Führung gebracht. Der Treffer ließ Klopp bei seinem ersten Spiel auf der deutschen Trainerbank lange vom Traumstart hoffen. Doch je länger die Partie dauerte, desto stärker erhöhte die niederländische Mannschaft den Druck. Deutschland verteidigte zunehmend tief, Torhüter Marc-André ter Stegen rückte immer stärker in den Mittelpunkt. In der zweiten Minute der Nachspielzeit fiel schließlich der Ausgleich: Nach einem deutschen Ballverlust traf Gakpo zum 1:1 und verhinderte damit ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Liverpool-Trainer Klopps ersten Sieg als Bundestrainer.
„Wir wollten eklig sein, sie stressen, Powerfußball spielen - das hat super geklappt, aber hinten raus war es zu passiv“, sagte Debütant Philipp Treu bei RTL: „Aber mein Gott, die Niederländer sind eingespielt. Jeder hat sich reingehauen, genau so muss man spielen.“
Klopp hatte schon vor dem Anpfiff deutlich gemacht, worauf es ihm bei seinem ersten Auftritt ankommen würde. Der neue Bundestrainer berichtete von Nachrichten „im Sekundentakt“ und sagte angesichts der enormen Aufmerksamkeit: „Ich hoffe, dass ich dieser besonderen Situation gerecht werden kann.“ Von seiner Mannschaft verlangte er vor allem „Spieler, die sich füreinander in den nächsten Zweikampf schmeißen“. Seine Botschaft vor dem Start war entsprechend ambitioniert: „Heute kann der erste Tag unserer wunderbaren Zukunft sein. Unseren Träumen sind keine Grenzen gesetzt.“
Doch noch bevor der Ball rollte, musste Klopp improvisieren. Jamal Musiala klagte beim Aufwärmen über Oberschenkelprobleme und konnte nicht spielen. Nadiem Amiri rückte für den Bayern-Profi auf die Zehnerposition und eröffnete mit dem Anstoß um 20.47 Uhr offiziell die neue DFB-Ära. Klopp stand mit schwarzer „Einer von 83 Millionen“-Cap und weißen Sportschuhen an der Seitenlinie und trieb seine Mannschaft mit der von ihm bekannten Intensität an. Der gewünschte Einsatz war sofort erkennbar, spielerisch musste sich Deutschland gegen eine starke niederländische Mannschaft aber immer wieder aus schwierigen Situationen befreien.
Früh hatte die DFB-Auswahl Glück. Nach einer Ecke köpfte Virgil van Dijk in der 13. Minute den Ball ins deutsche Tor, doch der Treffer wurde nicht anerkannt. Brian Brobbey hatte ter Stegen zuvor im Torraum bedrängt. Danach übernahm Oranje zunehmend die Kontrolle. Besonders bitter für Deutschland: Quinten Timber traf Kai Havertz mit offener Sohle am rechten Oberschenkel. Der Arsenal-Profi musste angeschlagen ausgewechselt werden. Für ihn kam Younes Ebnoutalib, der damit nach Treu als zweiter Spieler an diesem Abend sein Debüt unter Klopp feierte.
Ebnoutalib setzte unmittelbar ein Zeichen und gab in der 31. Minute den ersten deutschen Torschuss ab. Nur wenig später folgte die Führung. Kapitän Joshua Kimmich, von Klopp wieder ins zentrale Mittelfeld beordert, spielte Treu auf der rechten Seite frei. Der Freiburger brachte den Ball scharf in den Strafraum, wo Nmecha einen Abpraller konsequent zum 1:0 verwertete. Proteste der Niederländer, weil sich Brobbey zuvor verletzt hatte, änderten nichts am Treffer. Kurz darauf hatte Karim Adeyemi sogar das 2:0 auf dem Fuß, vergab in der 39. Minute jedoch freistehend. Klopp reagierte nicht mit Ärger, sondern klatschte aufmunternd.
