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Deutsche Rad-Frauen wittern WM-Chance: Koch liebt die Rolle der Außenseiterin

Franziska Koch geht selbstbewusst ins WM-Straßenrennen von Montréal. Deutschlands Stärke liegt auf dem schweren Kurs vor allem im geschlossenen Team.

Fakten im Überblick

Franziska Koch führt gemeinsam mit Antonia Niedermaier, Liane Lippert, Ricarda Bauernfeind und Linda Riedmann ein stark besetztes deutsches Team ins WM-Straßenrennen.

Der anspruchsvolle Kurs in Montréal führt über 180,1 Kilometer und 2570 Höhenmeter.

German Cycling hofft auf das erste deutsche WM-Podest im Straßenrennen der Frauen seit 2014.

Franziska Koch fühlt sich in ihrer Rolle ausgesprochen wohl. Während vor dem Straßenrennen der Rad-Weltmeisterschaft in Montréal andere Fahrerinnen als große Favoritinnen gehandelt werden, sieht die deutsche Meisterin darin eher eine Chance als einen Nachteil. „Ich bin eigentlich ganz gerne der Underdog“, sagte Koch vor dem Höhepunkt der Titelkämpfe in Kanada: „Es wäre natürlich schön, am Ende vorne mitspielen zu können. Aber man muss auch schauen, wie der Tag läuft. Wir haben ja noch andere Karten im Team zu spielen.“

Genau diese verschiedenen Karten könnten am Samstag ab 15.00 Uhr deutscher Zeit zum entscheidenden Faktor werden. Koch steht nicht allein im Mittelpunkt der deutschen Hoffnungen. Gemeinsam mit der Tour-Vierten Antonia Niedermaier, Liane Lippert, Ricarda Bauernfeind und Linda Riedmann verfügt German Cycling über eine Mannschaft, die auf dem anspruchsvollen Kurs in Québec mehrere taktische Möglichkeiten besitzt. Koch selbst reist zudem mit zusätzlichem Selbstvertrauen ins Straßenrennen: Zum Auftakt der Weltmeisterschaft gewann sie Bronze im Einzelzeitfahren.

Die Strecke dürfte den Fahrerinnen alles abverlangen. Über 180,1 Kilometer summieren sich 2570 Höhenmeter. Damit ist nicht nur Ausdauer gefragt. Positionierung, Rennübersicht, Timing und die Fähigkeit, nach zahlreichen Belastungen noch auf entscheidende Attacken reagieren zu können, dürften ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Für Deutschland könnte gerade die mannschaftliche Geschlossenheit zum wichtigsten Vorteil werden.

„Wir haben hier eine sehr, sehr starke Mannschaft“, sagte Koch: „Wir haben fünf super starke Fahrerinnen am Start. Von daher ist das schon eine gute Situation.“ Anders als manche Konkurrenz besitzt Deutschland zwar nicht die eine überragende Topfavoritin, dafür aber mehrere Fahrerinnen, die abhängig vom Rennverlauf unterschiedliche Aufgaben übernehmen und eigene Chancen erhalten können.

Koch selbst hat bereits bewiesen, dass sie bei großen Eintagesrennen erfolgreich sein kann. Als Paris-Roubaix-Siegerin bringt sie Erfahrung aus Rennen mit, in denen Durchsetzungsvermögen, taktisches Gespür und Widerstandsfähigkeit entscheidend sind. Die WM stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar, weil die gewohnten Strukturen der Profiteams für einen Tag verschwinden.

Im Mittelpunkt der internationalen Konkurrenz steht Demi Vollering. Die niederländische Tour-Siegerin fährt im Alltag gemeinsam mit Koch für die Equipe FDJ United-SUEZ, in Montréal werden aus den Teamkolleginnen jedoch Gegnerinnen. Hinter Vollering gehören auch die Belgierin Lotte Kopecky und die Italienerin Elisa Longo Borghini zu den prominentesten Fahrerinnen im Feld. Hinzu kommen Titelverteidigerin Magdeleine Vallières aus Kanada, Marlen Reusser aus der Schweiz und Kasia Niewiadoma aus Polen.

