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Moskau greift bei Metro durch: Milliarden-Geschäft in Russland nicht mehr unter deutscher Kontrolle

Russland stellt das Geschäft des deutschen Handelskonzerns Metro unter Zwangsverwaltung. Formal bleibt Metro Eigentümer – verliert aber die operative Kontrolle.

Fakten im Überblick

Metro verliert mit sofortiger Wirkung die operative Kontrolle über seine russische Tochtergesellschaft, bleibt formal aber deren Eigentümer.

Die Verwaltung übernimmt UK Torg RUS, ein Unternehmen des bisherigen Metro-Russland-Chefs Johannes Tholey.

Metro betreibt in Russland 91 Großhandelsmärkte und beschäftigt dort rund 9000 Menschen.

Der deutsche Handelskonzern Metro hat die operative Kontrolle über sein milliardenschweres Russland-Geschäft verloren. Mit einem Dekret hat der russische Präsident Wladimir Putin die russischen Vermögenswerte des Düsseldorfer Unternehmens mit sofortiger Wirkung unter eine sogenannte vorübergehende Zwangsverwaltung gestellt. Die Metro AG bestätigte den Schritt am Montag. „Obwohl das Eigentum an Metro Russland formal bei der Metro AG bleibt, ist Folge der Entscheidung, dass die Metro AG keine operative Kontrolle mehr über Metro Russland hat“, erklärte das Unternehmen.

Die Kontrolle übernimmt die russische Gesellschaft UK Torg RUS. Bemerkenswert ist, wer hinter diesem Unternehmen steht: Nach Angaben von Metro gehört die Gesellschaft Johannes Tholey, dem bisherigen CEO von Metro Russland. Russische Unternehmensregister zeigen, dass UK Torg RUS erst Anfang September 2026 in Moskau registriert wurde.

Das Dekret betrifft zentrale russische Metro-Gesellschaften. Nach Angaben von Interfax wurden unter anderem die Beteiligungen an Metro Cash & Carry, Metro Warehouse Noginsk und Retail Property 5 in die temporäre Verwaltung überführt. Das Dekret trat mit seiner Veröffentlichung in Kraft.

Für Metro ist der Eingriff wirtschaftlich erheblich. Nach den vom Unternehmen veröffentlichten Finanzzahlen erzielte das Russland-Geschäft in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatz von rund 2,14 Milliarden Euro. Damit entfiel ein bedeutender Anteil des Konzernumsatzes auf Russland. Die russische Tochter verfügte Ende Juni zudem über liquide Mittel und Zahlungsmitteläquivalente von rund 152 Millionen Euro.

Metro ist bereits seit 2001 in Russland aktiv. Heute betreibt das Unternehmen dort 91 Großhandelsmärkte und beschäftigt rund 9000 Menschen. Anders als zahlreiche westliche Unternehmen hatte Metro den russischen Markt nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 nicht vollständig verlassen.

Nach Darstellung des Konzerns wurden seitdem jedoch verschiedene Maßnahmen getroffen, um die Verbindungen zwischen dem Russland-Geschäft und der Metro AG zu reduzieren. Welche finanziellen und bilanziellen Konsequenzen die jetzt angeordnete Zwangsverwaltung für den Konzern haben wird, werde noch geprüft.

Der Schritt kommt nicht überraschend aus einem politischen Vakuum. Russland hat in den vergangenen Jahren Vermögenswerte verschiedener westlicher Unternehmen unter temporäre Verwaltung gestellt. Zuletzt waren unter anderem Geschäfte von Nestlé und Auchan betroffen. Die russische Regierung bezeichnet Deutschland und andere Staaten, die Sanktionen gegen Moskau verhängt haben und die Ukraine unterstützen, als „unfreundliche“ Länder.

Das russische Präsidialdekret selbst nennt laut Reuters keinen konkreten Grund für den Eingriff bei Metro. Der Kreml hatte ähnliche Maßnahmen gegen westliche Unternehmen jedoch mit der Politik sogenannter „unfreundlicher Staaten“ begründet.

Für Metro entsteht damit eine ungewöhnliche Situation: Der deutsche Konzern bleibt nach eigener Darstellung formal Eigentümer seiner russischen Tochter, kann über deren operatives Geschäft aber nicht mehr bestimmen.

Das ist juristisch etwas anderes als ein Verkauf oder eine formelle Enteignung.

Wirtschaftlich ist der Kontrollverlust dennoch weitreichend.

Das Unternehmen kann die Geschäftsführung seiner bedeutenden russischen Aktivitäten nicht mehr selbst steuern und muss nun analysieren, welche Folgen sich für Bilanz, Vermögenswerte und Konzernstrategie ergeben.

