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Viele Studienanfänger bleiben im Heimatbundesland

Mehr als zwei Drittel der Studienanfänger beginnen ihr Studium im eigenen Bundesland. Vielfältige Angebote und Nähe zur Heimat spielen eine zentrale Rolle.

Fakten im Überblick

69 Prozent der Studienanfänger bleiben zum Studium im eigenen Bundesland.

In Nordrhein-Westfalen bleiben 82 Prozent der Erstsemester zum Studium.

Brandenburg und Thüringen verzeichnen niedrige Quoten heimischer Studienanfänger.

Die meisten jungen Menschen in Deutschland entscheiden sich zu Studienbeginn für einen vergleichsweise kurzen Weg und bleiben der Heimat treu. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitgeteilt hat, nahmen im Wintersemester 2025/26 insgesamt 69 Prozent der Studienanfänger ihr Studium in dem Bundesland auf, in dem sie auch die Hochschulreife erworben hatten. Entscheidend für die Wahl des Studienortes sind laut den Daten nicht nur die Nähe zur Heimat, sondern auch das vielfältige Studienangebot der jeweiligen Hochschullandschaft.

Das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen zeigt besonders deutlich den Trend zur Heimatnähe: Mit seinen zahlreichen Hochschulstandorten entschieden sich dort im aktuellen Wintersemester 82 Prozent der Erstsemester für ein Studium im eigenen Bundesland. Deutlich anders sieht es beispielsweise in Brandenburg aus. Lediglich ein Drittel der jungen Menschen aus Brandenburg begannen ihr Studium auch dort – fast ebenso viele zog es ins benachbarte Berlin. Diese starke Abwanderung hängt unter anderem mit den vielen Studienmöglichkeiten in der Hauptstadt zusammen. Auch in Thüringen ist der Anteil der Studienanfänger, die nach dem Abitur im Land bleiben, mit 34 Prozent äußerst gering. Zu den Besonderheiten zählt hier zudem die große Bedeutung der Internationalen Hochschule (IU) in Erfurt. Als größte Hochschule Deutschlands bietet sie vor allem Fernstudiengänge an, wodurch viele Erstsemester aus anderen Bundesländern eingeschrieben sind, ohne jedoch dafür umziehen zu müssen.

Die räumliche Nähe spielt bei der Wahl des Studienortes ebenfalls eine wichtige Rolle. Oft zieht es Studienanfänger zwar in ein anderes Land, doch bleibt dieses in der Nachbarschaft. Ein Beispiel ist Hamburg: 17 Prozent der Erstsemester stammen aus Schleswig-Holstein, 16 Prozent aus Niedersachsen. In Bremen wiederum kommt mehr als ein Drittel der Studienanfänger aus dem benachbarten Niedersachsen, ähnlich viele finden sich auch unter Einheimischen. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen damit, wie stark regionale Bindungen und das Umfeld der Hochschullandschaft die Entscheidung zum Studienbeginn prägen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Warum viele bleiben und manche gehen

Die aktuellen Zahlen bestätigen, was viele Abiturienten aus eigener Erfahrung kennen: Wer studieren möchte, orientiert sich zunächst an den Hochschulen der Heimatregion. Nähe zu Familie und Freunden, geringere Umzugskosten und ein vertrautes Umfeld sind nachvollziehbare Argumente. Doch das Studium ist auch eine Chance, neue Orte kennenzulernen und über den eigenen Tellerrand hinauszuwachsen. Während große Länder mit vielfältigen Angeboten viele junge Menschen binden können, geraten kleinere Länder wie Brandenburg oder Thüringen ins Hintertreffen. Das Beispiel der IU zeigt, dass moderne Studienmodelle wie Fernstudium die alten Muster aufbrechen können. Je attraktiver und vielfältiger das Angebot, desto mehr Studierende bleiben – aber manchmal ist der Ruf der Großstadt einfach stärker. Mein Eindruck: Die Mobilität der Studienanfänger bleibt hoch, aber die Entscheidung für oder gegen die Heimat wird auch künftig maßgeblich vom konkreten Studienangebot beeinflusst werden.

Historischer Hintergrund

Die Frage, wo junge Menschen studieren, beschäftigt Bildungspolitik und Hochschulen seit Jahrzehnten. Unterschiedliche Kapazitäten, regionale Entwicklung und die Vielfalt der Studienangebote führen traditionell dazu, dass manche Bundesländer mehr Studierende binden, andere viele an Nachbarländer oder Großstädte verlieren. Besonders Städte wie Berlin oder Hamburg ziehen schon lange junge Menschen aus dem Umland an. Moderne Fernstudienangebote wie die der IU in Erfurt schaffen heute aber ganz neue Bewegungsmuster. Das Thema hat in Deutschland wiederholt auch Debatten zur Förderung strukturschwacher Regionen ausgelöst.

Zukunftsprognose

Der Trend zur Heimatnähe bei Studienentscheidungen dürfte in Regionen mit gut ausgebauten Hochschullandschaften anhalten, während kleinere Bundesländer und Grenzregionen weiter um ihre Nachwuchskräfte werben müssen. Fernstudium und digitale Angebote könnten die klassischen Wanderungsbewegungen weiter abschwächen und neue Möglichkeiten schaffen, wohnortnah akademische Abschlüsse zu erwerben. Prognosen zeigen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulstandorte immer stärker von der Vielfalt und Attraktivität ihrer Studiengänge abhängen wird und strukturschwache Regionen gezielt mit innovativen Konzepten und Kooperationen reagieren müssen.

Erklärungen

Was ist die Hochschulreife

Die Hochschulreife ist der höchste allgemeinbildende Schulabschluss in Deutschland. Sie berechtigt dazu, sich an einer Universität oder Hochschule einzuschreiben. Das bekannteste Beispiel ist das Abitur.

Was ist die Internationale Hochschule (IU)

Die Internationale Hochschule (IU) mit Sitz in Erfurt ist die größte Hochschule Deutschlands. Sie bietet viele Fernstudiengänge an, wodurch Studierende aus dem ganzen Bundesgebiet an der IU eingeschrieben sein können, ohne in Erfurt zu leben.

OZD-Extras

In Nordrhein-Westfalen gibt es besonders viele Hochschulstandorte, weshalb die Bindung der Studienanfänger an das Bundesland dort so hoch ausfällt.

Das Studien- und Wohnverhalten junger Menschen kann, besonders an kleinen Hochschulstandorten, auch auf lokale Wirtschaft und Mietmärkte Einfluss nehmen. Eine Zu- oder Abwanderung von Studierenden wird oft als Frühindikator für regionale Attraktivität bewertet. Konkrete Auswirkungen auf Börsen, Aktien oder Währungen durch diese Trends sind jedoch nicht belegt.

Gewinnspiel

Wie hoch war laut Statistischem Bundesamt der Anteil der Erstsemester, die 2025/26 im eigenen Bundesland studieren?

A) 69 Prozent

B) 42 Prozent

C) 82 Prozent

D) 34 Prozent

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.