Gerade diese ungewöhnliche Konstellation macht Weltmeisterschaften taktisch schwer vorhersehbar. Fahrerinnen, die während der Saison gemeinsam für ein Profiteam arbeiten, vertreten plötzlich unterschiedliche Nationen. Andere Athletinnen, die normalerweise Konkurrentinnen sind, müssen für ihr Land zusammenarbeiten.

„Weltmeisterschaften sind schon immer speziell. Man hat die großen Favoritinnen, fährt aber nicht mit seinen normalen Teamkolleginnen. Deswegen weiß man nie, ob vielleicht in irgendeiner Nation mehrere Karten gespielt werden und man sich untereinander nicht ganz einig ist“, sagte Koch.

Für Deutschland liegt genau darin eine Möglichkeit. Wenn Koch, Niedermaier, Lippert, Bauernfeind und Riedmann ihre unterschiedlichen Stärken taktisch miteinander verbinden, kann German Cycling auf verschiedene Rennsituationen reagieren. Eine frühe Fluchtgruppe erfordert andere Qualitäten als ein Ausscheidungsrennen an den Anstiegen oder eine Entscheidung einer kleinen Spitzengruppe.

Besonders Liane Lippert kennt die Erfahrung, bei Weltmeisterschaften nahe an einer Medaille zu sein, ohne am Ende auf dem Podium zu stehen. Entsprechend groß ist die Hoffnung, die lange deutsche Wartezeit zu beenden. „Ich hoffe, dass wir ein ganz gutes Rennen haben und dass es jetzt endlich mal wieder nach vielen Jahren für eine Medaille reicht“, sagte Lippert.

Seit 2014 wartet Deutschland auf ein WM-Podest im Straßenrennen der Frauen. Zwölf Jahre später reist die Mannschaft nach Montréal, ohne die Bürde einer eindeutigen Favoritenrolle tragen zu müssen – aber mit genügend Qualität, um im entscheidenden Moment präsent zu sein.

Für Koch passt diese Ausgangslage perfekt. Bronze im Zeitfahren hat bereits gezeigt, dass ihre Form stimmt. Im Straßenrennen kommt es nun darauf an, die deutsche Stärke als Mannschaft auszuspielen. Vielleicht wird dann aus der selbst gewählten Rolle der Außenseiterin am Ende doch eine Hauptrolle.

OZD/SID

OZD-Kommentar – Deutschlands größte Stärke ist diesmal das Team

Im Radsport konzentriert sich die Aufmerksamkeit schnell auf einzelne Favoritinnen. Doch gerade bei einer Weltmeisterschaft kann diese Sichtweise zu kurz greifen.

Deutschland bringt in Montréal fünf Fahrerinnen an den Start, die unterschiedliche Qualitäten besitzen. Das eröffnet taktische Möglichkeiten, die bei einem langen und schweren Straßenrennen wertvoll sein können.

Franziska Koch reist nach ihrer Zeitfahr-Bronzemedaille mit Selbstvertrauen an. Antonia Niedermaier hat ihre Stärke bei Rundfahrten gezeigt, Liane Lippert verfügt über Erfahrung in anspruchsvollen Eintagesrennen. Auch Ricarda Bauernfeind und Linda Riedmann erweitern die Optionen.

Entscheidend wird sein, diese Stärke nicht zu früh aufzubrauchen. Die großen Favoritinnen werden versuchen, das Rennen nach ihren Vorstellungen zu kontrollieren. Deutschland muss dagegen flexibel bleiben und im richtigen Moment entscheiden, welche Fahrerin unterstützt wird.

Die Chance auf die erste deutsche WM-Medaille seit 2014 ist vorhanden. Ob daraus ein Podestplatz wird, entscheidet sich auf 180,1 anspruchsvollen Kilometern – und möglicherweise durch eine einzige taktische Entscheidung.

Historischer Hintergrund

Die Straßenrad-Weltmeisterschaften gehören zu den traditionsreichsten Wettbewerben des internationalen Radsports. Anders als während eines Großteils der Saison treten die Fahrerinnen dort nicht für ihre Profiteams, sondern für ihre Nationalmannschaften an.

Dadurch entstehen ungewöhnliche taktische Konstellationen. Fahrerinnen desselben Profiteams können bei der WM direkte Gegnerinnen sein, während sonstige Konkurrentinnen plötzlich gemeinsam für ihr Land fahren.