Gleichzeitig soll der operative Betrieb in Russland zunächst weiterlaufen. Damit stehen die 91 Metro-Märkte und ihre rund 9000 Beschäftigten nicht unmittelbar vor einer Schließung. Geändert hat sich vielmehr die Ebene, auf der über das Unternehmen entschieden wird.

Der Fall zeigt damit erneut, wie stark der Krieg gegen die Ukraine und die daraus entstandene Konfrontation zwischen Russland und westlichen Staaten inzwischen auch in Eigentumsrechte und Unternehmensstrukturen hineinwirken.

Für Metro bedeutet Putins Dekret vorerst vor allem eines: Das Unternehmen besitzt sein Russland-Geschäft auf dem Papier weiterhin – kontrolliert es aber nicht mehr.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Eigentümer ohne Kontrolle

Der Fall Metro verdeutlicht das hohe politische und wirtschaftliche Risiko, dem westliche Unternehmen mit bedeutenden Vermögenswerten in Russland inzwischen ausgesetzt sind.

Formal handelt es sich nach Angaben von Metro nicht um eine Übertragung des Eigentums. Der Konzern bleibt Eigentümer seiner russischen Tochtergesellschaft. Die operative Kontrolle wurde jedoch auf UK Torg RUS übertragen.

Für die wirtschaftliche Bewertung ist diese Unterscheidung entscheidend. Eigentum besitzt für ein Unternehmen nur begrenzten praktischen Wert, wenn zentrale Entscheidungen über Geschäft, Vermögen und operative Führung nicht mehr selbst getroffen werden können.

Zugleich sollte die Maßnahme nicht vorschnell als endgültige Enteignung bezeichnet werden. Das russische Instrument ist ausdrücklich als temporäre Verwaltung konstruiert. Wie lange sie dauert und ob Metro die Kontrolle jemals zurückerhält, ist derzeit offen.

Der Fall besitzt deshalb Bedeutung über Metro hinaus. Internationale Unternehmen müssen bei Investitionen in geopolitisch angespannten Märkten inzwischen nicht nur klassische wirtschaftliche Risiken einkalkulieren. Staatliche Eingriffe in Eigentums- und Kontrollrechte sind zu einem zusätzlichen Faktor geworden.

Für Metro dürfte in den kommenden Monaten vor allem die bilanzielle Behandlung der russischen Tochter entscheidend werden. Erst wenn das Unternehmen seine Analyse abgeschlossen hat, lässt sich genauer beurteilen, wie groß der finanzielle Schaden tatsächlich ist.

Historischer Hintergrund

Metro trat 2001 in den russischen Markt ein und baute dort über mehr als zwei Jahrzehnte ein umfangreiches Großhandelsgeschäft auf.

Heute umfasst das Netzwerk 91 Standorte in Russland. Rund 9000 Menschen arbeiten für das Unternehmen.

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 veränderte sich das Umfeld grundlegend. Zahlreiche westliche Konzerne verließen Russland, verkauften ihre Tochtergesellschaften oder reduzierten ihre Aktivitäten.

Metro blieb dagegen im Land. Das Unternehmen erklärte zugleich, die organisatorischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen dem russischen Geschäft und der deutschen Muttergesellschaft schrittweise reduziert zu haben.

Russland wiederum schuf Möglichkeiten, Vermögenswerte von Unternehmen aus sogenannten „unfreundlichen Staaten“ unter temporäre Verwaltung zu stellen. Davon waren inzwischen mehrere bekannte westliche Konzerne betroffen.

Mit dem Dekret vom 28. September 2026 trifft dieses Instrument nun auch Metro.

Zukunftsprognose

Wirtschaftlich dürfte zunächst entscheidend sein, wie Metro die russische Tochter künftig bilanziert. Wenn der Konzern keine operative Kontrolle mehr besitzt, können sich daraus erhebliche Folgen für Konzernabschluss, Vermögensbewertung und Ergebnisrechnung ergeben. Metro selbst erklärt bislang lediglich, die weiteren Konsequenzen zu analysieren.

Für die Metro-Aktie könnte deshalb weniger das Dekret allein als vielmehr die spätere Bewertung der finanziellen Auswirkungen entscheidend sein. Seriöse Aussagen über konkrete Kursbewegungen lassen sich daraus derzeit nicht ableiten.

Politisch fügt sich der Vorgang in die wirtschaftliche Konfrontation zwischen Russland und westlichen Staaten seit Beginn des Ukraine-Krieges ein. Weitere staatliche Eingriffe in westliche Unternehmensvermögen in Russland bleiben grundsätzlich möglich; welche Unternehmen konkret betroffen sein könnten, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen.