Nach der Pause wurde die Belastungsprobe für die deutsche Defensive immer größer. Die Niederländer drängten vehement auf den Ausgleich, während Deutschland im Mittelfeld zunehmend Räume preisgab. Kimmich hielt seine Position auf der Sechs, erhielt von Nmecha und Amiri jedoch nicht immer ausreichend Unterstützung. Dadurch entstanden Lücken, die Oranje wiederholt nutzen konnte. Der eingewechselte Mexx Meerdink vergab mehrere große Möglichkeiten, auch Ruben van Bommel scheiterte an ter Stegen. Deutschland kam nur noch selten zur Entlastung, Treu vergab in der 70. Minute eine der wenigen Möglichkeiten.
Klopp reagierte und brachte in der Schlussphase Yannik Engelhardt vom SC Freiburg. Damit feierte bereits der dritte Spieler an diesem Abend sein Debüt für die Nationalmannschaft. Die Maßnahme sollte zusätzliche Stabilität bringen, doch die Niederländer ließen nicht nach. Deutschland verteidigte leidenschaftlich, konnte den Ball aber immer seltener dauerhaft aus der Gefahrenzone halten.
Dann kam die 92. Minute. Ein Ballverlust des eingewechselten Serge Gnabry leitete die entscheidende niederländische Aktion ein. Gakpo nutzte die Gelegenheit und traf zum verdienten 1:1. Ausgerechnet der Spieler, den Klopp einst beim FC Liverpool trainiert hatte, nahm seinem früheren Coach den Premierensieg.
Für Klopp blieb damit ein Einstand mit zwei Seiten. Seine Mannschaft zeigte die geforderte Energie, gewann Zweikämpfe und präsentierte sich kämpferisch deutlich verbessert. Gleichzeitig offenbarte sie insbesondere in der zweiten Halbzeit defensive Probleme und wurde zunehmend passiv. Hinzu kommen die Verletzungssorgen um Musiala und Havertz. Schon beim Heimdebüt am Sonntag um 20.45 Uhr in Augsburg gegen Griechenland könnte Klopp deshalb zu weiteren Veränderungen gezwungen sein.
Der große Neustart begann damit nicht mit einem Sieg, aber mit einem sichtbaren Signal. Klopps Mannschaft kämpfte, lief und warf sich in die Zweikämpfe. Zum perfekten Abend fehlten am Ende nur wenige Sekunden – und ausgerechnet ein alter Bekannter sorgte dafür, dass aus dem erhofften Traumstart ein dramatisches 1:1 wurde.
OZD/SID
OZD-Kommentar – Klopps Handschrift ist sichtbar, aber die Arbeit beginnt erst
Ein 1:1 ist kein Ergebnis, das eine neue Ära definiert. Trotzdem zeigte das erste Länderspiel unter Jürgen Klopp bereits, welche Eigenschaften der neue Bundestrainer von seiner Mannschaft verlangt.
Deutschland spielte aggressiver, suchte Zweikämpfe und versuchte, den Gegner früh unter Druck zu setzen. Genau diesen Fußball hatte Klopp angekündigt. Besonders in der ersten Halbzeit funktionierte der Ansatz phasenweise überzeugend.
Die zweite Hälfte zeigte jedoch ebenso deutlich die offenen Baustellen. Deutschland wurde passiver, das Mittelfeld verlor zunehmend den Zugriff und die Niederlande erspielten sich mehrere große Chancen. Der späte Ausgleich war deshalb nicht allein eine unglückliche Episode der Nachspielzeit.
Bemerkenswert ist zugleich, dass drei Debütanten Einsatzzeit erhielten. Treu bereitete sogar den deutschen Treffer entscheidend mit vor. Klopp kombiniert damit erfahrene Nationalspieler mit neuen Kräften.
Gegen Griechenland folgt bereits der nächste Test. Dann wird sich zeigen, wie Klopp auf die Verletzungen und die Probleme der zweiten Halbzeit reagiert.
Historischer Hintergrund
Jürgen Klopp kehrte in Amsterdam nach 858 Tagen auf eine Trainerbank zurück. Seine vorherige Station war der FC Liverpool, den er von 2015 bis 2024 trainierte und mit dem er unter anderem die Champions League sowie die englische Meisterschaft gewann.
Cody Gakpo gehörte dort zu seinen Spielern. Der niederländische Nationalspieler wechselte Anfang 2023 vom PSV Eindhoven nach Liverpool und arbeitete bis zu Klopps Abschied mit dem deutschen Trainer zusammen.
