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Galeria rutscht erneut in Insolvenz und gefährdet 12000 Jobs

Galeria meldet zum vierten Mal in sechs Jahren Insolvenz an. Für 12.000 Beschäftigte in 83 Filialen beginnt erneut eine Zeit großer Unsicherheit.

Fakten im Überblick

Galeria hat zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet.

Von der Insolvenz sind 12.000 Beschäftigte an 83 Standorten betroffen.

Verdi kritisiert das Management und fordert rasche Lösungen für die Zukunft.

Erneut hat die traditionsreiche Kaufhauskette Galeria Insolvenz angemeldet. Es ist bereits der vierte Antrag innerhalb eines überraschend kurzen Zeitraums von nur sechs Jahren. Der Antrag sei am Freitagvormittag beim Amtsgericht Düsseldorf eingegangen, bestätigte eine Sprecherin des Gerichts. Für die 12.000 Angestellten in den verbliebenen 83 Filialen bedeutet dies eine weitere Welle der Unsicherheit. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagte die „völlige Ungewissheit für die 12.000 Kolleginnen und Kollegen“ und zeigte sich besorgt um die Existenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Plan für die Zukunft werde dringend benötigt, betonte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer: „Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen!“

Der Niedergang von Galeria steht im Zusammenhang mit der Insolvenz des ehemaligen Mutterkonzerns Signa aus Österreich. Erst im Januar 2024 hatte das Unternehmen bereits zum dritten Mal Insolvenz anmelden müssen. Im Zuge dessen stieg ein neues Konsortium, bestehend aus der US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und der Beteiligungsfirma BB Kapital SA des Unternehmers Bernd Beetz, bei Galeria ein. Zu den markantesten Änderungen unter den neuen Eigentümern zählte die Streichung der Namenszusätze Kaufhof und Karstadt sowie die Verlegung der Zentrale von Essen nach Düsseldorf.

Die Gründe für die erneute Insolvenz sind noch unklar. Nach Ansicht von Verdi habe das Unternehmen unter schweren Managementfehlern gelitten und in den vergangenen Jahren hätten die Eigentümer es versäumt, nachhaltige Investitionen zu tätigen. Die Gewerkschaft fordert, möglichst rasch Klarheit über die Zukunft der Beschäftigten zu schaffen.

Bereits im Juli hatte Galeria bekannt gegeben, dass sich für 33 der 83 Standorte das Überleben entscheidet. Verhandlungen über Mietkonditionen und Flächenanpassungen seien aufgenommen worden. Dies sollte eigentlich Teil einer umfassenden strategischen Neuausrichtung sein. Ziel sei es, für diese Filialen eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu entwickeln. Aktuell ist jedoch völlig offen, wie viel Zeit den Beschäftigten und dem Unternehmen dafür noch bleibt. Der frühere Investor René Benko, dessen Engagement entscheidend für Galerias Schicksal war, sitzt wegen Betrugs in Haft.

Für die Angestellten von Galeria beginnt nun eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen. Während die Gewerkschaft schnelle Lösungen verlangt, liegt die Zukunft des einst größten Warenhauskonzerns Deutschlands in den Händen der Gerichte und Investoren.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Ungewissheit auf Kosten der Beschäftigten

Wieder einmal trifft eine Großinsolvenz vor allem die Schwächsten: Die 12.000 Beschäftigten von Galeria stehen jetzt zum vierten Mal innerhalb weniger Jahre vor einer undurchsichtigen Zukunft. Es ist ein Alarmsignal, wenn ein Unternehmen dieser Größe in so kurzen Abständen Hilfe suchen muss. Verdi spricht von mangelnden Investitionen seitens der Eigentümer – und in der Tat erinnert der Verlauf an ein fatales Konzept aus Sanierung, Verkauf und Kurzzeitinteressen. Statt nachhaltiger Strategie gab es letztlich immer neue Namen und wechselnde Investoren, doch an der krisenhaften Struktur änderte niemand wirklich etwas. Wer jetzt noch an schnelle Wunder glaubt, verkennt die strukturellen Probleme im deutschen Einzelhandel. Realistisch betrachtet ist eine rasche Rettung für alle Beschäftigten kaum wahrscheinlich. Der wohl beste Ausblick für die Angestellten ist, dass zumindest einige Standorte und Arbeitsplätze eine Zukunft haben – mehr wird von jetzt an ein hartes Stück Arbeit sein.

Historischer Hintergrund

Die Probleme bei Galeria Karstadt Kaufhof reichen Jahre zurück. In der Vergangenheit gehörten die inzwischen verschmolzenen Unternehmen Karstadt und Kaufhof zu den prägenden Anbietern im deutschen Einzelhandel. Bereits vor der Übernahme durch Signa kämpfte die Kette mit ökonomischem Druck durch neue Einkaufstrends und die Konkurrenz des Onlinehandels. Unter Eigentümer René Benko griff die österreichische Signa-Gruppe Milliardensummen ein, bevor sie selbst ins Straucheln geriet. Nach mehreren Rettungsversuchen und Umstrukturierungen wechselte das Unternehmen 2024 erneut die Besitzer. Während des Eigentümerwechsels verschwanden die bekannten Namen Kaufhof und Karstadt, die Zentrale zog nach Düsseldorf. Die Kündigungswelle und Filialschließungen markieren die langanhaltende Krise des stationären Warenhausmodells in Deutschland.

Zukunftsprognose

Die erneute Insolvenz von Galeria dürfte große politische und gesellschaftliche Auswirkungen haben, insbesondere in Innenstädten, die auf die Frequenzbringer Kaufhäuser angewiesen sind. Für die Beschäftigten bedeuten die ungelösten Verhandlungen eine Zeit zwischen Hoffnung und Angst. Wirtschaftlich ist zu erwarten, dass weitere Filialschließungen nicht ausgeschlossen werden können und auch Zulieferer betroffen sein könnten. Der Druck auf Vermieter und Kommunen wächst, neue Nutzungskonzepte für große Immobilienflächen zu finden. International könnten der erneute Rückschlag von Galeria und das Schicksal des Mutterkonzerns Signa Investoren abschrecken und das Image des deutschen Einzelhandels verändern.

Erklärungen

Was ist Galeria

Galeria ist die größte verbliebene Warenhauskette Deutschlands. Das Unternehmen entstand aus mehreren Fusionen, zuletzt aus Karstadt und Kaufhof, und betrieb noch bis vor kurzem über 80 Filialen deutschlandweit.

Wer ist René Benko

René Benko ist ein österreichischer Investor, der mit seiner Unternehmensgruppe Signa lange Zeit die Mehrheit an Galeria hielt. Er war auch an anderen Warenhäusern wie dem KaDeWe in Berlin beteiligt, sitzt aber inzwischen wegen Betrugs in Haft.

OZD-Extras

Ein kurioser Aspekt: Die traditionsreichen Namen Kaufhof und Karstadt wurden erst wenige Monate vor der neuen Insolvenz aus dem Markenauftritt gestrichen, was den drastischen Umbruch verdeutlicht.

Für Anleger an den Börsen hat die Insolvenz von Galeria keine direkten Auswirkungen, da das Unternehmen nicht börsennotiert ist. Allerdings kann sich das Marktumfeld für Immobilienfirmen, die als Vermieter auftreten, verschärfen.

Gewinnspiel

Wie viele Standorte betreibt Galeria laut letzter Meldung noch

A) 83

B) 33

C) 120

D) 99

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.