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Großrazzia im Reinigungsgewerbe: 2200 Einsatzkräfte durchsuchen 104 Objekte in Deutschland

2200 Einsatzkräfte, 104 durchsuchte Objekte und zehn Haftbefehle: Ermittler gehen bundesweit gegen ein mutmaßliches Netzwerk im Reinigungsgewerbe vor.

Fakten im Überblick

Rund 2200 Einsatzkräfte durchsuchten 104 Wohnungen, Unterkünfte, Firmen und Hotels in acht Bundesländern.

Die Ermittlungen richten sich gegen 23 Beschuldigte, zehn Haftbefehle wurden vollstreckt.

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete 50 Vermögensarreste über insgesamt 106 Millionen Euro an.

Mit einem der größten Einsätze gegen mutmaßliche illegale Beschäftigung und Schleusung der vergangenen Zeit sind Bundespolizei und Zoll gegen ein bundesweit agierendes Netzwerk im Reinigungsgewerbe vorgegangen. Rund 2200 Einsatzkräfte durchsuchten am Mittwoch insgesamt 104 Wohnungen, Unterkünfte, Firmen und Hotels in Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Zehn Haftbefehle wurden vollstreckt. Die Ermittlungen richten sich gegen 23 Beschuldigte im Alter zwischen 31 und 59 Jahren. Im Zentrum steht ein 50 Jahre alter Mann, der nach Angaben der Ermittlungsbehörden seit 2022 mit 22 weiteren mutmaßlichen Bandenmitgliedern arbeitsteilig zusammengearbeitet haben soll. Der Vorwurf: Ausländische Arbeitnehmer sollen gezielt nach Deutschland eingeschleust und anschließend bundesweit für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt worden sein. Die Ermittler sprechen unter anderem von banden- und gewerbsmäßiger Schleusung, Urkundenfälschung sowie dem Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt. Dabei handelt es sich bislang um Vorwürfe in einem laufenden Ermittlungsverfahren.

Nach den bisherigen Ermittlungen soll das Netzwerk insbesondere Menschen aus Osteuropa, darunter aus der Ukraine und Georgien, beim unerlaubten Aufenthalt in Deutschland unterstützt und teilweise auch untergebracht haben. Dabei sollen gefälschte Urkunden und Ausweisdokumente verwendet worden sein. Die Beschäftigten seien anschließend unter Bedingungen eingesetzt worden, die nach Darstellung der Behörden deutlich schlechter gewesen sein sollen als bei deutschen Arbeitnehmern. Auch die gezahlten Löhne sollen in einem auffälligen Missverhältnis zur tatsächlich geleisteten Arbeit gestanden haben. Gleichzeitig sollen die Beschuldigten ein Geflecht aus Servicefirmen und vermeintlichen Subunternehmen genutzt haben. Scheinrechnungen, fingierte Beschäftigungsverhältnisse und hohe Bargeldbewegungen sollen dazu gedient haben, tatsächliche Arbeitsverhältnisse und Geldflüsse zu verschleiern. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler unter anderem Dokumente, Mobiltelefone und elektronische Speichermedien sicher. Für das Verfahren wurde die gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“ von Bundespolizei und Hauptzollamt Berlin eingerichtet.

Auch finanziell besitzt das Verfahren eine außergewöhnliche Dimension. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete nach Angaben der Ermittler insgesamt 50 Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von 106 Millionen Euro an. Ein großer Teil davon wurde bei dem Einsatz bereits vollstreckt. Ein Vermögensarrest bedeutet allerdings nicht, dass diese Summe bereits rechtskräftig eingezogen wurde: Die Maßnahme dient zunächst dazu, Vermögenswerte während des Strafverfahrens zu sichern und einen späteren Zugriff zu ermöglichen. Parallel zu den deutschen Maßnahmen führte die österreichische Finanzpolizei unabhängig von dem Verfahren Kontrollen in Hotels durch. Die zehn Festgenommenen sollen Haftrichtern vorgeführt werden. Die Ermittlungen dauern an, weitere Einzelheiten wollen Staatsanwaltschaft, Bundespolizei und Zoll am Donnerstag in Berlin bekanntgeben.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Hinter sauberen Fassaden kann ein schmutziges Geschäft stecken