Für den russischen Einzel- und Großhandel bedeutet die Maßnahme zunächst keinen automatischen Wegfall der Metro-Märkte. Der Geschäftsbetrieb soll nach bisherigen Angaben fortgesetzt werden.

Bei Rohstoffen und Währungen sind aus dem einzelnen Metro-Fall keine unmittelbaren Auswirkungen abzuleiten. Für den Rubel und internationale Investitionsströme ist jedoch das grundsätzliche Vertrauen in Eigentumsschutz und Kapitalverkehr ein wichtiger langfristiger Faktor.

Was bedeutet „temporäre Zwangsverwaltung“?

Dabei wird das formale Eigentum nicht zwingend auf einen neuen Eigentümer übertragen.

Stattdessen erhält ein vom russischen Staat bestimmter Verwalter die operative Kontrolle über die betroffenen Vermögenswerte.

Im Fall Metro bleibt die Metro AG nach eigener Darstellung formal Eigentümerin. Die Kontrolle über das Russland-Geschäft liegt nun jedoch bei UK Torg RUS.

Was ist UK Torg RUS?

UK Torg RUS ist die Gesellschaft, der Russland die operative Kontrolle über Metro Russland übertragen hat.

Nach Angaben von Metro gehört sie Johannes Tholey, dem CEO des russischen Metro-Geschäfts. Die Gesellschaft wurde nach russischen Registerangaben erst im September 2026 registriert.

Was ist Metro?

Metro AG ist ein international tätiger Großhandelskonzern mit Sitz in Düsseldorf.

Das Unternehmen richtet sich insbesondere an gewerbliche Kunden aus Gastronomie, Hotellerie, Handel und anderen Branchen.

In Russland ist Metro seit 2001 aktiv und betreibt dort 91 Großhandelsmärkte mit rund 9000 Beschäftigten.

Ist Metro jetzt enteignet?

Nach der derzeitigen Darstellung des Unternehmens nicht formal.

Metro erklärt ausdrücklich, dass das Eigentum an Metro Russland bei der Metro AG verbleibt. Gleichzeitig hat das Unternehmen jedoch die operative Kontrolle verloren.

Deshalb ist die Bezeichnung Zwangsverwaltung präziser als die Aussage, Russland habe Metro bereits vollständig enteignet.

Ob sich der rechtliche oder wirtschaftliche Status später verändert, ist offen.

OZD-Extra – Der neue Verwalter kommt aus dem Metro-System

Ein Detail des Dekrets fällt besonders auf: Die operative Kontrolle geht nicht an einen völlig unbekannten externen Manager.

UK Torg RUS gehört nach Angaben von Metro Johannes Tholey – dem bisherigen CEO von Metro Russland.

Die Gesellschaft selbst ist allerdings ausgesprochen jung. Russische Registerdaten zeigen, dass sie erst Anfang September 2026 gegründet wurde.

Damit übernimmt eine kurz vor dem Dekret gegründete Gesellschaft unter Führung des bisherigen Russland-Managers die operative Kontrolle über ein Geschäft mit 91 Großhandelsmärkten und rund 9000 Beschäftigten.

Für die Kunden in Russland könnte das zunächst Kontinuität bedeuten.

Für die Konzernzentrale in Düsseldorf ändert sich dagegen Entscheidendes: Sie besitzt das Unternehmen formal weiter, hat aber keine operative Kontrolle mehr.

Mögliche Auswirkungen auf Börsen, Aktien, Rohstoffe und Währungen

Für die Metro-Aktie steht nun die Frage im Mittelpunkt, welchen Wert der Konzern seinem Russland-Geschäft künftig zurechnen kann und welche bilanziellen Konsequenzen der Kontrollverlust auslöst.

Für andere westliche Unternehmen mit bedeutenden Russland-Aktivitäten erhöht der Fall die Aufmerksamkeit auf politische Eingriffsrisiken.

Direkte Auswirkungen auf Öl, Gas oder andere Rohstoffe sind aus dem Metro-Fall nicht zu erwarten.

Auch für Euro und Rubel ist der einzelne Unternehmensfall voraussichtlich weniger entscheidend als die übergeordnete Entwicklung von Sanktionen, Kapitalverkehr und den Beziehungen zwischen Russland und westlichen Staaten.

Gewinnspiel

Wie viele Großhandelsmärkte betreibt Metro nach Unternehmensangaben in Russland?

A: 41

B: 67

C: 91

D: 125

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.