Auch Deutschland und die Niederlande verbindet eine lange Fußballgeschichte. Das Nachbarschaftsduell gehört seit Jahrzehnten zu den traditionsreichsten Begegnungen des europäischen Nationalmannschaftsfußballs.
Für Deutschland besitzt die aktuelle Phase besondere Bedeutung. Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft soll Klopp eine neue Mannschaft formen und gleichzeitig wieder sportliche Stabilität herstellen.
Zukunftsprognose
Sportlich richtet sich der Blick zunächst auf Jamal Musiala und Kai Havertz. Bei beiden muss geklärt werden, ob sie für das nächste Spiel gegen Griechenland zur Verfügung stehen können. Ohne eine medizinische Diagnose lässt sich die Dauer möglicher Ausfälle nicht beurteilen.
Für Philipp Treu war der Abend trotz des späten Gegentreffers ein wichtiger Schritt. Der Freiburger feierte nicht nur sein Debüt, sondern war auch an der Entstehung des deutschen Führungstreffers beteiligt.
Auch Younes Ebnoutalib und Yannik Engelhardt erhielten erste Einsatzminuten. Klopp deutet damit bereits an, dass er den Kreis möglicher Nationalspieler erweitern will.
Taktisch dürfte insbesondere die Balance im Mittelfeld zum Thema werden. Deutschland erzeugte zunächst hohen Druck, verlor später aber zunehmend den Zugriff. Die Frage wird sein, wie die Mannschaft Klopps intensiven Fußball über eine komplette Partie stabil umsetzen kann.
Wirtschaftlich besitzt Klopps Amtsantritt große Bedeutung für die Vermarktung der Nationalmannschaft, Medienrechte und Sponsoren. Direkte Auswirkungen des 1:1 auf Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen sind nicht zu erwarten.
Wer ist Cody Gakpo?
Cody Gakpo ist niederländischer Nationalspieler und spielte unter Jürgen Klopp beim FC Liverpool. In der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielte er gegen Deutschland den Treffer zum 1:1.
Wer traf für Deutschland?
Felix Nmecha erzielte in der 32. Minute das erste deutsche Tor der Klopp-Ära. Philipp Treu hatte den Angriff über die rechte Seite vorbereitet.
Welche Spieler debütierten unter Klopp?
Philipp Treu stand direkt in der Startelf. Younes Ebnoutalib wurde nach der Verletzung von Kai Havertz eingewechselt, Yannik Engelhardt kam in der Schlussphase. Alle drei feierten damit ihr Debüt für die deutsche A-Nationalmannschaft.
Warum spielte Jamal Musiala nicht?
Musiala klagte beim Aufwärmen über Oberschenkelprobleme. Deshalb rückte Nadiem Amiri kurzfristig in die deutsche Startelf.
OZD-Extra – 858 Tage später ist Klopp wieder Trainer
Die Zahl verdeutlicht, wie besonders der Abend in Amsterdam für Jürgen Klopp war: 858 Tage lagen zwischen seinem vorherigen Einsatz auf einer Trainerbank und seinem Debüt als deutscher Bundestrainer.
Seine Rückkehr endete beinahe perfekt. Deutschland führte nach Nmechas Treffer bis tief in die Nachspielzeit.
Dann kam Cody Gakpo.
Dass ausgerechnet ein ehemaliger Liverpool-Spieler Klopps ersten Sieg verhinderte, lieferte die besondere Pointe dieses Abends. Klopps Reaktion nach dem Abpfiff war ebenfalls bemerkenswert: Er umarmte seinen früheren Schützling herzlich.
Danach wandte er sich seinen neuen Spielern zu. Für sie beginnt die Klopp-Ära nun endgültig – mit einem Unentschieden, drei Debütanten und reichlich Arbeit bis zum nächsten Spiel.
Gewinnspiel
Wer erzielte in der Nachspielzeit den niederländischen Ausgleich gegen Deutschland?
A: Virgil van Dijk
B: Cody Gakpo
C: Ruben van Bommel
D: Brian Brobbey
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.