Der Fall zeigt, weshalb Kontrollen in arbeitsintensiven Branchen von erheblicher Bedeutung sind. Im Reinigungsgewerbe treffen hoher Kostendruck, komplexe Subunternehmerstrukturen und ein großer Bedarf an Arbeitskräften aufeinander. Genau solche Strukturen können nach Erfahrung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit missbraucht werden, um tatsächliche Beschäftigungsverhältnisse zu verschleiern. Im aktuellen Verfahren müssen die schweren Vorwürfe nun gerichtsfest bewiesen werden; für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Sollte sich der Verdacht eines systematischen Geschäftsmodells bestätigen, wäre der Schaden nicht allein finanzieller Natur. Betroffen wären auch Arbeitnehmer, die möglicherweise in besonders abhängigen Situationen beschäftigt wurden, sowie seriöse Unternehmen, die Löhne und Sozialabgaben ordnungsgemäß bezahlen und dadurch höhere Kosten tragen.

Historischer Hintergrund

Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung beschäftigen die deutschen Behörden seit Jahrzehnten. Eine zentrale Rolle spielt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls, die unter anderem prüft, ob Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß abgeführt, Mindestlöhne eingehalten und ausländische Arbeitnehmer legal beschäftigt werden. Das Gebäudereinigungsgewerbe steht dabei immer wieder im Fokus von Kontrollen. Die Ermittler verweisen auf illegale Strukturen mit Schein- und Nachunternehmen, über die Beschäftigte und Zahlungsströme verschleiert werden können. Der aktuelle Fall reicht nach dem bisherigen Ermittlungsstand mindestens bis ins Jahr 2022 zurück.

Zukunftsprognose

Nach der Großrazzia beginnt die aufwendige Auswertung der sichergestellten Unterlagen, Mobiltelefone und Datenträger. Im Mittelpunkt dürfte die Frage stehen, wie die mutmaßlichen Firmenstrukturen organisiert waren, welche Geldströme nachvollzogen werden können und wie viele Arbeitnehmer tatsächlich betroffen sind. Ebenso muss geklärt werden, in welchem Umfang Sozialversicherungsbeiträge oder andere Zahlungen möglicherweise vorenthalten wurden. Die Vermögensarreste über 106 Millionen Euro sichern zunächst mögliche Ansprüche; über eine endgültige Einziehung kann erst im weiteren Strafverfahren entschieden werden. Angesichts der Größe des Verfahrens und der Zahl der Beschuldigten ist mit umfangreichen weiteren Ermittlungen zu rechnen.

Was ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit?

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit, kurz FKS, gehört zum deutschen Zoll. Sie bekämpft Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung und prüft unter anderem die Einhaltung sozialversicherungsrechtlicher Meldepflichten sowie bestimmter arbeitsrechtlicher Vorschriften.

Was ist ein Vermögensarrest?

Ein Vermögensarrest ist eine strafprozessuale Sicherungsmaßnahme. Vermögenswerte können vorläufig gesichert werden, damit sie während eines laufenden Verfahrens nicht beiseitegeschafft werden und später gegebenenfalls für eine gerichtlich angeordnete Einziehung zur Verfügung stehen. Die Anordnung bedeutet noch keine rechtskräftige Feststellung, dass das gesamte gesicherte Vermögen aus Straftaten stammt.

Was ist die Ermittlungsgruppe „Purgatio“?

Für das Verfahren arbeiten die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und das Hauptzollamt Berlin in der gemeinsamen Ermittlungsgruppe „Purgatio“ zusammen. Die Ermittlungen betreffen unter anderem mutmaßliche Schleusung, illegale Beschäftigung und damit verbundene Finanzstrukturen.

OZD-Extra – Warum Scheinunternehmen für Ermittler so wichtig sind

Ein Geflecht aus Subunternehmen kann vollkommen legal sein und ist in vielen Branchen üblich. Kriminell wird es, wenn Unternehmen lediglich auf dem Papier existieren oder Rechnungen und Anmeldungen eingesetzt werden, um tatsächliche Beschäftigungsverhältnisse, Sozialabgaben oder Geldbewegungen zu verschleiern. Genau einen solchen Mechanismus vermuten die Ermittler im aktuellen Verfahren. Die Dimension ist bemerkenswert: 23 Beschuldigte, 104 Durchsuchungsobjekte, zehn Haftbefehle und Vermögensarreste über 106 Millionen Euro zeigen, dass die Behörden nicht von einzelnen Verstößen, sondern vom Verdacht eines organisierten und arbeitsteilig aufgebauten Systems ausgehen.

Gewinnspiel

Wie viele Objekte wurden bei der bundesweiten Razzia durchsucht?

A: 54
B: 78
C: 104
D: 220

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.