Für Deutschland ist das Frauen-Straßenrennen mit einer längeren Wartezeit verbunden. Seit 2014 gelang keiner deutschen Fahrerin mehr der Sprung auf das WM-Podest in dieser Disziplin.

Die Weltmeisterschaft in Montréal bietet nun eine neue Gelegenheit. Der schwere Kurs mit zahlreichen Höhenmetern dürfte Fahrerinnen entgegenkommen, die auch nach mehreren Stunden noch über Kraftreserven verfügen.

Zukunftsprognose

Der Rennverlauf dürfte entscheidend dafür sein, welche deutsche Fahrerin die besten Chancen erhält. Bei einem früh selektiven Rennen könnten andere Qualitäten gefragt sein als bei einer größeren Gruppe, die gemeinsam in die entscheidende Phase geht.

Deutschland besitzt den Vorteil, nicht vollständig auf eine einzelne Kapitänin angewiesen zu sein. Dadurch können Attacken der Konkurrenz möglicherweise flexibler beantwortet werden.

Ein deutscher Podestplatz hätte auch über die WM hinaus Bedeutung. Internationale Erfolge erhöhen die Sichtbarkeit des Frauenradsports in Deutschland und können Aufmerksamkeit für Teams, Veranstaltungen, Nachwuchsarbeit und Sponsoren erzeugen.

Auch für die Profiteams können starke WM-Leistungen sportlich und kommerziell wertvoll sein. Direkte Auswirkungen auf Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen sind dagegen nicht zu erwarten.

Wer ist Franziska Koch?

Franziska Koch ist deutsche Radrennfahrerin und deutsche Meisterin. Bei der WM in Montréal gewann sie bereits Bronze im Einzelzeitfahren und gehört auch im Straßenrennen zu den deutschen Hoffnungsträgerinnen.

Wie schwer ist der WM-Kurs?

Das Straßenrennen der Frauen führt über 180,1 Kilometer. Insgesamt müssen 2570 Höhenmeter bewältigt werden.

Wer fährt für Deutschland?

Zu den fünf genannten deutschen Fahrerinnen gehören Franziska Koch, Antonia Niedermaier, Liane Lippert, Ricarda Bauernfeind und Linda Riedmann.

Wer gehört international zu den wichtigsten Namen?

Im Mittelpunkt steht die niederländische Tour-Siegerin Demi Vollering. Auch Lotte Kopecky aus Belgien, Elisa Longo Borghini aus Italien, Titelverteidigerin Magdeleine Vallières aus Kanada, Marlen Reusser aus der Schweiz und Kasia Niewiadoma aus Polen zählen zum Kreis der Fahrerinnen, die das Rennen entscheidend prägen können.

OZD-Extra – Aus Teamkolleginnen werden für einen Tag Gegnerinnen

Eine der interessantesten Geschichten des WM-Rennens verbindet Franziska Koch unmittelbar mit Demi Vollering.

Im normalen Radsportalltag fahren beide für die Equipe FDJ United-SUEZ. Dort verfolgen sie gemeinsame Ziele und arbeiten innerhalb derselben Mannschaft.

Bei der Weltmeisterschaft ist alles anders.

Koch startet für Deutschland, Vollering für die Niederlande. Die gewohnten Teamstrukturen verlieren für einen Tag ihre Bedeutung.

Genau diese Besonderheit macht Straßenrad-Weltmeisterschaften taktisch so schwer vorhersehbar. Fahrerinnen kennen die Stärken und Schwächen ihrer normalen Teamkolleginnen sehr genau – müssen dieses Wissen im Nationaltrikot aber plötzlich gegen sie einsetzen.

Für Koch könnte daraus eine interessante Situation entstehen. Sie kennt eine der wichtigsten Fahrerinnen des Rennens aus unmittelbarer Nähe.

Am Samstag wird aus dieser Vertrautheit sportliche Rivalität.

Gewinnspiel

Wie lang ist das Straßenrennen der Frauen bei der WM in Montréal?

A: 140,5 Kilometer

B: 162,8 Kilometer

C: 180,1 Kilometer

D: 205,4 Kilometer

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.